«Freistaat Christiania»

18. Februar 2011 16:23; Akt: 18.02.2011 16:42 Print

Hippie-Republik geht an Dänemark

Die Regierung gewinnt gegen die Alternativen. Der Kopenhagener «Freistaat Christiania» hat den juristischen Streit um sein Selbstbestimmungsrecht endgültig verloren.

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Seit die bürgerlichen in Dänemark an der Macht sind, nimmt der Druck auf den Kopenhagener Stadtteil Christiania zu. Im Bild die «graue Halle», 11. Februar 2004. (Bild: Keystone)

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Dänemarks Oberstes Gericht sprach dem Staat das volle Nutzungsrecht über das Christiania-Gelände des legendären Alternativ-Quartiers im Zentrum von Kopenhagen zu. Es wies die Berufung der «Christianitter» gegen ein gleichlautendes Urteil in zweiter Instanz 2009 zurück. Die Regierung von Ministerpräsident Lars Løkke Rasmussen ist damit ihrem seit Jahren erklärten Ziel erneut ein Stück nähergekommen, die 1971 entstandene «Hippie-Republik» in einen normalen Stadtteil umzuwandeln.

Tausende junge Dänen hatten das 34 Hektar grosse und verlassene Kasernengelände im Stadtteil Christianshavn gestürmt, besetzt und seitdem erfolgreich gegen alle Versuche zur Räumung verteidigt. Ohne Erfolg machten sie vor Gericht ein «unkündbares Nutzungsrecht» geltend, weil sie das Gelände unter Duldung der Behörden seit vier Jahrzehnten unterhalten und selbstständig verwaltet hätten.

Regierung strebt Liquidierung an

Der Streit um Verbleib oder Räumung des Quartiers mit knapp 1000 Bewohnern gehört seit der Besetzung fest zum politischen Alltag in Dänemark. 2004 kündigte die immer noch amtierende Mitterechts-Regierung das nach und nach zwischen Behörden und «Christianittern» ausgehandelte Abkommen über die Nutzungsrechte.

Sie will erreichen, dass Zuzug, Wohnrechte und Ähnliches wie in jedem anderen Stadtteil unter anderem auch durch Marktmechanismen mit Angebot und Nachfrage geregelt werden. Bisher entscheiden die Bewohner in ihrer Vollversammlung, wer ein Wohnrecht bekommt.

In den vergangenen Jahren hat sich eine wachsende Mehrheit von ihnen für Kompromisse mit Ministerien und Behörden ausgesprochen, um Christiania als «soziales Experiment» weiterentwickeln zu können. Unter Kopenhagen-Touristen ist Christiania neben der Kleinen Meerjungfrau und dem Vergnügungspark Tivoli das beliebteste Ausflugsziel.

(sda)