Französisch-Polynesien

23. Februar 2016 08:28; Akt: 23.02.2016 09:13 Print

Hollande anerkennt Folgen von Atomtests

Das «Morin-Gesetz» von 2010 verspricht Abfindungen für Opfer französischer Atomtests. Jetzt kommt es zur Anwendung.

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Seit Jahren klagen die Bewohner von Französisch-Polynesien über gesundheitliche Folgen von Atombombentests, die Frankreich auf Inseln des Pazifikstaats zwischen 1966 und 1996 durchführte – allem voran Leukämie und andere Krebsarten.

Nun hat Frankreich die «Auswirkungen» seiner Atomtests anerkannt. In einer Rede in der Hauptstadt Papeete sagte Präsident François Hollande, die Tests hätten einen Einfluss auf die Umwelt und gesundheitliche Folgen gehabt. Das Verteidigungsministerium listet mehr als ein Dutzend Zwischenfälle während der Atomwaffentests auf, bei denen Radioaktivität freigesetzt wurde.

Die Behandlung der Forderungen der Opfer würden überprüft, versprach Hollande am Montag bei seiner Rede im Regierungsgebäude. Er wolle einen Strich unter das Nuklear-Kapitel ziehen.

Bis jetzt erst 19 Entschädigte

Die Behörden des Überseegebiets kritisieren, das sogenannte «Morin-Gesetz» aus dem Jahr 2010 werde zu zögerlich angewandt. Darin ist die Entschädigung für jene geregelt, welche wegen der Nukleartest gesundheitliche Schäden erlitten haben. Bis heute hätten bloss 19 Personen davon profitiert, darunter seien nur fünf Polynesier.

Was die Umweltbelastung angeht, die durch die Versuche entstand, so sollen Untersuchungen zur radiologischen Messung auf den Atollen und Lagunen bei Mururoa und Fangataufa fortgesetzt und ausgeweitet werden, betonte Hollande. Zudem soll ein Kredit über 5,86 Millionen Euro freigegeben werden. Nutzniesserin ist die Onkologieabteilung des örtlichen Spitals.

Keine Entschuldigung

Weiter wies Hollande darauf hin, dass Rückstellungen zur Wiedergutmachung der «Nuklear-Schuld» über 90 Millionen Euro getätigt würden für den wirtschaftlichen Verlust, den das Überseegebiet gegen Ende der Atomtests erlitten habe.

Eine Entschuldigung für das Vorgehen Frankreichs sprach der Präsident bei seinem Besuch allerdings nicht aus. Eine solche hatten verschiedene Kreise gefordert.

(mch/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Hell Seher am 23.02.2016 09:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das wird auch Zeit

    Was der wunderschönen Umwelt dort und den Menschen damit angetan wurde,ist einfach nur das Allerletzte!!!

  • nepo am 23.02.2016 11:28 Report Diesen Beitrag melden

    Verwerfliche Handlungen

    schon im Vorfeld der Test, hat man wider besseren Wissens gehandelt. Man hat gewusst, dass die Umweltschäden enorm sein werden. Ein zivilisierter, europäischer Staat, tut in weit entfernten Regionen, was ihm passt um seine Macht zu zeigen. Eine Respektlosigkeit gegen Flora & Fauna und an Unhumanität nicht mehr zu überbieten. Total verwerflich und Frankreich sollte Milliarden an Euro investieren um die Situation vor Ort für alle Betroffenen zu verbessern. Gut wird es nie mehr.

  • Joachim am 23.02.2016 11:02 Report Diesen Beitrag melden

    Frankreich ist unterste Schublade

    Es gab nie einen Grund, das sie sich mit Atomwaffen ausrüsteten. So ein unstabilieren Staat der bald die sechste Republik ausrufen muss und nicht mal ihre Hauptstadt im Griff hat, sollte sowieso entwaffnet werden.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Andy am 25.02.2016 07:26 Report Diesen Beitrag melden

    Das war Mord

    Mit Geld lässt der Schaden auch nicht mehr gut machen. Schäme dich Frankreich das du diese Zahlungen überhaupt als Entschädigung zu bezeichnen wagst und dich damit versuchst als guter Samariter darzustellen. Diese Test waren Mord an Natur und Mensch. Chirac hat sich damals mit der Anordnung zu diesen Tests zum Massenmörder gemacht.

  • Dundeeandy am 24.02.2016 15:36 Report Diesen Beitrag melden

    Verseucht

    Schaut euch mal das video Nuclear Testing 1945 - 1998 Complete Video HD auf youtube an

  • Jörg Gäbler am 24.02.2016 08:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Und jetzt weiter so .

    Das sollte eine Lawine auslösen . So viel Menschen sollten Klagen dann hat Ihr meist Unausweichlicher tot einen Sinn .

  • Rennips am 24.02.2016 07:53 Report Diesen Beitrag melden

    darauf könnt ihr stolz sein

    Im Zuge der Gleichwertigkeit, sollte es den Polynesiern doch gestattet sein umfangreiche Waffentests in Frankreich durchzuführen...es muß ja nicht gleich der ganze Franzosenstaat zerstört werden, so 3/4 Südfrankreichs sollten aber schon eingeäschert werden....nur mal so zum nachdenken!!!!! Und werter Herr Hollandaise...ein Staat wie Frankreich hat schon Neunzehn Einwohner entschädigt.....wirklich....eine unglaubliche Leistung!!!!! Es ist schon phantastisch, wozu die diese stolze Nation fähig ist.

    • Bürger am 24.02.2016 13:20 Report Diesen Beitrag melden

      Nein danke.

      Prinzipiell unterstütze ich das "Auge um Auge" Zeugs, aber der Nukleare Fallout würde auch uns in der Schweiz treffen - da wir mit dem Französischen Vorgehen nichts zu tun haben, sind wir auch nicht schuldig. Im Umkehrschluss "dürften" wir dann auch in FP mit Nuklearwaffen spielen, genau wie die Italiener, Belgier, Holländer etc. Alles im allem = Sinnlos.

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  • Umweltschuetzer am 23.02.2016 17:23 Report Diesen Beitrag melden

    Das ist der Vorteil von fremden Richtern

    Natürlich ist der Vorteil nicht auf Seiten der Eingeborenen. Aber für Frankreich ist es schon praktisch.