Ultrarechter Präsident

14. Dezember 2018 10:02; Akt: 14.12.2018 10:02 Print

Homo-Paare heiraten, bevor Bolsonaro kommt

Dutzende Schwulen- und Lesbenpaare stehen dieser Tage in Brasilien vor dem Altar – denn in wenigen Wochen tritt der homophobe Präsident Jair Bolsonaro sein Amt an.

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In ganz Brasilien heiraten derzeit zahlreiche Homo-Paare in aller Eile. Am Samstag soll in São Paulo sogar eine Massenhochzeit mit 100 Paaren stattfinden. Die brasilianische Schwulen- und Lesbengemeinschaft fürchtet um ihre Rechte, denn zum Jahreswechsel wird der neue Präsident Jair Bolsonaro in seinem Amt vereidigt – und der macht keinen Hehl daraus, dass er Homosexuelle hasst.

Nach Angaben des Notarverbands werden derzeit im südamerikanischen Land 25 Prozent mehr gleichgeschlechtliche Eheschliessungen als im Vorjahr verzeichnet. Allein in São Paulo, der grössten Stadt des Landes, nahmen die Homo-Hochzeiten um 42 Prozent zu.

Sie helfen einander, damit alle heiraten können

Die LGBT-Aktivistin Maria Berenice Dias hatte die Homo-Gemeinde in Alarm versetzt, als sie Paaren riet, möglichst rasch vor dem Amtsantritt des «stolzen Homophoben» vorsorglich zu heiraten, weil das Fortbestehen der Homo-Ehe danach nicht garantiert werden könne. Eine Annullierung bereits geschlossener Ehen sei aber nicht möglich.

Innerhalb der Community ist nun eine Welle der Solidarität entstanden, wie «The Guardian» berichtet. Heiratswillige, die sich eine Hochzeit nicht leisten könnten, bekommen die Hochzeitsfotos etwa von den Fotografinnen Fernanda Pinacio und Vanessa Cafasso, selber ein Paar, geschenkt. Die Köchin Cris Mota und ihre Ehefrau stellen Hochzeitsbankette zusammen.

Transgender lassen rasch noch ihre Namen ändern

Auch Transgender beeilen sich, eine Änderung ihrer Namen zu beantragen. Aus Kostengründen hatte Trans-Mann Pedro Pires einen offiziellen Namenswechsel hinausgezögert. «Aber unsere Rechte sind fragil. Wenn Bolsonaro mal an der Macht ist, haben wir Angst, dass wir die jeden Moment verlieren können», sagt er zum «Guardian».

Die LGBT-Gemeinde hat zudem Angst, dass ab Januar homophobe Attacken zunehmen könnten. Damares Alves, die zukünftige Ministerin für Familien, Frauen und Menschenrechte, versicherte letzte Woche, dass sie sich trotz ihrer evangelikalen Prägung für den Schutz von Homosexuellen einsetzen wolle.

Auch der LGBT-Aktivist Toni Reis gab vor einigen Tagen seinem Verlobten das Jawort:



(kle)