Proteste in Bahrain

18. Februar 2011 22:52; Akt: 18.02.2011 23:52 Print

In Bahrain geht es um mehr als einen Umsturz

von Senta Keller - Bahrain ist ein kleiner Inselstaat – trotzdem sorgen die Unruhen in den USA und Saudi-Arabien für grosse Aufregung: Hier geht es um die Abwehr Irans und um viel Öl.

storybild

Der König Bahrain hat mit Saudi-Arabien und den USA noch starke Verbündete an seiner Seite: Demonstranten in Bahrain trauern um die Toten, die bei den blutigen Zusammenstössen mit der Polizei ums Leben kamen. (Bild: Keystone)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Am Donnerstagabend kam es in Bahrain zu den bislang blutigsten Zusammenstössen zwischen Opposition und Regierungskräften. Mit äusserster Härte gingen Bereitschaftspolizisten gegen Demonstranten vor. Mindestens fünf Menschen sind dabei ums Leben gekommen. Mehr als 230 Demonstranten wurden verletzt. Die USA stellt dies vor eine heikle Frage: Wie geht man mit einem Verbündeten um, der auf sein Volk schiessen lässt?

Bei Bahrain scheine die Unterstützung Washingtons für die Demokratie-Bewegung im Mittleren Osten bereits am Ende zu sein, schreibt «CNN». US-Aussenministerin Hillary Clinton hatte sich nach dem blutigen Vorgehen der Sicherheitskräfte gegen Demonstranten zwar besorgt gezeigt – die Stellungnahmen blieben aber bislang eher zurückhaltend. US-Präsident Barack Obama hat sich zu Bahrain noch gar nicht öffentlich geäussert. Er liess aber durch seinen Presse-Sekretär ausrichten, das Weisse Haus rufe Bahrain dazu auf, sich gegenüber den «friedlichen Protesten» zurückzuhalten, schreibt die «New York Times».

Die Regierung Bahrains zählt im Mittleren Osten zu den engsten Verbündeten der USA. Der Inselstaat ist das Hauptquartier der 5. Flotte der US-Marine, 6000 Seeleute sind hier stationiert. Aus Bahrain kontrollieren die USA die Einfahrt in den Suez-Kanal, alle Schiffsbewegungen des Erzfeindes Iran und von hier werde der Luftraum überwacht, schreibt das «Handelsblatt». «Wenn die Regierung fällt, dann wird Bahrain zu einem Anhänger Irans und die 5. Flotte würde heimgeschickt», sagt Michael Rubin, Experte für den Mittleren Osten, gegenüber «CNN». Einen Regime-Wandel in Bahrain könne sich die US-Regierung nicht leisten.

Angst vor der schiitischen Machtübernahme

In Bahrain gehören 70 Prozent der Bevölkerung zu den Schiiten, welche von einer Minderheit Sunniten regiert werden. Dass die Furcht vor schiitischen Einflüssen in der Region gross ist, zeigen auch Wikileaks-Depeschen, welche «The Telegraph» veröffentlicht hat. Demnach liess das Büro von Hillary Clinton abklären, ob die Söhne des Königs in Bahrain Drogen nehmen, Alkohol trinken oder sonstige Probleme mit der Monarchie verursachen könnten. Gefragt wurde auch, ob die beiden Prinzen Freunde unter der schiitischen Mehrheit des Landes haben. Offenbar habe man befürchtet, dass Hardliner aus Nachbarländern die 23- und 21-Jährigen Prinzen beeinflussen könnten, schreibt das britische Blatt.

Eine allfällige Machtübernahme durch die Schiiten in Bahrain besorgt die USA vor allem deshalb, weil man davon ausgeht, dass die Unruhen auch auf Saudi-Arabien übergreifen könnten. Hier lebt eine schiitische Minderheit in Gebieten, wo ein Grossteil des Öls gefördert wird, schreibt die «New York Times». Bahrain ist nämlich durch eine 25 Kilometer lange Brücke mit Saudi-Arabien verbunden. Und Unruhen in Saudi-Arabien könnten wiederum die für die USA wichtige Versorgung mit Öl gefährden.

Hartes Vorgehen durch Saudis initiiert

SF-Korrespondent Ulrich Tilgner äusserte in der der «Tagesschau» die Vermutung, dass hinter dem harten Vorgehen gegen die Demonstranten sogar Saudi-Arabien stehen könnte, das auf Bahrain Druck ausgeübt habe. In Bahrain stehe für die USA und Saudi-Arabien viel auf dem Spiel. Auch Arthur Honegger, SF-Korrespondent in Washington, betonte, dass Bahrain für die USA strategisch absolut zentral sei. Den USA gehe es um die eigene Energiesicherheit. Denn von Bahrain aus werden die wichtigsten Wasserwege im Golf kontrolliert. Deshalb seien überhaupt erst Truppen in Bahrain stationiert worden.

Die Hauptgefahr in Bahrain bestehe darin, dass die Unruhen Interventionen durch Saudi-Arabien auslösen könnten, sagt Faysal Itani, Experte für den Mittleren Osten, gegenüber der britischen Zeitung «The Telegraph»: «Wir haben von Berichten gehört, dass die Saudis bereits Truppen und Ausrüstung gegen den Aufstand geschickt habe.»