Polnischer Bischof

26. Januar 2010 12:32; Akt: 26.01.2010 13:27 Print

Holocaust ist «eine jüdische Erfindung»

Ein polnischer Bischof sorgt kurz vor dem Auschwitz-Gedenktag für Aufsehen: In einem Interview bezeichnete er den Holocaust als «jüdische Erfindung», die von Israel als «Propaganda-Waffe» benutzt werde.

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Einmal mehr lässt ein katholischer Bischof mit umstrittenen Äusserungen zum Völkermord an den Juden aufhorchen. Im Gegensatz zum Briten Richard Williamson von der umstrittenen Pius-Bruderschaft handelt es sich jedoch nicht um einen Aussenseiter. Tadeusz Pieronek ist einer der prominentesten polnischen Kirchenmänner. Von 1993 bis 1998 war er Generalsekretär der polnischen Bischofskonferenz.

Kurz vor dem internationalen Holocaust-Gedenktag am 27. Januar – dem Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz - äusserte sich Pieronek in einem Interview mit dem konservativen italienischen Online-Portal pontifex.roma.it zum Thema Antisemitismus. Für Aufsehen sorgt vor allem ein Satz: «Der Holocaust als solcher ist eine jüdische Erfindung.» Man könne genauso gut einen Gedenktag schaffen für die zahlreichen Opfer des Kommunismus, unter dem Katholiken und Christen verfolgt worden seien.

«Aus dem Zusammenhang gerissen»

Der Holocaust werde von Israel häufig als «Propaganda-Waffe» eingesetzt, wird Pieronek weiter zitiert: «Die Juden haben eine gute Presse, weil sie von mächtigen Geldgebern in den Vereinigten Staaten unterstützt werden.» Dies führe zu «einer Art Arroganz», die er nicht hinnehmen könne, so der Bischof weiter. Scharf kritisierte er die Politik Israels gegenüber den Palästinensern, «die wie Tiere behandelt werden». Man solle auch für sie einen Gedenktag schaffen, forderte Tadeusz Pieronek weiter.

Am Montag distanzierte sich der Krakauer Geistliche zumindest halbherzig von den Äusserungen, die «aus dem Zusammenhang gerissen» worden seien. Er habe keinesfalls den Holocaust leugnen wollen. Die Bezeichnung Schoah für diese Tragödie sei von den Juden erfunden worden, versuchte Pieronek klarzustellen. Ohne Zweifel seien in den Konzentrationslagern mehrheitlich Juden ermordet worden. Auf der Liste habe es aber auch Zigeuner, Polen, Italiener und Katholiken gegeben. Also solle man diese Tragödie «nicht im Namen der Propaganda stehlen», meinte der Bischof.

(pbl)