US-Vorwahlrunde

16. März 2016 06:02; Akt: 16.03.2016 17:50 Print

Hillary und Donald siegen, doch viele hassen sie

von Martin Suter, New York - Marco Rubio ist out, und Bernie Sanders fällt zurück: Im US-Präsidentschaftsrennen verbleiben drei hochproblematische Kandidaten.

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An den Iden des März wurde in der amerikanischen Republik zwar kein Cäsar getötet. Doch nach der Niederlage in seinem Herkunftsstaat Florida gab Senator Marco Rubio auf, der junge Hoffnungsträger der republikanischen Partei.

Die wichtige Wahlnacht vom Dienstag klärte einiges auf, wenn auch längst nicht feststeht, wer Anfang November ins Weisse Haus einziehen wird. Fünf Beobachtungen nach dem Super Tuesday Nummer drei:

1. Hillary ist die Nomination nicht mehr zu nehmen

In Umfragen hatte Hillary Clintons grosser Rivale Bernie Sanders in den letzten Tagen viel Schwung gezeigt. Doch unter den fünf grossen Gliedstaaten, wo Vorwahlen abgehalten wurden, kam der sozialistische Senator aus Vermont bloss in Missouri in die Nähe der Ex-Aussenministerin. Die frühere Präsidentengattin verbucht inzwischen so viele Delegiertenstimmen, dass ein Wunder geschehen müsste, damit sie bis im Sommer das absolute Mehr verfehlt. Den Ausschlag gab womöglich, dass zu viele Demokraten Sanders letztlich nicht für wählbar hielten.

2. Hillary ist eine starke Frau, aber eine schwache Kandidatin

So zäh wie kaum ein anderer Politiker kämpfte sich Hillary Clinton in ihrem zweiten Anlauf an die Spitze der Demokraten. Doch als Kandidatin hat sie grosse Schwächen. Junge Wähler - und sogar Wählerinnen - ziehen Sanders mit riesigen Mehrheiten vor. Sie ist kein natürliches Talent; ihre Siegesrede am Dienstag kam angestrengt, wütend und wenig freudvoll daher. Stark ist Hillary bloss bei Schwarzen und Latinos - nur zwei von den drei Wählergruppen, die Obama zum Präsidenten machten.

3. Rubios Abgang besiegelt die Niederlage des Establishments

Das Rennen der Republikaner ist nach dem Ausscheiden Rubios ein «two men race» zwischen Donald Trump und Ted Cruz. (John Kasich, der in seinem Staat Ohio siegte, könnte nicht einmal auf eine Mehrheit kommen, wenn er sämtliche künftigen Vorwahlen gewänne.) Trump wie Cruz sind Rebellen, der eine ein Populist, der andere ein Erzkonservativer. Kein republikanischer Kandidat mit Chancen kann jetzt noch wagen, in der Einwanderungspolitik flexibel zu sein; keiner vertritt mehr die neokonservative Aussenpolitik von George W. Bush.

4. Den Republikanern steht die Zerreissprobe bevor

Die Wahrscheinlichkeit steigt, dass bis zum Parteikongress im Juli kein Bewerber die absolute Delegiertenmehrheit erhält. Die Entscheidung zwischen Trump und Cruz stellt die Partei vor ein Dilemma: Viele können sich nicht mit der kruden Prinzipienlosigkeit Trumps abfinden. Womöglich ebenso viele halten Cruz für chancenlos in der Endrunde gegen Hillary. Die Partei muss sich hinter den einen oder anderen Kandidaten stellen; ihnen einen Drittkandidaten vorzuziehen, wäre selbstmörderisch. Fraglich bleibt, ob sich die Republikaner je wirklich einigen können.

5. Der Final Trump gegen Hillary ist nicht voraussagbar

Mit Siegen in den wichtigen Staaten Florida, Illinois und North Carolina hatte Donald Trump eine sehr gute Wahlnacht. Ausser in Ohio und Missouri verbuchte er in allen Vorwahlen klare Siege, obwohl in den letzten Tagen zweistellige Millionenbeträge für negative TV-Spots gegen den New Yorker Baulöwen ausgegeben wurden. Doch kann sich Trump so sehr mässigen, dass er für eine Mehrheit wählbar wird? Wenn Hillary diese Frage mit nein beantwortet, freut sie sich womöglich zu früh. Für den früheren Obama-Berater David Plouffe ist Trumps Stärke seine Unberechenbarkeit: «Trump ist ‹Mad Max Fury Road› - etwas wie ihn hat es in der US-Politik noch nie gegeben.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Augen auf! am 16.03.2016 06:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ted Cruz vs. Donald Trump

    Ein erzkonservativer Prediger, dessen Weltsicht auf kirchlichen Dogmen steht als Alternative zum Egomanen, der eher an verwöhntes Kind, als an einen Staatsmann mit Überzeugungen erinnert. Den Republikanern bleibt nichts erspart.

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  • A-non am 16.03.2016 07:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    bernie

    Bernie wäre die einzig vernünftige Wahl gewesen. Ein Jammer. Man wird wohl das kleinere Übel, Hillary, wählen.

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  • Nakedonthemoon am 16.03.2016 08:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Toleranz 

    Als Amerikaner/Schweizer macht mir den Rechtsrutsch in der Schweiz und das niveaulose Chaos bei den Republikanern in Amerika ziemlich sorgen. In einer Welt in der wir viel mehr verbessern könnten wenn wir alle zusammen an einem Strang ziehen würden, werden Leute wie Donald Trump gehypt und gefeiert! Eine gefährliche und traurige Entwicklung! Mehr Frieden, mehr Verständnis + mehr Toleranz!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Schlagi am 16.03.2016 13:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Selbst schuld

    Wenn die Republikaner keinen wählbaren Kandidaten bringen ist das gut für Hillary. Dann ist sie schon so gut wie gewählt. Und das ist bei diesen Kandidaten sicher die beste Option.

  • Meier Max am 16.03.2016 13:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Trump tut der EU gut

    Hoffe Trump gewinnt, mit allem Respekt aber so massiv schlechter wie die EU Europa in 25 Jahren insVerderben brachte, kann er nicht sein.

  • Biker am 16.03.2016 13:04 Report Diesen Beitrag melden

    Ja wer nun ?

    Hillary hat Regierungserfahrung. Trump nicht. Andererseits muss man Trump dafür bewundern, dass er diese üble political correctness, die jedem der Kritik äussert, quasi den Mund verbietet, beiseite lässt und sagt was Sache ist. Nur - er übertreibt masslos damit. Politisch unkorrekt sein oder "rumproleten" sind eben doch noch 2 Paar Stiefel.

  • Celine S. am 16.03.2016 12:51 Report Diesen Beitrag melden

    Al.Gore

    Al.Gore war einer der Besten die je kandidiert haben! Ich wünschte mir er würde jetzt kanditieren, er ware ein toller Präsident, mit Charisma und Menschlichem Verstand! Er hätte vielleicht gute Chancen gehabt in der heutigen Zeit... und hätte sich für die Umwelt eingetzt. Ein Mann mit tollen Visionen.... wirklich Schaade.

  • Eugster am 16.03.2016 12:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Trump Fan

    Trump ist gemial. Wird hoffentlich gewinnen