Flüge annulliert

12. August 2019 10:50; Akt: 12.08.2019 17:23 Print

Flughafen Hongkong steht wegen Demo still

Wegen den anhaltenden Protesten geht am Hongkonger Flughafen nichts mehr. Tausende Demonstranten versammelten sich in der Abflug- und Ankunftshalle.

Nichts geht mehr: Demonstranten im Flughafen von Hongkong. Video: AFP
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Wegen der anhaltenden Proteste der Demokratie-Bewegung hat Hongkongs Flughafen am Montag sämtliche Abflüge für den Rest des Tages gestrichen. Der Flughafen gilt als wichtiges Drehkreuz in Südostasien und ist einer der belebtesten Airports weltweit.

Tausende Demonstranten versammelten sich in der Abflugs- und Ankunftshalle, um gegen Regierung und Polizeigewalt bei vorangegangenen Protesten in der Stadt zu protestieren. Wie der Flughafen mitteilte, wurde der Check-in für die verbleibenden Flüge wegen ernsthafter Störungen des Betriebs ausgesetzt. Zuvor hatten noch Maschinen abheben können.

Schwarz gekleidete Aktivisten skandierten im Flughafen Parolen. Die Polizei solle einem Demonstranten, der durch ein Gummigeschoss schwer im Gesicht verletzt worden war, sein Auge «zurückgeben».


Gestrandete Passagiere am Flughafen. Einige der Demonstranten sind auf dem Weg zurück in die Stadt. (Videos: Leser-Reporter)

Auch zeigten sie Bilder von Polizisten, die mit Schlagstöcken und Tränengas gegen die Demonstranten vorgegangen waren. Bereits am Wochenende hatten Hunderte Demonstranten am Flughafen demonstriert, wodurch der Flugbetrieb aber nicht gross verzögert wurde.

Die chinesische Regierung brachte die Proteste in Hongkong mit «Terrorismus» in Verbindung. «Radikale Demonstranten» hätten wiederholt Polizisten mit «äusserst gefährlichen Gegenständen» angegriffen, sagte Yang Guang, Sprecher des für die chinesischen Sonderverwaltungszonen Hongkong und Macau zuständigen Büros des Staatsrats. Dies sei «ein schweres Gewaltverbrechen» und zeige «erste Anzeichen von Terrorismus».

China droht Airline

Auf Druck Chinas drohte derweil die Hongkonger Fluggesellschaft Cathay Pacific Unterstützern der Proteste mit Entlassung. Beschäftigten, die «illegale Demonstrationen unterstützen oder daran teilnehmen», könne gekündigt werden, erklärte Cathay Pacific am Montag. Chinas Luftfahrtbehörde hatte die Airline am Freitag angewiesen, Teilnehmer der Proteste in Hongkong weder auf Flügen Richtung Festland-China noch durch den chinesischen Luftraum einzusetzen.

«Wer mit dem Feuer spielt, kommt darin um»

Der Chef von Cathay Pacific, Rupert Hogg, erklärte nun in einer Mitteilung an die Belegschaft, wer sich an den Demonstrationen beteilige, müsse mit «disziplinarischen Massnahmen» rechnen, eingeschlossen eine «Beendigung des Arbeitsverhältnisses». Die Fluggesellschaft übe «null Toleranz» bei «illegalen Aktivitäten».

Die Fluggesellschaft hatte ihre Beschäftigten bereits am Wochenende informiert, dass sie sich an die Anweisungen aus Peking halten werde. Sie bestätigte zugleich, dass ein Pilot der Gesellschaft seit Ende Juli wegen seiner Beteiligung an den Protesten nicht mehr fliegen darf.

Heftige Zusammenstösse

In der einstigen britischen Kronkolonie Hongkong kommt es seit zwei Monaten immer wieder zu massiven Protesten, die regelmässig mit Ausschreitungen enden. Am Wochenende war es in der Finanzmetropole erneut zu heftigen Zusammenstössen zwischen Demonstranten und der Polizei gekommen.

Auslöser für die Demonstrationen war ein - inzwischen auf Eis gelegter - Gesetzentwurf zur Auslieferung mutmasslicher Krimineller an China. Die Demonstrationen entwickelten sich zu einer breiteren Bewegung. Viele Menschen befürchten einen zunehmenden Einfluss Pekings auf das Leben in der Finanzmetropole und fordern demokratische Reformen. Chinas Regierung mahnt immer energischer, die Ordnung in der Sonderverwaltungszone wieder herzustellen und die Gewalt zu beenden.

(woz/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Peter Vogel am 12.08.2019 11:08 Report Diesen Beitrag melden

    Wehrt euch

    Gut so. Lasst nicht zu, dass man euch eure Rechte und Meinungsfreiheit nimmt. Der Chinesische Staat ist authoritär, unterdrückerisch und gefährlich.

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  • Mebes C am 12.08.2019 11:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Betrug an den Hongkonger Bürger

    Den Einwohnern von Hongkong wurde versprochen das sich Ewig nichts ändert. Aber wie jeder Deal welcher mit einem kommunistischen Regime gemacht wird ist die Abmachung nicht das Papier wert wo's draufsteht. Manche Politiker leben halt von Hoffnung statt Vernunft.

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  • Cavi33 am 12.08.2019 10:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wird langsam kritisch

    Mal schauen was die Chinesen machen werden. Das ganze kommt zu einen äusserst ungünstigen Zeitpunkt wegen des Wirtschaftskrieges mit den USA. China muss aus innerem Zwang bald Nägel mit Köpfen machen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Mahner in der Wüste am 12.08.2019 20:55 Report Diesen Beitrag melden

    Tiananmen 1989

    Habt ihr's schon vergessen? Wenn Peking die Geduld verliert, wird sich das Massaker in Hongkong wiederholen. Die Versprechungen der Zentralregierung sind das Papier nicht wert, auf dem sie geschrieben wurden. Übrigens: Der Westen wird dann wegschauen, man will sich schliesslich die lukrativen Geschäfte mit China vermiesen lassen.

  • R. H. am 12.08.2019 20:55 Report Diesen Beitrag melden

    Swiss Flug annulliert

    LX 138 von heute Abend wurde auch annulliert. Aber komischerweise flog die Cathay noch heute Nachmittag.

  • Oversea Chinese am 12.08.2019 20:51 Report Diesen Beitrag melden

    Zeitverschwendung und Schlecht für HK

    Die Frustration der jungen Bevölkerung ist gross. Weshalb sie sich dazu hinreissen für die Demo. Der Grossteil der Bevölkerung ca. 6 Milionen Menschen finden die Unruhen nur störend und kontraproduktiv. Das Leben ist gut in HK und China. Wenn man nichts verbotenes macht gibt es kein Grund sich vor dem Gesetz zu fürchten. Das ist überall so. Schade das ein kleiner Teil der Menschen den Grossteil das Leben schwer machen für nichts.

  • Oversea Chinese am 12.08.2019 20:46 Report Diesen Beitrag melden

    Bitte keine einseitigen Berichte

    In westlichen Medien wird meisten einseitig berichtet. Ich habe Freunde und Verwandte in HK. Die demonstrierende sind meistens jugendlich und Studenten. Diese Gruppe ist wie in westlichen Ländern wo der Konkurrenz Druck enorm hoch ist die leidtragenden. Sie müssen für gute Abschlüsse kämpfen, nachdem Studium für einen Job. Eine Familie Gründen geschweige Kinder grossziehen ist ein schweres Unterfangen. Ein Traum bleibt bei diesen Preisen ein Eigenheim. Zudem wächst die Konkurrenz aus Mainland enorm mit ihren ebenfalls sehr talentierten Menschen wo nach HK drängeln.

  • Fragezeichen am 12.08.2019 19:56 Report Diesen Beitrag melden

    Warum macht die Polizei nichts?

    In Europa könnte nicht einfach ein Flughafen lahmgelegt werden. Da käme die Polizei, würde das Gelände räumen, die Demonstranten verhaften und ihnen nachher eine saftige Rechnung für die Flugausfälle präsentieren. Sogar die Klimaleute wurden zur Rechenschaft gezogen wegen ihrer Störung am Paradeplatz.