Krisen-Alarm in Deutschland

04. Januar 2019 06:58; Akt: 04.01.2019 13:24 Print

Hacker klauen Angela Merkels Daten

Zahlreiche Daten und Dokumente von Hunderten deutschen Politikern wurden im Internet veröffentlicht. Wer hinter der Attacke steht, ist noch unklar.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Unbekannte haben persönliche Daten und Dokumente von Hunderten deutschen Politikern, anderen Prominenten und Journalisten im Internet veröffentlicht. Sprecher des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) und des Bundesamts für Verfassungsschutz (BfV) sagten der Nachrichtenagentur AFP am Freitag, die Behörden befassten sich mit dem Vorgang. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel ist von dem Cyberangriff betroffen.

Ein BSI-Sprecher sagte zur AFP, seine Behörde prüfe den Vorgang in Zusammenarbeit mit weiteren Bundesbehörden «intensiv». Das BfV sichtet derzeit das veröffentlichte Material, wie eine Sprecherin zur AFP sagte. Das Nationale Cyber-Abwehrzentrum hat den Sprechern zufolge die zentrale Koordination zu dem Fall übernommen.

AfD von Angriff nicht betroffen

Die unbekannten Datendiebe veröffentlichten über den Kurzbotschaftendienst Twitter Links zu ihrer Beute. Unter anderem sind dort E-Mail-Adressen und eine Faxnummer von Merkel zu finden. Inwieweit die Daten allesamt authentisch sind, blieb zunächst unklar. Offenbar sind von dem Hackerangriff alle im Bundestag vertretenen Parteien mit Ausnahme der AfD betroffen, also CDU/CSU, SPD, Grüne, Linke und die FDP.

Neben privaten Chats, abgelichteten Personalausweisen und Briefen wurden dem Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) und der «Bild»-Zeitung zufolge auch Kreditkarteninformationen veröffentlicht. Auch fänden sich parteiinterne Dokumente wie interne Kommunikation und Adress- und Mitgliederlisten in dem Material. Verbreitet worden seien die Daten bereits vor Weihnachten, bemerkt worden sei dies aber erst am Donnerstagabend, berichtete der RBB.

Daten von Marteria und K.I.Z. geklaut

Unter den Opfern des Hackerangriffs sind der «Bild»-Zeitung zufolge auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, die Moderatoren Jan Böhmermann und Christian Ehring, Bands und Künstler wie der Deutsch-Rapper Marteria und die Band K.I.Z sowie Journalisten von ARD und ZDF. Der Zeitung zufolge kamen die Angreifer unter anderem bei Grünen-Chef Robert Habeck, SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil und Ex-SPD-Chef Sigmar Gabriel an besonders viele sensible Daten.

Erste Untersuchungen bei den betroffenen Parteien hätten ergeben, dass sich die Hacker möglicherweise Zugang über das E-Mail-Programm Outlook verschafft hätten, schrieb die «Bild»-Zeitung weiter. Das BSI teilte auf Twitter mit, das Regierungsnetz sei nach bisherigen Erkenntnissen nicht betroffen.

(afp)