Guantánamo-Entschädigung

22. Februar 2017 18:48; Akt: 22.02.2017 22:33 Print

IS-Selbstmordattentäter erhielt 1 Mio von Briten

Ein britischer IS-Kämpfer hat sich in Mosul in die Luft gesprengt. Weil er in Guantánamo einsass, hatte er von der britischen Regierung ein Vermögen als Wiedergutmachung erhalten.

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Bevor er konvertierte, hiess er Ronald Fiddler. Danach nannte er sich Jamal al-Harith. Als er sich der Terrormiliz Islamischer Staat anschloss, war Abu-Zakariya al-Britani sein nom de guerre.

Der 50-Jährige aus Manchester hat sich letzte Woche im Kampf um die irakische IS-Hochburg Mosul in einem Fahrzeug in die Luft gesprengt und mehrere irakische Sicherheitskräfte getötet. Der IS informierte selbst über den «Akt des Märtyrers» und veröffentlichte ein Video des Mannes, wie er lachend in die Kamera blickt, im Hintergrund hängen rote und blaue Kabel herunter. Sein Bruder in Grossbritannien will ihn auf dem Video wiedererkannt haben.

Zwischen 2002 und 2004 in Guantánamo

Fiddler, der als Webdesigner arbeitete, war 2014 von der Türkei nach Syrien gereist, um sich als Kämpfer zur Verfügung zu stellen. Der BBC liegen seine Registrationspapiere beim IS vor.

Dass sich der fünffache Familienvater dem IS anschliessen konnte, sorgte im letzten Jahr bereits für Schlagzeilen und rote Köpfe auf der Insel. Denn er war daheim kein gänzlich Unbekannter: Zwischen 2002 und 2004 sass er ohne Anklage im US-Gefangenenlager Guantánamo ein, nachdem er 2001 an der afghanisch-pakistanischen Grenze verhaftet worden war. Damals gab Fiddler an, dass ihn die Taliban gefangen genommen hatten, als er als Backpacker durch Pakistan reiste. Die USA verdächtigten den Briten wegen seiner Reisen in den Nahen Osten in den 90er-Jahren und wegen Kontakten zu Al-Kaida-Mitgliedern, ohne etwas Handfestes gegen ihn vorbringen zu können.

Die britische Regierung unter dem damaligen Premierminister Tony Blair soll allerhand diplomatische Hebel in Bewegung gesetzt haben, um Fiddler aus Guantánamo herauszubekommen. Nach seiner Freilassung klagte dieser erfolglos gegen die USA.

«Niemand aus Guantánamo stellt eine Bedrohung dar»

Daheim schien er mehr Erfolg gehabt zu haben: Wie die «Daily Mail» letztes Jahr aufdeckte, zahlte ihm die damalige Regierung unter Tony Blair in einem Vergleich eine Million Pfund Kompensationsgeld. Fiddler konnte geltend machen, dass britische Agenten wussten, dass er als britischer Staatsbürger auf Guantánamo misshandelt wurde.

Als Fiddler 2004 heimkehrte, sagte der damalige Staatssekretär David Blunkett: «Niemand, der aus Guantánamo zurückkehrte, stellt eine Bedrohung für die Sicherheit der britischen Bevölkerung dar.» Dieser Satz wird nun von der britischen Presse erbost wieder aufgenommen.

«Ein Tritt ins Gesicht»

Politiker aus verschiedenen Lagern sind verärgert: «So viel zu Tony Blairs Versicherungen, dass dieser Extremist keine Bedrohung darstellt. Er war ganz offensichtlich ein Risiko für Grossbritannien und unsere Sicherheit», sagt Torry-Abgeordenter Tim Loughton. Liberaldemokrat John Pugh sagt: «Es ist ein Tritt ins Gesicht, dass dieser Mann wegen seiner Unschuldsbeteuerungen ein Vermögen von den britischen Steuerzahlern erhielt, nur um sich dann dem IS anzuschliessen und zur Gefahr für Grossbritannien zu werden.»

Das britische Aussenministerium hat Fiddlers Tod nicht bestätigt. Um die 850 britische Staatsangehörige kämpfen gemäss BBC im Irak und in Syrien. Über hundert sollen getötet und rund 400 nach Grossbritannien zurückgekehrt sein.

(gux)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • GreenSkyline am 22.02.2017 18:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    hmmm...

    Und auch bei uns in der Schweiz gibt es einige Rückkehrer die noch auf freiem Fuss sind. Aber jeder hat ja eine zweite, dritte oder vierte Chance verdient. #Ironie

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  • Aram am 22.02.2017 19:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Keine Worte.

    Zu so viel Naivität fällt einem doch echt nichts mehr ein..!!!

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  • Det Gerechte am 22.02.2017 19:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kein Game

    Unglaublich 1 million Pfund Entschädigung. Was läuft mit dehnen falsch??? Warum..wieso....aaaach selber Schuld. Jetzt haben sie die Quittung zurück Bekommen. Was den Satz am Schluss des Artikels angeht " Über hundert sollen getötet und rund 400 nach Grossbritannien zurückgekehrt sein." Meiner Meinung nach sollten die die sich für so eine Reise entscheiden und es sich beweisen lässt keine Erlaubnis bekommen zurück in das Heimatland zu kommen. Sie wollten in den IS ... dann sollen sie ein Leben lang dort bleiben. Es ist kein Game!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • mrfiveduck am 26.02.2017 10:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Korrekt

    Wer unschuldig einsitzt gehört entschädigt. Wer Mist baut gehört bestraft. In dieser Reihenfolge. Und so wars auch hier. Und es war korrekt.

  • Cartman1993 am 24.02.2017 02:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    hmm

    Es kann sein, dass er bis zu seiner Deportierung nach Guantanamo ein friedfertiger Mensch und unschuldig war, niemand kann das mit 100% Bestimmtheit sagen. Nehmen wir jetzt mal an, dass er unschuldig dort war Wieso er sich während dessen/danach dem IS angeschlossen hat, könnte man wie folgt erklären: Das FBI hat Umfragen mit Inhaftierten, mit einer Haftstrafe von x>10 Jahren ausgewertet und kam zum Schluss, dass sich ein relativ grosser Anteil(weiss leider den erwähnten% nicht mehr) während ihres Aufenthaltes Gangs angeschlossen, bezw. danach eine bestimmte Ideologie angenommen haben, obwohl sie davor keiner Gang angehörten, bezw. eine andere Ideologie vertraten. Das könnte hier auch sein. Vieleicht ist nicht umbedingt die vertretene Ideologie bei der Einlieferung entscheidend, sondern die der Mitgefangenen.

  • E.H. am 23.02.2017 10:21 Report Diesen Beitrag melden

    Greift mal endlich durch

    Wann endlich wird bei diesen Leuten konsequent und hart durchgegriffen. Unsere Politiker haben immer noch nicht begriffen, dass diese Leute ein echte Gefahr für den Weltfrieden sind. Dass solche Typen noch 1 Mio von einem Staat erhalten, ist mehr als stümperhaft. Auch in der Schweiz wird mit diesem Thema viel zu large umgegangen. Solche Leute müssen konsequent verturteilt und ausgewiesen werden.

    • vk am 23.02.2017 12:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @E.H.

      ohne handfesten Beweise?

    • der polizist am 23.02.2017 17:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @E.H.

      nein sicher nicht greiffen wir durch, wir jagen lieber die kleinen grasdealer oder kiffer am see oder pärkli, so gehen wir kein risiko ein verletzt zu werden..!!

    • Cartman1993 am 24.02.2017 02:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @E.H.

      Auf Grund welcher Beweise?

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  • Efraín am 23.02.2017 10:10 Report Diesen Beitrag melden

    Differenzieren?

    Es ist unterste Schublade, was mit Unschuldigen in Guantanamo passierte! Daher auch die Entschädigung völlig in Ordnung. Ein Geheimdienst hätte aber die Aufgabe, die Freigelassenen weiter zu überwachen. Das wird/wurde wohl auch gemacht. Einfach Reisefreiheit etc. einzuschränken, nur weil einer unschuldig eingesessen hat, geht meines Erachtens nicht! Klar, wenn berechtigte Zweifel bestehen, dass man sich einer terroristischen Gruppierung anschliessen will, ist das was anderes! Da hätte man wohl aber auch eingegriffen! Warum ist es für gewisse Leute so schwierig, Punkt für Punkt zu bewerten?

    • Der Eidgenosse am 23.02.2017 11:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Efraín

      Einer der in Guntanamo landet ist sicher nicht unschuldig. Keine Freilassung und keine Entschädigung bitte.

    • Lilly Gruber am 23.02.2017 14:32 Report Diesen Beitrag melden

      Zahlung ist nicht gerechtfertigt

      @ Efrain, aber Sie sehen doch, was passsiert ist. Dieser Unmensch hat dort andere Menschen in den Tod gerissen. Es wird nicht möglich sein, jeden und alle bis ins Kleinste zu überwachen, das kann ein Staat leisten und so ist es in der Verantwortung es Einzelnen,sich von solchen Terrorgruppen fern zu halten. Die Million die gezahlt wurde, ist das Geld der Gemeinschaft, was an anderer Stelle viel effektiver verwendet werden muss. Mit dieser Million konnte auch nichts ungeschehen gemacht werden, insofern sehe ich dies Gabe als nicht gerechtfer6igt.

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  • Patrici am 23.02.2017 09:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jaja

    Jaja und alle sagen Obama ging es zu langsam mit Guantanamo an. So unschuldig sind diese Insassen ebben doch nicht.

    • Minimax am 23.02.2017 14:10 Report Diesen Beitrag melden

      Nicht der erste.

      Das nicht der erste der sich nach der Entlassung einer Gruppe angeschlossen hatte und danach Menschen umbrachte.

    • Ben Torture am 23.02.2017 16:56 Report Diesen Beitrag melden

      Folterhaft

      Leider ist es nunmal so, daß in Gatmo nicht nur ein wenig schärfer befragt wird, sondern die Insassen sollen gebrochen werden, psychisch entleert. Darum sind so viele Insassen DANACH in den Djihad gezogenen.

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