Islamischer Dinar

14. November 2014 14:42; Akt: 14.11.2014 16:34 Print

IS will eigene Währung einführen

Der «Islamische Staat» präsentiert der Welt seine eigenen Münzen. Die neue Währung soll Islamischer Dinar heissen. Ein Bericht dokumentiert derweil die Verbrechen des IS.

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IS-Sympathisanten haben Bilder der Münzen im Netz veröffentlicht. (Bild: Twitter)

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Die sunnitische Terrormiliz Islamischer Staat arbeitet offenbar an einer eigenen Währung. Ihr Anführer Abu Bakr al-Bagdadi habe angeordnet, mit der Prägung von Münzen zu beginnen, berichtete eine der Extremistengruppe nahestehende Website am Donnerstagabend. Mit dem Schritt solle «das tyrannische Geldsystem» geändert werden, das westliche Wirtschaften zum Vorbild habe, die «Muslime versklavten», hiess es.


Die neue Währung soll Islamischer Dinar heissen. Die Anordnung Al-Bagdadis sei vom Schura-Rat, einem beratenden Gremium des Islamischen Staats, genehmigt worden, hiess es.

Der IS hatte in diesem Jahr weite Teile im Irak und in Syrien eingenommen und anschliessend ein Kalifat in den von ihm kontrollierten Gebieten ausgerufen. Die Terrormiliz will auch ihre strenge Auslegung des islamischen Rechts, der Scharia, durchsetzen.


Verbrechen gegen die Menschlichkeit

Am Freitag legte die unabhängige Untersuchungskommission dem Uno-Menschenrechtsrat in Genf derweil ihren Bericht zum Syrien-Konflikt vor. Darin werden zahlreiche Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit des IS dokumentiert.

Der vom Brasilianer Paulo Sergio Pinheiro geleiteten Untersuchungskommission gehört unter anderen auch die Tessinerin Carla Del Ponte an, frühere Bundesanwältin wie auch Chefanklägerin des Uno-Tribunals für das ehemalige Jugoslawien.

Die Islamisten-Miliz stütze sich auf eine «verstärkte Mobilität und Feuerkraft, um Gegner zu überraschen und örtlich ihre Übermacht zu sichern», heisst es in dem Bericht der Kommission.

Hartgesottene Kämpfer aus Konfliktregionen

Zugleich weist die von den Vereinten Nationen eingesetzte Expertenkommission auf die erhebliche Rolle ausländischer Dschihadisten in Syrien hin. «Ungeachtet der Rekrutierung Tausender Syrer wird die IS-Führungsstruktur weitgehend von ausländischen Kämpfern dominiert», heisst es dort.

Gemeint sind damit weniger westliche Islamisten als vielmehr hartgesottene Kämpfer aus anderen islamischen Konfliktregionen, darunter Tschetschenien. Der Terrormiliz hätten sich einige der «extremsten und erfahrensten Personen» dieser Szene angeschlossen.

Amputation, Vergewaltigung und Folter

Dem menschenverachtenden und brutalen IS-Terror seien in mehreren Provinzen im Nordosten Syriens Hunderttausende Menschen schutzlos ausgesetzt. Die Extremisten vergingen sich an ihren Opfern mit Massenmorden und willkürlichen Hinrichtungen sowie Amputationen von Gliedmassen, Vergewaltigungen, sexueller Versklavung, Folterungen und Vertreibungen.

«Die Brutalitäten und das ganze Ausmass der Misshandlungen sind darauf ausgerichtet, die absolute Macht dieser Gruppe über das politische und soziale Leben durchzusetzen und die Gemeinden unter ihrer Kontrolle zum Gehorsam zu zwingen», hiess es. Zu den Methoden gehörten «die Amputation von Gliedmassen für Vergehen wie das Rauchen einer Zigarette».

Kinder geköpft, erschossen und gesteinigt

Auch Kinder und Frauen seien von den sunnitischen Fanatikern bei öffentlichen Hinrichtungsorgien in Städten und Dörfern in Nordost-Syrien geköpft, erschossen oder gesteinigt worden. Zur Rechtfertigung der Grausamkeiten erkläre die Miliz ihre Opfer zu Ketzern.

Dabei gelte der Grundsatz «Man ist schuldig, solange man nicht seine Unschuld beweisen kann», berichteten die Ermittler. Sie stützen sich auf Aussagen von mehr als 300 Zeugen, die vor den Islamisten in Nachbarländer geflohen sind oder immer noch im Herrschaftsbereich des IS leben.

Die Untersuchungskommission macht auch darauf aufmerksam, dass bei Angriffen durch Kampfflugzeuge der USA und ihrer Verbündeten auf die IS-Terroristen Unschuldige getötet wurden. Die Milizionäre würden sich oft direkt neben zivilen Einrichtungen verschanzen.

Die Experten appellierten an «Staaten mit Einfluss», den Waffennachschub und die Finanzierung des IS zu unterbinden. Zudem müssten alle Staaten mit harten Strafen gegen Dschihadisten unter ihren Bürgern vorgehen, die sich den Terroristen als Kämpfer anschliessen oder sie anderweitig unterstützten.

(sda)