Übergriffe in Köln

06. Januar 2016 08:15; Akt: 06.01.2016 08:20 Print

Haben Flüchtlinge die Frauen attackiert?

von K. Moser - Der deutsche Kriminologe Christian Pfeiffer beantwortet eine drängende Frage – und sagt, warum die Antwort keine Rolle spielen solle.

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In Köln und Hamburg griffen Männer – vermutlich aus Nordafrika und dem Nahen Osten – massenhaft Frauen an. 20 Minuten fragte den deutschen Kriminologen Christian Pfeiffer, ob die Integration der Flüchtlinge scheitert?

Herr Pfeiffer, sind diese Angriffe ein neues Phänomen?
In diesem Ausmass ja. Solche Fälle von übergriffiger Machokultur hatten wir bisher nicht.

Können Sie Vermutungen über die Täter anstellen?
Das Kölner Polizeipräsidium konnte für seine erste Aussage, die Täter stammten aus der bekannten Diebstahl- und Drogendealerszene um den Bahnhof Köln und hätten mit den Flüchtlingen nichts zu tun, keine Fakten vorlegen. Damit wird sich das Volk nicht abspeisen lassen. Es gibt Hinweise, dass die Täter aus Kulturen kommen, in denen Männer ein dominantes Verhalten an den Tag legen, und mit der freien Frauenkultur in Deutschland Schwierigkeiten haben. Und ich vermute, dass es sich um Neuankömmlinge in Deutschland handelt.

Heisst das, die Täter waren Flüchtlinge?
Das weiss ich nicht, aber ich halte es für denkbar, dass eine beachtliche Zahl, vielleicht die Mehrheit dieser Männer, erst 2015 nach Deutschland gekommen ist und noch nicht zu den Migranten gehört, die sich in unserem Land einigermassen integriert haben. Doch es spielt keine Rolle, ob Flüchtlinge unter den Tätern waren: Diese Vorfälle sind ein Weckruf, den die Politik hoffentlich ernst nehmen wird.

Inwiefern? Ist die Integration gescheitert?
Gescheitert würde ich nicht sagen, aber wir haben ein gigantisches Integrationsproblem: Mit der Zuwanderung von über einer Million Menschen kam 2015 eine überproportional hohe Zahl von Männern ins Land, die nicht familiär eingebunden sind. Familienväter sind leichter zu integrieren, Frauen sind sowieso kein Problem, und die Kinder wachsen hier auf.

Und die familienlosen Migranten werden zu Verbrechern?
Nicht zwingend. Aber allein stehende Männer, die sich im Asylverfahren in der Warteschlange befinden und den lieben langen Tag nichts zu tun haben, sind dafür besonders gefährdet. Wenn sich ihnen an einem speziellen Tag wie Silvester die Chance ergibt, sich im grossen Stil zu treffen, zu inszenieren und vielleicht auch an Geld ranzukommen und wenn dann noch Alkohol dazukommt, dann ergreifen einige die Gelegenheit. Es ist ein bekanntes Phänomen und betrifft nicht bloss Ausländer: Wenn man gemeinsam verrückte Sachen macht, die man als Einzelperson nicht tun würde, schaltet sich das Gewissen aus. In der Gruppe ist man anonym, man will kein Feigling sein, und macht bei dem Machogehabe mit.

Wie kann man solche Männer integrieren?
Jede Stadt, jede Gemeinde braucht spezielle Integrationskonzepte für die familienlosen Zuwanderer. Man könnte Vereine dabei unterstützen, Flüchtlinge in ihre Teams aufzunehmen. Musik, Tanz oder handwerkliche Tätigkeiten sind weitere Möglichkeiten. Grundsätzlich geht es darum, alltägliche Kontakte mit der deutschen Gesellschaft herzustellen. Wer isoliert unter seinesgleichen bleibt, läuft eher Gefahr, in kriminelle Verhaltensweisen abzugleiten.

Sind künftig ähnliche Gewalttaten zu erwarten?
Ja, damit muss man rechnen, etwa wenn der Karneval losgeht. Die Polizei wird vorbereitet sein. Aber nochmal: Wir dürfen das Problem nicht der Polizei überlassen. Wir brauchen dringend spezielle Integrationsprojekte für allein stehende Zuwanderer.

Schafft Deutschland das?
Ja, wir schaffen das, wenn die Bundesregierung die Kommunen endlich so ausstattet, wie sie es dringend brauchen. Das ist bisher nicht geschehen.