Zehntausende Betroffene

03. Juli 2009 13:48; Akt: 03.07.2009 14:30 Print

Härtere Strafen für Genitalverstümmelung

Während bei uns noch diskutiert wird, ob die Beschneidung von Mädchen und auch von volljährigen Frauen strafbar werden soll, hat Deutschland gehandelt: Genitalverstümmelungen werden künftig härter bestraft.

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Der deutsche Bundestag beschloss in der Nacht auf Freitag, entsprechende Taten als schwere Körperverletzung ins Strafgesetzbuch aufzunehmen und mit einer Strafe von einem bis zu zehn Jahren zu ahnden. Die zehnjährige Verjährungsfrist beginnt künftig erst dann, wenn die Opfer volljährig sind. Die Vorsitzende der Frauen Union der CDU, Maria Böhmer, begrüsste das Gesetz.

«Genitalverstümmelungen an Frauen und Mädchen gehören zu den schwersten Menschenrechtsverletzungen», sagte Böhmer. Mit der Verlängerung der Verjährungsfrist für Opfer, die zum Tatzeitpunkt noch nicht volljährig waren, mache die Regierung eine deutliche Ansage, das grausame Ritual zu stoppen.

Schutz nur für Minderjährige vorgesehen

In der Schweiz endete Mitte Juni die Vernehmlassung zu einem Gesetzesvorschlag, der auf Grund einer parlamentarischen Initiative der SP ausgearbeitet worden war. Er sieht vor, dass nur die Beschneidung von unter 18-jährigen Frauen und Mädchen geahndet werden soll. Dies wurde namentlich von SP und Grünen kritisiert. Auch Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf äusserte sich dahingehend, dass die Vorlage auch auf erwachsene Frauen ausgedehnt werden solle.

«Natürlich hat eine Person ab 18 Jahren ihren freien Willen», sagte Eveline Widmer-Schlumpf gegenüber dem «SonntagsBlick». Doch in gewissen Kreisen sei der soziale Druck so gross, dass man nicht behaupten könne, dass erwachsene Frauen sich aus freiem Willen beschneiden liessen. «Ihnen muss strafrechtlich so geholfen werden, dass sie nicht unter einem Gruppenzwang leiden müssen.»

5000 Migrantinnen gefährdet

Nach Einschätzung der Frauenrechtsorganisation Terre des Femmes (TdF) leben gegenwärtig rund 20 000 Mädchen und Frauen ausländischer Herkunft in Deutschland, die Opfer von Genitalverstümmelungen sind. Mindestens 5000 Migrantinnen sind zudem gefährdet, einem solchen Eingriff unterzogen zu werden.

Bei der Genitalverstümmelung handelt es sich um sehr schmerzhafte und nicht selten tödliche Eingriffe an den weiblichen Sexualorganen. Beschneidungen von Mädchen sind vor allem in vielen Ländern Afrikas, auf der arabischen Halbinsel und in Teilen Asiens verbreitet.

(jcg/ap)