Zu viele Misstritte

03. Dezember 2011 19:54; Akt: 04.12.2011 02:42 Print

Herman Cain wirft das Handtuch

Der «Pizza-Mann» legt seine Präsidentschaftskampagne auf Eis. Der jüngste Vorwurf war einer zu viel: Der Republikaner Herman Cain soll eine Affäre gehabt haben - 13 Jahre lang.

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Das Putzen ist nicht mehr nötig: Eine Wahlkampfhelferin rackert sich zum letzten Mal für Herman Cain ab. (Bild: Keystone)

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Der US-Republikaner Herman Cain hat nach Vorwürfen einer langjährigen ausserehelichen Affäre seine Bewerbung um die Präsidentschaftskandidatur seiner Partei auf Eis gelegt. Er kündigte dies vor Anhängern in seiner Heimatstadt Atlanta im Bundesstaat Georgia an.

Er setze seine Präsidentschaftskampagne «wegen der fortgesetzten Ablenkung und der fortgesetzten Kränkung» seiner Person und seiner Familie aus, sagte der 65-Jährige am Samstag in Atlanta.

Am Montag hatte eine 46-jährige Geschäftsfrau aus Atlanta erklärt, mit Cain eine 13 Jahre andauernde Affäre gehabt zu haben. Der Politiker räumte ein, die Frau zu kennen, bestritt aber eine sexuelle Beziehung mit ihr. Zuvor war er von vier Frauen der sexuellen Belästigung beschuldigt worden. Auch diese Vorwürfe hatte er zurückgewiesen.

In Umfragen hatte der frühere Chef einer Pizza-Kette im Oktober noch Spitzenwerte unter den republikanischen Bewerbern erzielt; infolge der Vorwürfe zu seinem Privatleben und einigen Patzern war seine Zustimmung aber deutlich gesunken.

Einziger Afroamerikaner

In Interviews hatte sich Cain in den vergangenen Wochen mehrere Patzer geleistet. Auf die Frage eines Reporters zu Libyen stammelte Cain offenbar ziemlich ohne Informationen über den Konflikt herum und verortete später auch noch die afghanischen Taliban in den nordafrikanischen Land.

Cain ist der einzige Afroamerikaner im republikanischen Bewerberfeld für die Präsidentschaftskandidatur 2012. Die dramatische Ankündigung vom Samstag dürfte das Ende für seine Bewerbung sein. Die Vorwahlen der Republikaner beginnen bereits am 3. Januar kommenden Jahres. Die Präsidentenwahlen sind am 6. November 2012.

Er werde dennoch weiter versuchen, Einfluss auf Washington auszuüben, sagte Cain am Samstag und kündigte einen «Plan B» an. Durch Arbeit an der Basis werde er die Regierung wieder zum Volk zurückbringen. Als Nutzniesser der Skandale um Cain gilt Umfragen zufolge der Präsidentschaftsbewerber Newt Gingrich, der nun zum grössten Herausforderer des Favoriten Mitt Romney aufsteigen könnte.

Eigentlich sollte Wahlkampfzentrale eröffnet werden

«Ich setze meine Präsidentschaftskandidatur aus, wegen der wiederholten Verwirrungen und der wiederholten Kränkungen, die mir und meiner Familie zugefügt wurden», sagte Cain vor etwa 400 Zuschauern bei einer Veranstaltung, die eigentlich als Einweihung seiner Wahlkampfzentrale geplant gewesen war. Seine Frau Gloria stand während seiner Rede neben ihm.

Er und seine Familie wüssten, dass die Vorwürfe und die unbestätigten Berichte falsch seien. «Ich bin mit meinem Gott im Reinen. Ich bin mit meiner Frau im Reinen. Und sie ist mit mir im Reinen», sagte Cain.

(sda/ap)