Käseknatsch mit EU

12. März 2014 14:48; Akt: 12.03.2014 15:05 Print

Heisst der Parmesan in den USA bald anders?

von Mary Clare Jalonick, AP - Käsehersteller in den USA sind verärgert: Die EU will ihnen die Verwendung von Namen wie Parmesan und Feta für ihre Produkte untersagen. Auch in der Politik formiert sich Widerstand.

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Geht es nach der EU, sollen Parmesan und weitere Käsesorten in den USA bald anders heissen. (Bild: Keystone/AP/J. David ake)

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In Italien produzierte Errico Auricchio gemeinsam mit seiner Familie Käse. Dann brachte er vor mehr als 30 Jahren sein Gewerbe in die USA. Nun setzt ihn die Europäische Union unter Druck: Sie will Unternehmern wie Auricchio die Verwendung von Namen wie Parmesan, Feta und Gorgonzola verbieten. Weil, so die Begründung, in Amerika hergestellter Käse nur ein schwaches Abbild des Originals aus Europa sei und Verkäufen sowie Identität der europäischen Käsesorten schade.

Nicht nur Käseproduzenten, auch Politiker sind über die EU-Pläne verärgert. US-Molkereihersteller und Lebensmittelkonzerne warnen, das Vorhaben würde der vier Milliarden Dollar (2,9 Milliarden Euro) grossen Käseindustrie in den USA Schäden zufügen. Zudem würden dadurch Verbraucher verwirrt. «Es ist wirklich verblüffend, dass die Europäer versuchen, Produkte zurückzubekommen, die in anderen Ländern populär gemacht wurden», sagte Jim Mulhern, Präsident des Nationalen Milchproduzenten-Verbands, der Milchbauern repräsentiert.

«Wichtiges Thema» im Freihandel

Das Vorhaben könnte eine Rolle bei den laufenden Verhandlungen zwischen der EU und den USA über ein Freihandelsabkommen spielen. Was genau die europäische Staatengemeinschaft mit Blick auf die Käsenamen vorschlägt, hat sie noch nicht gesagt. EU-Kommissionssprecher Roger Waite erklärte lediglich, dass dies «ein wichtiges Thema für die EU» sei.

Dass dies der Fall ist, haben Abkommen mit Kanada und Zentralamerika deutlich gemacht, in denen die Verwendung bestimmter Käsenamen beschränkt wurde. Nach der kanadischen Vereinbarung, beispielsweise können neue Feta-Produkte, die in Kanada hergestellt werden, nur als Feta-artig vermarktet werden. Zudem dürfen keine griechischen Buchstaben oder andere Symbole verwendet werden, die an Griechenland erinnern.

Auch US-Käse betroffen

Zwar hat die EU noch keinen öffentlichen Vorschlag präsentiert, doch wird erwartet, dass Brüssel auch die Vermarktung von in den USA hergestelltem Käse einschränken will. Betroffen sein könnten unter anderem die Namen Fontina, Grana, Muenster, Asiago, Neufchâtel und Romano. Womöglich geht es aber nicht nur um Käse. Andere Produkte, die mit europäischen Ländern verbunden sind und für die es womöglich Einschränkungen geben könnte, sind Bologna (Wurst), Schwarzwälder Schinken, griechischer Joghurt, Valencia-Orangen und Prosciutto.

Auch US-Politiker wollen die mögliche Änderung der Lebensmitteletiketten nicht widerstandslos hinnehmen. Eine Gruppe von 55 Senatoren der demokratischen und republikanischen Parteien forderten US-Handelsvertreter Michael Froman und Landwirtschaftsminister Tom Vilsack in dieser Woche auf, entsprechenden Vorschlägen der EU nicht zuzustimmen. In den US-Staaten, die sie repräsentierten, müssten klein- oder mittelgrosse Unternehmen, die von Familien betrieben werden, womöglich ungerechte Einschränkungen hinnehmen, beklagten die Senatoren. Auch Exportunternehmen könnten grosse Schäden davontragen.

«Verwirrend für Verbraucher»

Grosse Lebensmittelkonzerne, die Käse massenweise produzieren, wehren sich ebenfalls gegen die EU-Pläne. Das Unternehmen Kraft, das für seinen geriebenen Parmesan bekannt ist, sagte, die Käsenamen würden in den USA seit langem gebraucht. «Solche Restriktionen könnten nicht nur Lebensmittelhersteller teuer zu stehen kommen, sondern auch potenziell verwirrend für Verbraucher sein, wenn sich die Etiketten ihrer Lieblingsprodukte mit diesen lange üblichen Namen ändern müssten», sagte Kraft-Sprecher Basil Maglaris.

Für Jaime Castaneda hat die Vorstellung, dass grossartiger Käse nur aus Europa stammen könne, keine Gültigkeit. Örtlich hergestellte Lebensmittelprodukte seien in den USA noch nie so populär gewesen, meinte der Direktor des Consortium for Common Food Names, einer Gruppe, die für den Kampf gegen die EU-Änderungen ins Leben gerufen wurde. Einige Verbraucher könnten sogar die amerikanischen Marken bevorzugen.

Käseproduzenten wie Auricchio, Präsident der BelGioioso Cheese Inc. mit Sitz im US-Staat Wisconsin, sind verärgert, weil es ursprünglich Europäer gewesen seien, die die Käsesorten nach Amerika gebracht hätten und amerikanische Unternehmen sie in einem grossen Markt beliebter und profitabler gemacht hätten. «Wir haben Jahre und Jahre investiert, diesen Käse herzustellen», sagte Auricchio. «Man kann die Verbreitung von Kultur nicht stoppen», sagte er, «vor allem nicht in der globalen Wirtschaft.»