Kongress-Hearing

10. März 2011 09:34; Akt: 10.03.2011 09:52 Print

IRA-Anhänger bittet zum Terror-Verhör

Ein US-Abgeordneter will Muslime über ihre Loyalität zu den USA befragen, um Terror an der Heimatfront vorzubeugen. Dumm nur, dass er früher selber mit Terroristen sympathisierte.

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Der heutige Abgeordnete Peter King (Mitte) in Belfast, Nordirland 1984. Links Gerry Adams, Chef des politischen Arms der IRA Sinn Féin, rechts Danny Morrison, ehemaliges Mitglied der IRA. (Bild: Pacemaker Press, Belfast)

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Die Kommission für innere Sicherheit (Homeland Security) des US-Repräsentantenhauses wird am Donnerstag ein Hearing unter dem Titel «Ausmass der Radikalisierung in der amerikanisch-muslimischen Gemeinschaft und deren Reaktion» abhalten. Einberufen hat die Befragung der Vorsitzende der Kommission und republikanische Abgeordnete aus dem Bundesstaat New York, Peter King. Er will laut eigenen Angaben herausfinden, ob Muslime in den USA genügend mit den Behörden kooperieren, um Terroranschläge an der Heimatfront zu verhindern. Hintergrund bilden Warnungen des stellvertretenden Nationalen Sicherheitsberaters Denis McDonough, wonach Al Kaida begonnen habe, amerikanische Muslime zu rekrutieren.

Kritiker bemängeln, der Fokus auf eine bestimmte Minderheit werde der Frage nach den Ursachen des Terrorismus nicht gerecht und führe zudem zu einer unnötigen Stigmatisierung der muslimischen Mitbürger. Das Newsportal «Politico» spricht in einem Kommentar von «sippenhaft» und rückt King gar in die Nähe des berüchtigten Joseph McCarthy. Der US-Senator hatte in seinen Hearings in den 1950er Jahren Jagd auf vermeintliche Kollaborateure mit der Sowjetunion gemacht und die USA in eine kollektive, anti-kommunistische Paranoia gestürzt, die bis heute Spuren hinterlassen hat.

Zivile Opfer «bedauernswert»

Der Vorwurf der Stigmatisierung war ebenso absehbar wie die Analogie aus dem Kalten Krieg. Beides lässt King kalt. Mehr Mühe bekundet er mit der Frage, warum ausgerechnet jemand den Ursachen für Terrorismus nachgehen soll, der selbst einmal mit Terroristen sympathisierte. Peter King war in den 1980er Jahren ein glühender Anhänger der Irisch-Republikanischen Armee (IRA).

«Wir müssen diese mutigen Männer und Frauen unterstützen, die in den Strassen von Belfast und Derry gegen den britischen Imperialismus kämpfen», zitiert die «New York Times» King an einer Pro-IRA-Kundgebung aus dem Jahr 1982. Drei Jahre später erklärte er: «Wenn bei einem Anschlag auf eine militärische Einrichtung Zivilisten ums Leben kommen, ist das natürlich bedauernswert, aber die moralische Schuld dafür werde ich nicht der IRA geben.» King wurde später aufgrund seiner Kontakte zu einem wichtigen Vermittler im nordirischen Friedensprozess und erhielt dafür von den damaligen Regierungschefs der USA und Grossbritannien, Bill Clinton und Tony Blair, viel Lob.

Vergleiche mit ANC und Irgun

Laut einer Studie der Universität Ulster war die IRA zwischen 1969 und 2001 für den Tod von 1824 Personen, davon 621 Zivilisten, verantwortlich. Auf Vergleiche zwischen diesem Terrorismus und jenem der Al Kaida angesprochen, erklärte King: «Ich kann verstehen, dass schlecht informierte Leute hier eine Parallele sehen könnten. Tatsache ist, dass die IRA die USA nie angegriffen haben und meine Loyalität gehört den USA.» Seine frühere Unterstützung für die IRA, die er als «legitime Kraft» gegen die britische Unterdrückung bezeichnet, bereut er nicht. Nicht Al Kaida, sondern den ANC in Südafrika und die zionistische Irgun im britischen Mandatsgebiet Palästina sieht er als vergleichbare Phänomene. Auch diese beiden Organisationen nahmen bei ihren Anschlägen zivile Todesopfer in Kauf.

Tom Parker, ein Anti-Terror-Spezialist bei Amnesty International und früherer britischer Geheimdienstoffizier, sagte, King habe recht, wenn er zwischen der IRA und Al Kaida unterscheide. Trotzdem müssten beide Organisationen als terroristisch eingestuft werden. Dass der republikanische Abgeordnete sein immenses Wissen über terroristische Organisationen nicht konstruktiver einzusetzen wisse, findet er schade. Ein ehemaliger Weggefährte pflichtet bei. Niall O'Dowd, der King seit 25 Jahren kennt, spricht von einer «seltsamen Verwandlung eines irischen Radikalen zu einem Inquisitor der Muslime».

Peter King stellt sich im Fernsehen den Fragen seiner Kritiker:


(Video: Youtube/msnbc)

(kri)