Peking verschmutzt

05. Dezember 2011 10:55; Akt: 05.12.2011 16:15 Print

Hunderte Flüge wegen Smog gestrichen

Die Luftverschmutzung in Chinas grösster Stadt Peking wird zur Hypothek. Die schlechte Sicht aufgrund des Smogs verunmöglicht nun den Flugverkehr.

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Smog wird in Peking zunehmends zum Problem. (Bild: Keystone)

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Dichter Smog hat in der chinesischen Hauptstadt am Montag für erhebliche Verkehrsbehinderungen gesorgt. Hunderte Flüge wurden gestrichen und Autobahnen gesperrt, weil die Luftverschmutzung die Sicht stark beeinträchtigte.

Laut der US-Botschaft in Peking, die aufgrund eigener Smog- Messungen stets schlechtere Werte als die chinesischen Behörden angibt, erreichte die Verschmutzung ein «gefährliches» Niveau.

Am grössten Flughafen von Peking - dem zweitgrössten der Welt - wurden zahlreiche Flüge abgesagt. Bis Montagnachmittag wurden 233 Inlandsverbindungen und 17 internationale Flüge gestrichen, wie der Flughafen auf seiner Website mitteilte.

Bereits am Sonntag waren laut dem Fernsehsender CCTV in Peking 400 Flüge gestrichen worden. Tausende Passagiere warteten in den Abflughallen auf andere Reisemöglichkeiten.

Am Montagmorgen schlossen die Behörden laut CCTV die wichtigsten Autobahnen, die Peking mit anderen Städten Nordchinas verbinden. Im Laufe des Tages wurden jedoch einige Strassenabschnitte wieder freigegeben, weil sich die Sicht verbessert hatte.

Kohle-Verbrauch verdoppelt

Internationale Organisationen, darunter die UNO, stufen die 20- Millionen-Einwohner-Stadt Peking als eine der Städte mit der grössten Luftverschmutzung weltweit ein. Grund ist vor allem der steigende Verbrauch von Energie, die vor allem durch Kohle erzeugt wird.

Zhou Rong von Greenpeace China sagte, das Land habe in den vergangenen zehn Jahren seinen Kohle-Verbrauch mehr als verdoppelt. Dadurch gebe es mehr Russ in der Luft sowie Sekundärschadstoffe wie Schwefeldioxid und Stickstoffoxid, welche die Pekinger Dunstglocke mitverursachten. Hinzu kämen die fünf Millionen Fahrzeuge der Stadt, die mit ihrem Feinstaub-Ausstoss die Luft verschmutzten.

Unterschiedliche Messmethoden

Während die Nachrichtenagentur Xinhua meldete, die Luftqualität werde möglicherweise ein «gefährliches» Niveau erreichen, war diese Stufe laut US-Botschaft bereits erreicht. Die Botschaft, die ihre Smog-Daten per Twitter und auf ihrer Website verbreitet, wendet bei ihren Messungen eine andere Methode an als die Chinesen.

Die Daten der chinesischen Behörden umfassen alle Feinstaub- Partikel mit einem Durchmesser von bis zu zehn Mikrometer (PM10), während die US-Botschaft sich bei ihren Messungen auf die kleineren Feinstaub-Partikel mit bis zu 2,5 Mikrometer Durchmesser (PM2,5) konzentriert. Unter dem Druck der öffentlichen Meinung hat die chinesische Regierung versprochen, ihre geltenden Messnormen entsprechend zu verändern.

Die kleineren Partikel gelten als gefährlicher, weil sie tiefer in die Lunge und sogar ins Blut eindringen können. Laut der Zeitung «China Daily» würde nach der US-Methode die Luftqualität in nur 20 Prozent der chinesischen Städte als zufriedenstellend eingestuft werden, nach chinesischer Messung sind es derzeit 80 Prozent.

Bemühungen vor Olympischen Spielen

Zuletzt hatte es in Peking im Oktober und November mehrere Smog- Warnungen gegeben, die ebenfalls zu Flugausfällen und Strassensperrungen führten und eine öffentliche Debatte auslösten.

Vor den Olympischen Spielen von 2008 hatten sich die Verantwortlichen in Peking bemüht, die Luftverschmutzung zu reduzieren. Dazu wurden Kohlekraftwerke vorübergehend stillgelegt und eine begrenzte Zahl an Autos auf den Strassen zugelassen.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Roenz am 05.12.2011 12:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Megastädte

    Unsere Bemühungen gegen die Luftverschmutzung bringen gerade einmal gar nichts. Es ist nicht nur Peking! Es gibt noch hunderte Megastädte und diese haben andere Probleme als die Luftverschmutzung zu bekämpfen. Vergesst alle Bemuehungen, die Endzeit hat schon lange begonnen!

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  • Michael Palomino (*1964) am 05.12.2011 14:26 Report Diesen Beitrag melden

    Verkohlt

    Eigenartig, dass chinesische Firmen für Sonnenenergie in Deutschland Billigangebote machen, aber in Peking die Menschen weiterhin verkohlt werden. Irgendwie stimmt da bei den Prioritäten etwas nicht.

  • Chris K am 05.12.2011 12:08 Report Diesen Beitrag melden

    Alibi-Übungen

    Das sind doch alles nur Alibi-Übungen. Die Strassen schliessen und sobald man den Vordermann knapp wieder sieht, gehts wieder los! Ich frage mich wirklich, ob die Leute dort Freude haben, in so einem Rauch zu leben, dass einfach nichts dagegen getan wird!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Michael Palomino (*1964) am 05.12.2011 14:26 Report Diesen Beitrag melden

    Verkohlt

    Eigenartig, dass chinesische Firmen für Sonnenenergie in Deutschland Billigangebote machen, aber in Peking die Menschen weiterhin verkohlt werden. Irgendwie stimmt da bei den Prioritäten etwas nicht.

  • Roenz am 05.12.2011 12:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Megastädte

    Unsere Bemühungen gegen die Luftverschmutzung bringen gerade einmal gar nichts. Es ist nicht nur Peking! Es gibt noch hunderte Megastädte und diese haben andere Probleme als die Luftverschmutzung zu bekämpfen. Vergesst alle Bemuehungen, die Endzeit hat schon lange begonnen!

    • Pete am 05.12.2011 12:47 Report Diesen Beitrag melden

      hunderte Megastädte

      "hunderte Megastädte" ja dann zaehl bitte einmal auf?

    • tony am 05.12.2011 13:23 Report Diesen Beitrag melden

      endzeit?

      jaja, nächstes jahr geht ja bekanntlich die welt unter, da spielt doch die luftverschmutzung eine untergeordnete rolle, oder etwa nicht?

    • Jerry Chen am 05.12.2011 14:24 Report Diesen Beitrag melden

      @ Pete

      Es gibt mehr als 300 Millionenstädte weltweit; also ist die Aussage berechtigt. Übrigens ist die Recherche über die Einwohnerzahl in Peking absolut lächerlich. Ich lebe in China und die Einwohnerzahl in Peking liegt bei über 30 Mio! Bitte unterscheidet zwischen Einwohner und gemeldetem Wohnsitz! Die Gastarbeiter in China und der Arbeitstourismus verfälschen die "Einwohnerzahlen" drastisch.

    • robert am 05.12.2011 16:37 Report Diesen Beitrag melden

      Megastaedte

      china alleine hat 160 Staedte mit mehr als 1. Mio Einwohner.

    • M. Laubacher am 05.12.2011 18:56 Report Diesen Beitrag melden

      Problem von Industrieländern....

      Weltweit. Es muss aufhöhren mit der Produktion von Automobilen die durchschnittlich 1.5 Tonnen wiegen! Vergleich zu 70er 80er Modellen: Durchschnittlich 1 Tonne. Die Elektroingenieure u. Automobilingenieure haben einfach zu einer "unheiligen Allianz zusammengefunden". Die Elektroingenieure und Autoingenieure packten das ursprünglich relativ leichte Auto mit Elektronik und Airbags voll. Gleichzeitig wurden die Autos immer schneller und stärker. Ein Anachronismus sondergleichen.

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  • Chris K am 05.12.2011 12:08 Report Diesen Beitrag melden

    Alibi-Übungen

    Das sind doch alles nur Alibi-Übungen. Die Strassen schliessen und sobald man den Vordermann knapp wieder sieht, gehts wieder los! Ich frage mich wirklich, ob die Leute dort Freude haben, in so einem Rauch zu leben, dass einfach nichts dagegen getan wird!

    • Marco L. am 05.12.2011 19:04 Report Diesen Beitrag melden

      Langsam am dekadent werden?

      Je länger je mehr wird man eben den Eindruck nicht mehr los, dass die Chinesen - überhaupt auch alle Asiaten - im neu überbordenden Kapitalismus und Materialismus buchstäblich "ersticken"! Dort wie hier wird durch übertriebenen Materialismus und Technokratismus inkl. pc - unterstützte Vollautomation und allgemeine Produktionsprozesbeschleunigung Mensch und Natur bis aufs Äusserste "drangsaliert". Das geht nicht weiter so ohne grausame Szenarien in Zukunft für Mensch und Umwelt.

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