#Flugscham

29. Januar 2019 05:45; Akt: 29.01.2019 13:58 Print

Viele schämen sich für «idiotischen Lebensstil»

Weil Fliegen die individuelle CO2-Bilanz ruiniert wie keine andere Tätigkeit, schämen sich immer mehr Menschen für ihre Ferien- und Businesstrips im Flieger.

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Mehr als 30 Stunden Zugreise nahm die 16-jährige Klimaaktivistin Greta Thurnberg auf sich, um ans Weltwirtschaftsforum in Davos zu reisen. Dass sie aus Schweden kommt, passt. Denn die Flugscham, also das Peinlichkeitsgefühl, das Menschen beschleicht, die sich trotz Wissen um den Klimawandel in einen Flieger setzen, befällt immer mehr Menschen. Erfunden aber wurde der Begriff «Flygskam» oder #Flugscham, der schon fast zu einer Bewegung geworden ist, in – wen wunderts? – Schweden.

«Idiotischer Lebensstil» des Vielfliegens

Promis wie der schwedische Biathlet Björn Ferry, der nur dann als Sportkommentator für das Nationalfernsehen arbeiten will, wenn keine Flüge dafür nötig sind, oder die schwedische Kulturministerin Alice Bah Kuhnke, die für offizielle Termine mit dem Zug bis nach Südfrankreich reist, machen es vor. Und immer mehr Schweden, so scheint es, folgen nach. Einer schwedischen Facebook-Gruppe, in der Nutzer Tipps zum Reisen im Zug austauschen, traten in kurzer Zeit mehr als 30'000 Menschen bei. Angefeuert von Medienberichten wie dem des Kulturchefs der Tageszeitung «Expressen», der den «idiotischen Lebensstil» des Vielfliegens als «teuersten Selbstmord der Weltgeschichte» bezeichnet, bleiben manche Schweden lieber gleich am Boden. Sie
dokumentieren ihren Verzicht unter den entsprechenden Hashtags in den sozialen Medien und zeigen so, dass auch Verzicht trendy sein kann.

Mehr Nachtzüge in Schweden

Als Folge des erhöhten Bewusstseins boomt jetzt das Zugfahren in Schweden. Die Nachfrage nach innerschwedischen Nachtzügen ist regelrecht explodiert, wie der «Klimareporter» schreibt. Zwischen Malmö und Stockholm stieg die Belegung um 100 Prozent, zwischen Südschweden und Lappland um 25 bis 60 Prozent. Und mehr als das: Nach Jahren der steigenden Nachfrage zeigt sich die Flugscham nun auch in den Fluggastzahlen. So wurde bei innerschwedischen Flügen ein Minus von rund drei Prozent registriert und auch bei den Charterflügen ist ein leichter Rückgang sichtbar. Wenn das so weitergehe, werde es Konsequenzen haben, sagt Jean-Marie Skoglund, Flugmarktanalytiker bei der staatlichen Verkehrsbehörde: «Die Airlines werden weniger fliegen. Manche Strecken werden eingestellt werden.»

Trotz dieses Trends: Weltweit gesehen ist Schweden, wie auch andere Industrienationen, trotzdem noch kein Klima-Musterschüler. So buchen Schweden laut einer Berechnung der schwedischen Naturschutzbehörde fünfmal mehr Flugreisen als der globale Durchschnittsbürger, wie die NZZ schreibt.

(zos)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Gelegenheitsflieger am 29.01.2019 07:34 Report Diesen Beitrag melden

    Das Angebot bestimmt die Nachfrage...

    Solange man noch für 30 Franken nach Barcelona fliegen kann, wird sich nicht so schnell etwas daran ändern. Der Mensch hat es gerne schnell, günstig und gemütlich. Meiner Meinung nach müssen die Flugpreise (vor allem für Kurzstrecken) drastisch steigen, damit ein Umdenken stattfindet.

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  • W. Meier am 29.01.2019 07:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Träumen darf jeder.

    Wenn Greta einmal erwachsen ist, wird sie auch normal denken. Zuviele Menschen brauchen Platz. Dies ist unser grösstes Problem.

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  • Danke am 29.01.2019 07:40 Report Diesen Beitrag melden

    liebe Leute

    informiert euch über neutrale Medien und lasst euch nicht medial steuern!!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Magda am 25.02.2019 07:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Massentourismus

    Flugreisen sollten sehr gut überlegt werden, aber auch die Destinationen und die Art des Aufenthaltes im Ferienland. Der Massentourismus ist eine Katastrophe für die Umwelt! Ich meine, die Zeiten haben sich extrem schnell geändert und wir sollten uns auf die Schönheit unseres Landes konzentrieren und froh sein, dass es uns so gut geht und nicht auf der Flucht sein müssen.

    • Spider5 am 25.02.2019 10:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Magda

      Da gibt es aber leider noch ein paar wesentlich wichtigere Probleme, die unsere Politiker lösen müssten, um die Schönheit der Schweiz zu erhalten. Abgesehen davon: CO2, macht auch nicht vor der Schweizer Grenze Halt.

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  • Berner Bär am 13.02.2019 08:57 Report Diesen Beitrag melden

    Und die "Klimaretter"?

    Und wieviele der krakeelenden "Klimaretter" setzen sich für Kurzurlaube in einen Flieger. Selbstverständlich mit der Ausrede "Er würde auch so fliegen!"

  • Martial2 am 07.02.2019 18:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Komische Ansicht...

    Fliegen oder auch nicht, das ist eine persönliche Sache. Sich schämen wegen billig Flüge ist ein grosses Irrtum. Selbst die Reichen schauen aufs Geld und fliegen nicht immer First Class...Wir fliegen wenn wir Lust haben!

  • Mami am 06.02.2019 14:44 Report Diesen Beitrag melden

    Kleine Schritte

    Umweltschutz überall thematisiert aber niemand ist bereit im Februar auf Erdbeeren oder Tomaten zu verzichten.Wir wissen nicht mehr was saison ist noch weniger interessiert dass unsere Bauern Fleisch genauso prodizieren es aber deutlich einen anderen Preis hat vielflieger...das ist bloss der Tropfen auf dem heisseb Stein.was ist jeder wirklich bereit zu tun??dass ist die frage

  • Alfred A. am 04.02.2019 03:03 Report Diesen Beitrag melden

    Absolutely no shame

    Ich schäme mich für keine einzige Flugmeile. Gut, so wahnsinnig viele Flüge waren es ja nicht und in den letzten 10 Jahren überhaupt keine einzige Flugmeile. Es war einfach kein Bedarf einen Flug zu buchen.

    • Fliegmarei am 05.02.2019 16:59 Report Diesen Beitrag melden

      @Alfred A. - ich fliege gerne

      Keine Frage nach mehr oder weniger, was geht das die Leute an? Ich frage keinen Menschen, wieviele Flugmeilen diese machen - oder mir gestattet sind. Die letzte Reise ist mit wahrscheinlicher Sicherheit nicht mit einem Flugzeug.

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