Israels Sorgen

31. Januar 2011 13:50; Akt: 31.01.2011 14:49 Print

Hosni Mubaraks letzte Freunde

von Kian Ramezani - Die Israelis sehen sich gern als einzige Demokratie im Nahen Osten. Inzwischen sind sie die letzten, die dem undemokratischen Regime in Kairo treu bleiben.

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Der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu und der ägyptische Staatspräsident Hosni Mubarak am 6. Januar 2011 in Sharm El-Sheikh. (Bild: Keystone/Moshe Milner)

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Nicht nur in Jordanien, Algerien und Jemen, sondern auch in Israel wächst die Nervosität angesichts der Ereignisse in Ägypten. Während der Westen auf freie Wahlen und mehr Pluralismus in der arabischen Welt hofft, graut Israel genau vor diesem Szenario.

Staatspräsident Schimon Peres warnte am Montag vor der möglichen Machtübernahme eines radikalen Islamistenregimes. «Wir hatten und haben immer noch grossen Respekt für Präsident Mubarak», sagte Peres bei einem Empfang für neue Botschafter in seiner Residenz in Jerusalem. «Wir sagen nicht, dass alles, was er getan hat, richtig ist, aber er hat etwas getan, für das wir ihm dankbar sind: Er hat den Frieden im Nahen Osten bewahrt.»

Camp-David-Abkommen

Ägypten war das erste arabische Land, das mit Israel offiziell Frieden schloss. 1979 unterzeichneten der ägyptische Präsident Anwar Sadat und der israelische Premierminister Menachem Begin das sogenannte Camp-David-Abkommen. Ägypten, das zuvor enge Beziehungen zur Sowjetunion unterhalten hatte, erhält seither jedes Jahr amerikanische Finanzhilfen in Milliardenhöhe.

Sadat bezahlte seinen Alleingang mit dem Leben, er wurde 1981 von islamischen Extremisten ermordet. Sein Vizepräsident Hosni Mubarak übernahm die Macht und rief den Notstand aus, der offiziell bis heute andauert. Das gab ihm die Handhabe, die islamische (und jegliche andere) Opposition zu unterdrücken. Am Friedensvertrag mit Israel und der Allianz mit den USA hielt er eisern fest.

Neueröffnung der Westfront?

Was mit diesem Friedensvertrag passiert, wenn Mubarak einmal nicht mehr da ist, ist für Israel eine existenzielle Frage. Von all seinen Nachbarländern war Ägypten stets das mächtigste – im Jom-Kippur-Krieg 1973 zerstörte es trotz der späteren Niederlage Israels Nimbus der Unbesiegbarkeit. Eine Neueröffnung der Westfront wäre das israelische Horrorszenario schlechthin.

Die bekannteste ägyptische Oppositionsbewegung, die Muslimbruderschaft, sagt, sie würde den Friedensvertrag mit Israel einem Referendum unterziehen, wenn sie an die Macht käme. Wer mag voraussagen, wie das ägyptische Volk in dieser Frage entscheiden würde? Von der Belohnung für den Friedensvertrag, den amerikanischen Finanzhilfen, hat es bisher wenig gesehen. Der Hauptteil floss stets in die Rüstung.

So kommt es, dass die Israelis lieber weiter auf Mubarak setzen, während ihn die Amerikaner und Europäer wohl schon fallengelassen haben. Er hat ihnen die letzten drei Jahrzehnte Frieden mit dem bevölkerungsreichsten arabischen Land beschert und ausserdem geholfen, die radikal-islamische Hamas im Gazastreifen in Schach zu halten. Und so versucht Israel, umzukehren, was vermutlich nicht mehr umkehrbar ist.

«USA und Europa von öffentlicher Meinung geleitet»

Wie die israelische Tageszeitung «Haaretz» berichtet, hat Israel am Wochenende die USA und einige europäische Länder ermahnt, ihre Kritik an Mubarak zu zügeln, um die Stabilität in der Region nicht zu gefährden. Israelische Regierungsvertreter halten sich offiziell mit Kommentaren zur Situation in Ägypten zurück. Doch offenbar hat das Aussenministerium am Samstag die Botschaften in den USA, Kanada, China, Russland und einigen europäischen Ländern angewiesen, gegenüber dem jeweiligen Gastland klarzumachen, wie wichtig die Stabilität Ägyptens ist.

«Die Amerikaner und die Europäer lassen sich von der öffentlichen Meinung beeindrucken und vergessen ihre eigentlichen Interessen», sagte ein israelischer Regierungsvertreter gegenüber «Haaretz». «Auch wenn sie Mubarak kritisieren, sollten sie ihren Freunden das Gefühl geben, dass sie nicht allein sind. Jordanien und Saudi-Arabien sehen die Reaktionen im Westen, wie alle Mubarak im Stich lassen. Das wird sehr ernsthafte Konsequenzen haben.»

An der wöchentlichen Kabinettssitzung kündigte Ministerpräsident Benjamin Netanjahu am Sonntag an, dass das Sicherheitskabinett am Montag zusammenkommen wird, um die Situation in Ägypten zu besprechen. «Der Frieden zwischen Israel und Ägypten hält seit mehr als drei Jahrzehnten und unser Ziel ist, sicherzustellen, dass diese Beziehungen so bleiben», sagte Netanjahu. «Wir verfolgen die Ereignisse in Ägypten und in der Region genau und bemühen uns, Sicherheit und Stabilität aufrechtzuerhalten.»

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Michael am 31.01.2011 14:54 Report Diesen Beitrag melden

    Islamisierung des Mittelmeerraumes

    Wer glaubt, dass es mit weggeputzten Diktatoren jetzt mit islamisch-demokratischen Regierung besser wird, ist naiv. Bin gespannt was uns die nächsten 10 Jahre erwartet.

  • Felix am 01.02.2011 08:49 Report Diesen Beitrag melden

    Die Menschheit lernt - nicht!

    Die Luft wird grundsätzlich für jede Dikatur dünn - es ist nur eine Frage der Zeit. Dass Demokratien verschwinden ist ebenso logisch - sie gibt den Gegnern alle Mittel - und dann? Mehrheit - Parteiprogramm - eigene Amtsinhaber..bis die Zeit dann wieder Reif ist. Es war schon immer so und wohl auch so bleiben - weil die Menschheit nichts (von den Tieren) lernt, repsektive zu viel Egoisums und Machtgelüste vorhanden sind. Schade!

  • cherokee am 31.01.2011 16:49 Report Diesen Beitrag melden

    so nicht

    Ägypten erwache!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Felix am 01.02.2011 08:49 Report Diesen Beitrag melden

    Die Menschheit lernt - nicht!

    Die Luft wird grundsätzlich für jede Dikatur dünn - es ist nur eine Frage der Zeit. Dass Demokratien verschwinden ist ebenso logisch - sie gibt den Gegnern alle Mittel - und dann? Mehrheit - Parteiprogramm - eigene Amtsinhaber..bis die Zeit dann wieder Reif ist. Es war schon immer so und wohl auch so bleiben - weil die Menschheit nichts (von den Tieren) lernt, repsektive zu viel Egoisums und Machtgelüste vorhanden sind. Schade!

  • PP am 31.01.2011 18:34 Report Diesen Beitrag melden

    so ist das Leben

    Ja Israel, nun wirds wohl dünn? Erst Europa und die USA mit dem Siedlungsbau zum Narren halten und nun bei ihnen um Hilfe betteln. Na dann mal viel Spass. ;-)

    • gugger am 01.02.2011 12:59 Report Diesen Beitrag melden

      Israel darf das............?

      ... vielleicht baut Israel bald Siedlungen auf ägyptischem Territorium?

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  • Pierre Müller am 31.01.2011 18:34 Report Diesen Beitrag melden

    Unverschämtheit

    Der Eingangstext: "Die Israelis sehen sich gerne als einzige Demokratie im Nahen Osten etc." ist eine Unverschämtheit und eine erfundene Behauptung! Israel würde gerne andere Demokratien im Nahen Osten sehen. Sie möchten doch nur, dass sie an der Westgrenze weiterhin Frieden haben, so wie es bisher Mubarak garantiert hatte. Der Autor scheint unobjektiv gegenüber Israel zu sein.

    • Beobachter am 01.02.2011 08:45 Report Diesen Beitrag melden

      schhwierig, schwierg!?

      .. dann sollen sie das völkerrechtswiedrige Verhalten aufgeben und sich wie eine Demokratie benehmen. Das heisst nicht dass sie sich nicht verteidigen dürfen!

    • Besorgter Leser am 01.02.2011 10:31 Report Diesen Beitrag melden

      Schade, dass 30 Jahre nicht ausreichten

      um den Palästinensern zu einem eigenen Staat zu verhelfen. Nun scheint das ganze Theater wieder von vorne zu beginnen. Jassir Arafat kann man jedenfalls nicht mehr die Schuld für das Scheitern in die Schuhe schieben.

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  • Thomas Liechti am 31.01.2011 18:22 Report Diesen Beitrag melden

    Augenmass

    .. und schon tuen sich wieder die üblichen, peinlichen Antiisrael-Reflexe hervor. Statt zu sehen, dass die arab.-islamischen Staaten wie Dominos umfallen, weil die dortigen Despoten und Diktaturen unfreie Systeme der Unterdrückung geschaffen haben, wird Israel kritisiert, das ein demokratischer Rechtstaat ist und genau dieselbe Stabilität aufweist, wie unsere westlichen Demokratien.

    • Besorgter Leser am 01.02.2011 00:16 Report Diesen Beitrag melden

      Schade, dass 30 Jahre nicht ausreichten

      um den Palästinensern zu einem eigenen Staat zu verhelfen. Nun scheint das ganze Theater wieder von vorne zu beginnen.

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  • P. Meier, Züri am 31.01.2011 18:17 Report Diesen Beitrag melden

    Besser als jeder andere Spinner!

    Ich mag Hosni Mubarak nicht weil er ein Anthroposoph ist, sonder weil er kein Islamistischer Extremist ist! Es kann sein das der Grund warum er nicht gehen will auch der ist, dass wenn Extremisten an die Macht kommen, Israel sofort den Krieg erklärt und dann gibt's in Ägypten wesentlich mehr Tote als jetzt!

    • Dude am 31.01.2011 23:16 Report Diesen Beitrag melden

      Schlaf weiter

      Nichts begriffen, hinsetzen und schweigen oder noch einmal die Geschichte der letzten 30 Jahre aufrollen, vielleicht dämmert es dann so langsam. Israel und USA sind seit jeher das Problem auf dieser Welt, nicht Ägytpen und auch nicht die Extremisten bzw. wenn schon die USA/Israel-Extremisten.

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