Atomkatastrophe Japan

20. März 2011 09:21; Akt: 20.03.2011 09:22 Print

Hier sollten keine Atomkraftwerke stehen

Nicht nur in Japan, auch in anderen akut erdbebengefährdeten Ländern stehen Atomkraftwerke. Man sei vorbereitet, betonen alle. Bei manchen sind Zweifel angebracht.

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Diese Karte kombiniert die globalen Erdbebenzentren und Atomkraftwerke. Die violetten Kreise bezeichnen AKW-Standorte. Tiefrot ist der pazifische Feuerring erkennbar. Demnach wären neben Japan auch die USA, Armenien, Iran, Pakistan, Taiwan und Südkorea gefährdet. Das vermutlich gefährlichste und gefährdetste AKW der Welt: Metsamor in Armenien. Nach dem verheerenden Erdbeben 1988 (Stärke 6.9) wurde es abgestellt, aufgrund von Stromengpässen 1995 aber wieder in Betrieb genommen. Auf Druck der EU willigte die armenische Regierung 2007 ein, das AKW abzustellen. Derzeit ist es aber immer noch am Netz. Das Atomkraftwerk Diablo Canyon in Kalifornien steht seit der Nuklearkatastrophe in Japan in der Kritik. Bei seinem Bau 1985 hatten die US-Behörden offenbar keine Auflagen hinsichtlich der Erdbebensicherheit gemacht. Der Betreiber macht geltend, dass nach dem Erdbeben 2003 (Stärke 6.5) entsprechende «Notfallpläne» eingeführt worden sind. Das iranische Atomkraftwerk Bushehr sei erdbebensicher, sagte der russische Aussenminister Sergei Lavrov am Montag in Paris. Russland ist für den Bau verantwortlich, der seit Jahren von Verzögerungen geplagt ist. Letztes grosses Erdbeben in der Region: 2003, Stärke: 6.5. Die pakistanische Nuklearbehörde erklärte am Dienstag, das Atomkraftwerk Chashma im Norden des Landes sei gegen Erdbeben und Dammbrüche gesichert. Die Ereignisse in Japan verfolge man genau. Letztes grosses Erdbeben in der Region: 2005, Stärke: 7.6. Die Atombehörde Taiwans hat angekündigt, alle Atomkraftwerke des Landes einer Prüfung zu unterziehen. Neben dem AKW Maanshan (Bild) an der Südspitze des Landes gibt es zwei ältere im Norden in unmittelbarer Nähe der Hauptstadt Taipei. Deren Bauweise ähnelt dem japanischen AKW Fukushima. Letztes grosses Erdbeben in der Region: 2006, Stärke: 7.0. Aufgeschreckt durch die Ereignisse im nahen Japan hat Südkorea am Mittwoch Erdbeben- und Tsunami-Drills abgehalten. Südkorea baut seine Atomkapazitäten gerade massiv aus. Bis 2021 sollen zwölf neue Reaktoren ans Netz gehen. Letztes grosses Erdbeben in der Region: 2011, Stärke: 6.8. Auch die akut erdbebengefährdeten Länder Chile (2010, Stärke 8,8) und die Türkei (1999, Stärke 7,6) haben Pläne für den Bau von AKWs.

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(kri)