Israel

14. Oktober 2015 18:33; Akt: 14.10.2015 18:36 Print

IS stellt Anleitung für Messerattacken online

Über Jerusalem rollt eine Welle der Messergewalt. Viele befürchten einen grösseren Aufstand – jetzt mischt sich die Terrormiliz Islamischer Staat ein.

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Unter dem Hashtag #DieIntifadafängtan posten IS-Anhänger Bilder von einem IS-Konvoi, der auf Jerusalem zurast ... Und droht Israels Premierminister Benjamin Netanjahu mit dem IS-Schlächter Jihadi John. In Israel werden Messerattacken zum Merkmal der aktuellen Revolte von palästinensischen Jugendlichen. Die Anschlagsserie begann am ... ... mit dem 19-jährigen Mohammad Halabi aus Hebron, der auf Facebook ankündigte, er werde im Namen einer neuen Intifada sterben. Anschliessend erstach er in der Jerusalemer Altstadt zwei jüdische Männer, bevor er von Sicherheitskräften erschossen wurde. Auch am wurden zwei Israelis getötet, als zwei Palästinenser in einen Bus einstiegen, auf die Passagiere einstachen und schossen. Auch am Erez-Grenzposten zum Gazastreifen kam es zu Ausschreitungen zwischen palästinensischen Demonstranten und israelischen Sicherheitskräften. Einer der Palästinenser zündete sich selbst an, als er einen Molotow-Cocktail auf israelische Soldaten werfen will. Auch in Hebron im Westjordanland kam es am 13. Oktober zu Ausschreitungen. Jerusalem wird seit Anfang Oktober von einer Welle von Messerangriffen erschüttert. Am Donnerstag, 8. Oktober sticht ein Palästinenser in Tel Aviv auf einen israelischen Soldaten und drei Passanten ein und wird von der Polizei erschossen. Es ist eine Messerattacke von vielen in diesen Tagen. Auch am Freitag, 9. Oktober kam es zu mindestens vier Zwischenfällen zwischen Palästinensern und Israelis. Im Bild: Palästinenser tragen nach Zusammenstössen mit Soldaten im Osten von Gaza-Stadt einen Verwundeten davon. Ein Mann protestiert vor der palästinensischen Stadt Beit Sahour wegen der Gewalt gegen israelische Siedler. Palästinenser zünden im Osten von Gaza Stadt Reifen an und werfen Steine. Das Foto stammt vom 9. Oktober 2015, könnte aber auch viel älter sein. Israelische Sicherheitskräfte und betende Palästinenser vor der zwischenzeitlich gesperrten Jerusalemer Altstadt. Beide Seiten haben eine neue Generation hervorgebracht, die zornig und desillusioniert die Unruhen anstachelt. Die «Nahost-Konflikt-Generation 2.0» hat den Glauben in ihre jeweilige politische Führung verloren.

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Israel reagiert auf die sogenannte «Messer-Intifada» und will arabische Wohnviertel in Jerusalem absperren. Dazu stationierte das Militär Hunderte Soldaten in Städten und richtete Kontrollpunkte ein.

Jetzt mischt sich die Terrormiliz Islamischer Staat in die Situation ein. Unter dem Hashtag #The_Intifada_was_launched («Die Intifada hat angefangen») geben Anhänger des IS «Tipps», welche Messertypen für möglichst blutige Attentate am besten geeignet sind (siehe Bildstrecke). Auch Anleitungen zum Bombenbau werden online herumgereicht.

IS will Gazastreifen erobern

Der IS ist inzwischen auch im Gazastreifen präsent und will sein Kalifat bis dorthin ausbreiten und alle «Andersgläubigen», auch Muslime, ausrotten. Das kündigte ein maskierter IS-Kämpfer im Juni an.

Die Hamas teilt mit dem IS zwar die Feindseligkeit gegenüber Israel, hat aber im Vergleich zur Terrormiliz nicht den Anspruch, ein globales islamisches Kalifat zu gründen. Die Hamas beherrscht Gaza und will an der Stelle Israels einen palästinensischen Staat errichten.

Ursprung der neuen Krise

Auslöser der derzeitigen Gewaltwelle in Israel ist der Konflikt um den Tempelberg in Jerusalem, der sowohl Juden als auch Muslimen heilig ist. Gerüchte hatten die Runde gemacht, dass Israel die Kontrolle über den heiligen Ort übernehmen wolle.

Dazu kamen Brandanschläge jüdischer Extremisten auf das palästinensische Dorf Duma, bei der im Juli eine ganze Familie getötet wurde.

(cfr)