Bei lebendigem Leib

03. Januar 2014 17:27; Akt: 03.01.2014 17:45 Print

Hat Kim seinen Onkel an 120 Hunde verfüttert?

Der nordkoreanische Machthaber Kim Jong-Un soll seinen Onkel auf brutalste Art und Weise exekutiert haben. Das behauptet eine chinesische Zeitung. Doch Zweifel sind berechtigt.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Politische Gefangene werden in Nordkorea üblicherweise mit Maschinengewehrfeuer hingerichtet. Für seinen Onkel hat sich der Diktator jedoch etwas anderes einfallen lassen. Wie die chinesische Zeitung «Wen Wei Po» schreibt, wurden Jang Song Thaek und fünf seiner Gefolgsleute einer riesigen Hundemeute zum Frass vorgeworfen.

Die Verurteilten seien nackt ausgezogen und in einen Käfig mit 120 ausgehungerten Hunden geworfen worden. Die Tiere, die drei Tage lang nicht gefüttert worden seien, hätten die Verurteilten darauf in Stücke gerissen und gefressen. «Quan Jue» heisst diese Hinrichtungsart. Sie soll eine Stunde gedauert haben, und Kim Jong-Un habe ihr zusammen mit 300 Offiziellen höchstpersönlich beigewohnt, heisst es in dem Bericht weiter.

Zweifel angebracht

Erschreckende Nachrichten aus Nordkorea sind zwar keine Seltenheit. Trotzdem haben viele Medien gezögert, den Bericht über die grausige Hinrichtung zu bringen. Zu viele Fragen wirft er auf. Erstaunlich ist etwa, dass es 120 Hunde brauchte, um sechs Menschen zu töten. Und dass über 300 Personen dem Spektakel beigewohnt haben sollen.

Zweifelhaft ist auch die Quelle. Die Zeitung «Wen Wei Po», die den Bericht über die Hinrichtung bereits am 12. Dezember als erste brachte, gilt als Sprachrohr von Kims Onkel, der seinerseits als Brückenbauer zwischen Nordkorea und China diente. China war von der Hinrichtung alles andere als begeistert, der Zeitungsbericht könnte laut dem «Telegraph» auch als Warnung an den kleinen Nachbarn gedeutet werden.

Als eine der ersten Redaktionen hat die Singapurer Zeitung «The Straits Times» am 24. Dezember die Nachricht aufgenommen. Diese gilt zwar als glaubwürdig, aber auch als äusserst antikommunistisch.

Schliesslich ist noch zu bemerken, dass auch Südkorea ein Interesse an der Verbreitung von Schreckensnachrichten aus dem Norden hat – vor allem jetzt. Im Dezember/Januar laufen hier die Budgetberatungen, wie der Nordkorea-Experte Werner Pfennig zu 20 Minuten sagt: «Dabei geht es um viel Geld, auch für den Geheimdienst.»

(kmo)