Staatsbürgerschaft

04. Juni 2018 21:36; Akt: 05.06.2018 14:43 Print

Superreiche kaufen sich den Pass einfach

Sie lieben das karibische Klima und haben 150'000 Franken übrig? Wie wärs mit einer zweiten Staatsbürgerschaft – ohne lästige Fragen zu lokalen Gepflogenheiten.

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In der Schweiz sind die Hürden für die Erlangung einer Staatsbürgerschaft vergleichsweise hoch. Vergleichsweise günstig ist eine Staatsbürgerschaft in der Karibik zu haben. Bürger aus den britischen Überseegebieten benötigen zur Einreise nach Grossbritannien etwa kein Visum. Ein Strand im karibischen Inselstaat St. Lucia. Gegen eine Investition oder Zahlung von 100'000 Dollar ist in Antigua eine Staatsbürgerschaft zu haben. Der Dickenson Bay Beach in Antigua. Blick auf Maltas Hauptstadt Valletta. Um hier eine Niederlassungsbewilligung und den Pass zu erhalten, sind eine Investition von 675'000 Euro in den nationalen Entwicklungsfonds und der Erwerb einer Liegenschaft im Wert von mindestens 350'000 Euro Voraussetzung. In Zypern werden Investitionen ab zwei Millionen Euro in Grundbesitz, Aktien, zypriotische Unternehmen oder Regierungsanleihen fällig, um die Staatsbürgerschaft zu erlangen. Bei weitem nicht alle Pässe sind gleich begehrt geschweige denn käuflich. Den mächtigsten Pass der Welt hat laut dem Passport Index von Arton Capitol der Stadtstaat Singapur. Platz zwei: Deutschland. Platz drei teilen sich Schweden ... ... und Südkorea. Auf Platz vier sind Dänemark, ... ... Finnland, ... ... Norwegen, ... ... Italien, ... ... Frankreich, ... ... Japan, ... ... Grossbritannien ... ... und Spanien. Der rote Pass aus der Schweiz schafft es auf Platz fünf, zusammen mit Luxemburg, den Niederlanden, Belgien, Österreich und Portugal. Der US-Pass liegt gemeinsam mit dem kanadischen, irländischen und malaysischen auf Platz sechs.

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Will ein Ausländer den roten Pass erhalten, muss er einiges an Wissen über Land und Leute vorweisen und seine gelungene Integration glaubwürdig darlegen. Andere Staaten sind da weitaus weniger wählerisch – vorausgesetzt, der Antragsteller kann ein dickes Portemonnaie vorweisen. Superreiche können so etwa komplizierten Visa-Verfahren entgehen und oft auch ein wenig Steuern sparen.

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Wo man für einen Pass weltweit wie viel hinblättern muss, hat der britische «Guardian» recherchiert.

Ab 100'000 Dollar aufwärts

Mit einem Sofort-Kaufen-Click ist es natürlich nicht getan – viele Staaten verstecken die Möglichkeit, eine Staatsbürgerschaft zu erlangen, hinter sogenannten «Citizenship by Investment Programmes», kurz CIP, also Staatsbürgerschaft durch Investition.

Das Geschäft mit den Pässen boomt und das Prinzip ist denkbar einfach: Wohlhabende Menschen kaufen Grundstücke oder Liegenschaften vor Ort, investieren in lokale Unternehmen, kaufen Regierungsanleihen oder bezahlen eine grössere Summe direkt. Im Gegenzug erhalten sie die Staatsbürgerschaft des betreffenden Landes.

Malta in der Kritik

Alternativ ist auch die Vergabe sogenannter «Goldener Visa» populär. Diese erlauben eine Niederlassung im betreffenden Land und führen – typischerweise nach fünf Jahren – zur Gewährung der Staatsbürgerschaft.

Eigens darauf spezialisierte Kanzleien verdienen viel Geld damit, wohlhabenden Investoren aus Ländern wie China, Russland, Indien, Vietnam, Mexiko und Brasilien die Staatsbürgerschaft im Land ihrer Wahl zu verschaffen. Zahlreiche Interessenten stammen laut «Guardian» auch aus Ländern des Mittleren Ostens und der Türkei.

Zunehmend in der Kritik stand aufgrund dieser Praxis das EU-Land Malta, das sich seit 2014 in mehr als 800 Fällen seine Staatsbürgerschaft und damit auch das uneingeschränkte Reise- und Aufenthaltsrecht innerhalb der EU versilbern liess.

Günstige Karibik

Vergleichsweise am günstigsten ist eine Staatsbürgerschaft in der Karibik zu haben. Bürger aus den britischen Überseegebieten benötigen etwa zur Einreise nach Grossbritannien kein Visum.

Fünf Länder bieten hier derzeit CIP an, darunter Commonwealth-Mitglied St. Kitts and Nevis, wo ein Pass gegen eine Überweisung von 150'000 US-Dollar an den Hurricane-Hilfsfonds ausgestellt wird. Noch günstiger ist das Ganze in Antigua, Barbuda, St. Lucia, Granada oder dem Inselstaat Dominica: Hier sind für die Einbürgerung nur 100'000 Dollar fällig.

Teures Europa

Nahezu die Hälfte der EU-Staaten bietet eine irgendwie geartete Form solcher Programme an. Prominentestes Beispiel: Malta. Hier müssen Anwärter aber schon tiefer in die Tasche greifen als im karibischen Pendant. Erforderlich sind eine Investition von 675'000 Euro in den nationalen Entwicklungsfonds und der Erwerb einer Liegenschaft im Wert von mindestens 350'000 Euro.

In Zypern werden Investitionen ab zwei Millionen Euro in Grundbesitz, Aktien, zypriotische Unternehmen oder Regierungsanleihen fällig. In Bulgarien kostet eine Niederlassungsbewilligung 500'000 Euro. Investiert ein Antragsteller sogar eine Million Euro im Laufe von zwei Jahren, sichert er sich das Recht auf eine vereinfachte und beschleunigte Verleihung der Staatsbürgerschaft. Immerhin werden hier – zumindest auf dem Papier – auch gewisse sprachliche Mindestanforderungen gestellt.

VIP-Behandlung inklusive

Sogar Spanien bietet gegen Bares ein Aufenthaltsrecht mit Aussicht auf die spanische Staatsbürgerschaft an, allerdings müssen sich Anwärter zehn Jahre gedulden, bis sie den Pass beantragen dürfen.

Wer Geld übrig hat und gedenkt, sich in Thailand niederzulassen, für den hat die Regierung ein Elite-Residency-Paket im Angebot – medizinisches Check-up, Spa-Besuche und VIP-Behandlung vonseiten der Behörden inklusive. Das Ganze ist für 3000 bis 4000 US-Dollar jährlich zu haben.

(jdr)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Peter M am 05.06.2018 07:40 Report Diesen Beitrag melden

    Scheinheilig

    In der Schweiz reicht es wenn man gut Fussballspielen kann. Dann klappts auch mit dem Pass, selbst nach Ablehnung des Gesuches.

  • Alboreto am 05.06.2018 04:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nichts neues

    Auch bei uns kann man den Pass kaufen.Es geht nur etwas winkliger und diskreter!

  • Princesa am 05.06.2018 00:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geld regiert!

    Wie es so schön heisst mit Geld kann man alles kaufen!

Die neusten Leser-Kommentare

  • LM AA am 05.06.2018 20:14 Report Diesen Beitrag melden

    Hier hätte es Potential

    150'000 Dollar - das sollten wir auch tun. Und zudem noch gleich wie die USA, weltweit bei unseren Mitbürgern Steuern erheben. Ich bin überzeugt dies wäre ein gangbarer Weg unsere AHV langfristig sanieren zu können.

  • Maxi am 05.06.2018 19:39 Report Diesen Beitrag melden

    Australien

    Wieviel kostet die australische Statsbürgerschaft?

  • 36Looping am 05.06.2018 15:27 Report Diesen Beitrag melden

    Schade das es in der Schweiz

    auch so einfach ist einzubürgern.

  • Paddy Schweizer am 05.06.2018 09:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Doppelbürger

    Schafft doch endlich das Doppelbürgerrecht ab, so löst sich vieles von selbst.

  • renato am 05.06.2018 08:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    juhuuu

    ich wusste gar nicht, dass ich mit 150000 schon zu den superreichen gehöre!