29. April 2005 14:38; Akt: 29.04.2005 14:46 Print

Irak: Zehn Autobomben an einem einzigen Tag

Auch nach der Bildung der neuen Regierung reisst die Gewalt im Irak nicht ab: Eine Serie Bombenanschlägen kostete am Freitag allein im Grossraum Bagdad über 20 Menschen das Leben. Rund 80 Personen wurden verletzt.

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Die folgenschwersten Anschläge wurden im Viertel Asamija verübt, wo in rascher Abfolge vier Autobomben detonierten und mindestens 15 Soldaten und fünf Zivilisten in den Tod rissen. Der erste Anschlag richtete sich gegen eine irakische Militärpatrouille, der zweite gegen eine Polizeistreife, wie Polizeisprecher Chalid al Hassan mitteilte. Die beiden anderen Bomben seien nahe dem Hauptquartier einer Spezialeinheit des Innenministeriums explodiert. Alle vier seien vermutlich von Selbstmordattentätern gezündet worden.

Auf eine sorgfältige Koordination deutete auch der Ablauf eines Anschlags im Dorf Madain südlich von Bagdad hin. Dort explodierte zunächst ein kleinerer Sprengsatz am Strassenrand. Als irakische Sicherheitskräfte herbeieilten, fuhren aus zwei verschiedenen Richtungen Selbstmordattentäter auf die Gruppe zu und sprengten ihre Wagen in die Luft. Dabei rissen sie nach Polizeiangaben zwei Sicherheitsbeamte mit in den Tod, sechs weitere wurden verletzt.

Bereits am Vorabend hatten die US-Streitkräfte den Tod eines Soldaten gemeldet, der bei einer Bombenexplosion nahe Hawidscha im Nordirak ums Leben kam. Vier weitere Soldaten wurden verletzt. Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 kamen damit nach einer Zählung der Nachrichtenagentur AP mindestens 1.572 US-Militärangehörige ums Leben.

Auf einem im Internet veröffentlichten Tonband wurde den US-Streitkräften mit weiteren Anschlägen gedroht. Der Sprecher, der sich als der gesuchte Extremist Abu Mussab al Sarkawi vorstellte, wandte sich direkt an US-Präsident George W. Bush. «Du, Bush, wirst keine Ruhe finden, bis wir unsere Ehre gerächt haben», sagte die Stimme auf dem Band.

Zudem tauchte im Internet ein Video auf, das die angebliche Erschiessung von sechs entführten sudanesischen Lastwagenfahrern zeigt. Zu sehen waren Schüsse auf sechs in weisse Gewänder gekleideten Männer. Ob sie tatsächlich getötet wurden, war zunächst unklar.

Bush sichert neuer Regierung Unterstützung zu

US-Präsident Bush begrüsste unterdessen die Regierungsbildung im Irak. Er sei davon überzeugt, dass das Kabinett von Ministerpräsident Ibrahim al Dschaafari «Einheit und Vielfalt» des irakischen Volkes repräsentieren werde, sagte Bush am Donnerstag in Washington. Bei den nächsten Schritten zum demokratischen Übergang - dem Erarbeiten einer neuen Verfassung, ihrer Annahme in einer Volksabstimmung und einer erneuten Parlamentswahl gegen Jahresende - würden die USA den Irak unterstützen. Auch im Kampf gegen Aufständische stünden die USA weiter an der Seite der irakischen Regierung, versicherte Bush. «Die USA sind zuversichtlich, dass die neuer Regierung diese Herausforderungen in den kommenden Monaten besteht», hiess es in seiner Erklärung weiter.

(ap)