Luxus-Obst im Überfluss

11. Mai 2014 21:45; Akt: 11.05.2014 21:48 Print

Indiens Mango-Fans bejubeln EU-Verbot

von M. Mehta, AP - Aus Furcht vor Fruchtfliegen stoppt die EU den Import von indischen Mangos. So kommen im Herkunftsland auch weniger Betuchte in den Genuss bester Früchte.

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Die indischen Märkte sind voll mit saftigem Obst. Denn seit 1. Mai gilt ein Importverbot der Europäischen Union für Mangos aus Indien, darunter die Alphonso, die als Königin aller Mangosorten in Südasien. Grund: Viele Lieferungen waren von Fruchtfliegen befallen, die die europäische Landwirtschaft bedrohen könnten. Der «Times of India» war das einen schadenfrohen Leitartikel wert: «Diese nervösen Europäer fürchten sich vor ein paar Fruchtfliegen in unseren Mangoexporten, sie haben Angst, dass die Fliegen ihre Tomaten und Gurken verwüsten. Wie kann man die Königin der Früchte für Salat opfern!»

Alphonso-Mangos waren jahrelang für die meisten Inder unerschwinglich, da die besten Früchte nach Europa und in andere Teile der Welt geliefert wurden, wo sie einen hohen Preis erzielten. Inzwischen bekommt man in Mumbai, Hauptstadt des grössten Alphonso-Anbaugebietes, ein Kilogramm schon ab umgerechnet rund zwei Franken. Damit sind die Früchte fast zwei Euro billiger als in der vergangenen Woche, und Händler rechnen mit weiterem Preisverfall.

Mangos stapeln sich korbweise

Auf den indischen Märkten sind Mangos von April bis Juni zu haben. Vor allem im Sommer, wenn es drückend heiss und feucht ist, werden bergeweise Mangos in Kühlschränken oder Eimern mit eiskaltem Wasser gekühlt oder für erfrischende Drinks püriert. In diesem Jahr stapeln sich die Körbe mit vollreifen Alphonso-Mangos an den Ständen des Crawford-Markts in Mumbai.

Auch Deepak Kanulkar und seine Familie können das köstliche Obst nun geniessen. «Es gibt einen Unterschied bei Grösse und Konsistenz», sagt er. «Das merkt man, sobald man sie anfasst. Wenn man sie aufschneidet, füllt das Aroma den ganzen Raum. Der Geschmack ist definitiv überdurchschnittlich. Ich habe diese Mangos schon gegessen, als ich im Ausland lebte, und jetzt sehe ich die gleiche Qualität hier.»

London trauert der Mango nach

Innerhalb der Europäischen Union wird das Importverbot wohl viele Fans indischer Mangos enttäuschen. Vor allem in Grossbritannien ist das exotische Obst bei Einwanderern wie bei Feinschmeckern beliebt, die sich auf die zehnwöchige Saison der Alphonso-Mango gefreut hatten.

Wegen ihres unvergleichlichen Geschmacks würden die Alphonso-Mangos «geschätzt und gefeiert», sagt Jenny Linford, Autorin des Blogs «London Food Chronicles». Die Mangos in britischen Supermärkten seien oft fürchterlich, steinhart und geschmacksarm, während indische Gemüsehändler in London sehr schmackhafte und weniger teure Früchte im Angebot hätten. Linford befürchtet, das Verbot könne ernsthafte Auswirkungen für asiatische Lebensmittelhändler haben.

Petition gestartet

Zu diesen Händlern gehört Monica Bhandari, deren Familienbetrieb Fruity Fresh auf die kurze Saison der Alphonso-Mango angewiesen ist. Bhandari startete daher eine Petition bei der britischen Regierung, um den Importstopp zu kippen, doch bisher ist die für eine Antwort der Regierung nötige Zahl der Unterschriften nicht erreicht. Das Importverbot werde Saison-Jobs kosten, warnt sie und fordert einen Kompromiss, wie etwa eine spezielle Bedampfung aller indischen Mangos, um eventuelle Schädlinge vor der Einfuhr nach Grossbritannien zu beseitigen.

«Wir sind frustriert», sagt sie. «Es ist eine kurze Saison. Wir können nicht wochenlang auf eine Antwort warten. Uns wurde gesagt, es werde eine Parlamentsdebatte geben, ich hoffe, dass es dazu kommt.»

Auch die indische Regierung arbeitet an einer Aufhebung des Importverbots, denn die indischen Mango-Exporteure schlagen ebenfalls Alarm: Nach Angaben des Fruchtexporteurs Sanjay Pansare in Mumbai könnten die Verluste umgerechnet sechs bis sieben Millionen Euro betragen. «Die Geldeinbussen in dieser Saison sind nicht unsere grösste Sorge», sagt Pansare. «Wir befürchten, dass wir den Exportmarkt verlieren, den die Alphonso-Mango erobert hatte.»