Gesichtsnerven entfernt

30. April 2019 19:30; Akt: 30.04.2019 19:30 Print

Hannah kann Mund und Augen nicht schliessen

Die 28-jährige Amerikanerin Hannah Vaughn Setzer kann seit einer Operation weder lachen noch die Augen schliessen. Ärzte haben aus Versehen Nerven entfernt.

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Von Geburt an leidet Hannah Vaughn Setzer (28) aus dem US-Staat Virginia an Hygroma colli, eine Erkrankung, die Zysten hervorruft. Ihr Kopf und ihr Hals waren übersät davon, als sie ein Baby war. Ärzte rieten ihren Eltern gar, sie abzutreiben. Hannah würde nicht gehen oder sprechen können. Doch die Eltern entschieden sich dagegen und Hannah kam im September 1990 zur Welt.

In ihrem jungen Leben musste die 28-Jährige jedoch bereits zahlreiche Operationen über sich ergehen lassen. Eine davon ging offenbar schief: Ärzte schnitten nebst den Zysten auch einige Gesichtsnerven aus ihrem Kopf, berichtet «The Mirror». Seither kann Hannah nicht mehr lachen oder die Augen schliessen.

«Ich denke, ich bin ziemlich toll, und das ist es, was zählt.»

Doch davon lässt sie sich nicht entmutigen. «Leute haben mich millionenfach angestarrt, auf mich gezeigt und geflüstert ‹Was ist los mit ihr?› Ich habe schon alles gehört. Aber ehrlich gesagt, kümmert es mich nicht. Die Leute können denken, dass ich hässlich oder dumm bin oder seltsam oder furchteinflössend aussehe. Das ist schon okay. Ich denke, ich bin ziemlich toll, und das ist es, was zählt.»

In einem Blog teilt sie ihre Erfahrungen. Zudem setzt sie sich als Anwältin für die Rechte von beeinträchtigten Menschen ein. Ihre eigene Beeinträchtigung nimmt sie mit Humor. «Meine Augen rollen nach innen, wenn ich schlafe, dann wird es dunkel. Ich habe so schon einige Leute erschreckt.»

«Nichts kann mich aufhalten.»

Ganz so spurlos sind die Kommentare und Blicke dann aber doch nicht an ihr vorbeigegangen. «Ich kann dir von unfreundlichen Dingen erzählen, die mir vor über zehn Jahren gesagt wurden, Wort für Wort. Es haftet an dir, das ist hart.» Doch mittlerweile habe sie gelernt, dass manche Leute ignorant sind.

Im vergangenen Jahr fasste sie zudem den Entschluss, sich jeden Tag zu bewegen. Das hat sie bis heute durchgehalten. «Ich bin gesünder, glücklicher, aktiver, disziplinierter und so viel dankbarer. Ich bin sicher, ich würde schneller rennen, wenn ich nicht durch ein Loch in meinem Hals atmen müsste, aber dennoch: Nichts kann mich aufhalten.»

(vro)