Biografie erschienen

29. März 2011 16:24; Akt: 29.03.2011 16:31 Print

Hatte Gandhi einen deutschen Liebhaber?

Eine neu erschienene Biografie behauptet, dass Mahatma Gandhi eine homosexuelle Beziehung mit einem Deutschen hatte. Die Reaktionen sind heftig.

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Die Gandhi-Biografie «Great Soul: Mahatma Gandhi And His Struggle With India» schlägt noch vor ihrer Erscheinung hohe Wellen. Und sie kommt von keinem geringeren als Joseph Lelyveld, ehemaliger Chefredaktor der «New York Times» und Pulitzer-Preis-Gewinner.

Die brisante Aussage: Mahatma Gandhi hatte eine homosexuelle Beziehung zum deutschen Architekten und Bodybuilder Hermann Kallenbach (verstarb 1945). Zudem habe sich Gandhi bei einem Aufenthalt in Südafrika rassistisch über Schwarze geäussert.

Im Buch zitiert Lelyveld pikante Ausschnitte aus dem langjährigen Briefwechsel zwischen Gandhi und Hermann. So soll Gandhi geschrieben haben: «Mein Körper gehört ganz dir. Es ist wie Sklaverei, gegen die ich wehrlos bin.» Weiter wird zitiert: «Dein Bild (das Einzige) steht auf dem Kaminsims in meinem Schlafzimmer.»

Gandhi hat tatsächlich mehrere Jahre mit Hermann zusammengelebt. Die beiden trafen sich 1904 in Südafrika. Gandhi war damals verheiratet, legte aber 1906 ein Enthaltsamkeitsgelübde ab. Hermann hingegen schwor er «so viel Liebe, wie sie die Welt noch nicht gesehen hat». Er forderte ihn auf, nicht lüstern auf andere Frauen zu blicken. Als der erste Weltkrieg ausbrach, trennten sich ihre Wege. In den folgenden Jahren hätten die beiden einen regen Briefverkehr unterhalten.

Es gäbe mannigfach Hinweise auf seine Homosexualität

Die Auszüge aus dem Vorabdruck wurden von angelsächsischen Zeitungen publiziert und kommentiert. «Gandhi verliess seine Frau, um mit einem männlichen Liebhaber zusammenzuleben», schreibt die «Daily Mail». Der «Daily Telegraph» sagt: Gandhi habe «rassistische Ansichten gegenüber den Schwarzen in Südafrika vertreten» und nach Meinung des «Wall Street Journal» beschreibt die Biografie Gandhi als «sexuellen Spinner und politischen Nichtskönner».

In Indien lösten diese Berichte einen Sturm der Entrüstung aus. Den westlichen Medien und dem Autoren wurden Gier und Sensationslust vorgeworfen. Auch Gandhis Nachfahren meldeten sich wütend zu Wort.

Die Nachrichtenagentur AFP zitiert zudem den Gandhi-Experten Jad Adams, der mit seiner Biografie für einen Skandal sorgte, weil er Gandhi zahllose Affären mit jungen Frauen unterstellte. Für Adams ist eine homosexuelle Orientierung Gandhis nicht denkbar: «Hätte er homosexuelle Akte begangen, gäbe es mannigfach Hinweise darauf.»

(aeg)