Buschfeuer

05. Januar 2020 12:38; Akt: 05.01.2020 15:50 Print

Eine Milliarde Tiere könnte in den Flammen sterben

Biologen probieren abzuschätzen, was die Brände für die Tierwelt bedeuten.

Tote Schafe, Kängurus und Koalas: Die Feuer haben verheerende Folgen für Australiens einzigartige Tierwelt. (Video: Tamedia)
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Eine am Freitag veröffentlichte Studie der Universität von Sydney schätzt die Zahl der verendeten Tiere seit September auf 480 Millionen - alleine im Bundesstaat New South Wales. Es handle sich dabei um eine «sehr zurückhaltende» Kalkulation, wie die Autoren betonen. Die wahre Zahl könne noch «bedeutend höher» liegen. Der WWF Australien schätzt, dass bis zum Ende der diesjährigen Brandsaison rund eine Milliarde Tiere verendet sind.

Tote Flora und Fauna

Professor Andrew Beattie geht davon aus, dass landesweit bereits mehrere Milliarden von Tieren durch die Flammen ums Leben gekommen seien, «wenn man nebst Säugetieren, Vögeln und Reptilien auch grössere Insekten wie Schmetterlinge mit einrechnet». Es sei «ziemlich sicher, dass in grossen Teilen dieser sehr ausgedehnten Brandgebiete der grösste Teil der Tier- und Pflanzenwelt tot ist», betont der Biologe.

Viele der betroffenen Tiere sind wahrscheinlich direkt durch die Brände getötet worden. Andere sterben an der Nahrungsknappheit, an Dehydration oder weil es zu wenig Rückzugsorte für den Schutz vor Raubtieren gibt.

Ohnehin bedrohte Tiere

Koalas gehören zu den am härtesten betroffenen Tieren Australiens. Die Beuteltiere leben auf Bäumen, bewegen sich langsam und fressen nur die Blätter des Eukalyptusbaums, die mit Öl gefüllt sind - was sie hochentzündlich macht.

Bereits zwischen 1990 und 2010 ging die Zahl der Koalas in New South Wales und Queensland um 42 Prozent zurück. Durch Krankheiten und den Verlust ihres Lebensraums sind Koalas ohnehin schon bedroht. Experten schätzen, dass nun bis zu 8.000 weitere Koalas den gegenwärtigen Buschbränden zum Opfer gefallen sind, was ca. 30% der Spezies ausmacht.

Dr. Kellie Leigh, die Geschäftsführerin von Science for Wildlife, sagte dem australischen Parlament während einer Anhörung, dass es keine Ressourcen oder Verfahren zur Rettung von bedrohten Koala-Populationen gibt. «Wir ziehen eine Menge Lehren daraus und es zeigt nur, wie unvorbereitet wir sind», sagte Leigh gegenüber lokalen Medien.

Unberührte Inseln der Hoffnung

Wie die Zukunftsaussichten für die Tier- und Pflanzenwelt sind, wenn die Brände gelöscht sind, ist noch völlig unklar. Studien zeigen, dass Buschbrände sich nicht gleichmässig über die Landschaft ausbreiten, sondern es in Brandgebieten immer wieder von den Flammen unberührte «Inseln» gibt.

«Es sind diese unberührten oder weniger betroffenen Gebiete, in die sich Tiere flüchten, wenn sie es dorthin schaffen», sagt der Biologe Beattie. Falls es genug solcher «Inseln» gebe und sich die äusseren Bedingungen rasch verbesserten, gebe es Hoffnung, dass die Wälder und Buschgebiete sich wieder erholen können.

Regeneration dauert bis zu 40 Jahre

Die Zukunft der am schwersten verbrannten Gebiete hängt nach Beatties Worten von Faktoren wie dem Niederschlag und dem Klima in den kommenden Monaten ab. Nicht nur die grossen, charismatischen Tiere sind feuerempfindlich, auch Insekten, die in den 480 Millionen noch nicht einkalkuliert sind. Da deren Dienstleistungen wie die Bestäubung essentiell sind, ist die Zukunft der Ökosysteme eine grosse Unbekannte. Es könne bis zu 40 Jahre dauern, bis die Habitate wiederhergestellt seien.

(ajs/sda)