36 F-16 bestellt

20. Juli 2011 08:36; Akt: 20.07.2011 09:30 Print

Irak will wieder eine eigene Luftwaffe

Die US-Rüstungsindustrie freut sich über Milliardenaufträge, doch eine einsatzfähige irakische Luftwaffe birgt auch Risiken. Im Nachbarland Iran ging ein ähnliches Geschäft gründlich schief.

Die irakische Luftwaffe verfügt über Kampfhelikopter, Transport- und Aufklärungsflugzeuge – aber keine eigenen Kampfjets. (Video: Youtube/TimeMagazine)
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Zyniker prophezeiten zu Beginn des Irakfeldzugs 2003, dass alles, was die amerikanische Armee im Zweistromland zerstört, in Form von Aufträgen der amerikanischen Wirtschaft zugute kommen wird. Sie verstummten angesichts des politischen, humanitären und finanziellen Desasters, in dem sich die USA bald wiederfanden. Zumindest das Schicksal der irakischen Luftwaffe scheint den alten Verdacht aber zu bestätigen. Die einst sechstgrösste Luftstreitmacht der Welt wurde von den USA zerstört oder im Nachhinein verschrottet. Kein einziger Kampfjet aus der Ära Saddam Husseins überlebte.

Inzwischen verfügt der Irak wieder über Kampfhelikopter, Transport- und Aufklärungsflugzeuge – aber keine eigenen Kampfjets. Wie das «Wall Street Journal» berichtet, sind Verhandlungen über den Kauf von amerikanischen F-16-Kampfjets und Flugabwehrsystemen im Gang. Acht Jahre nach der Invasion und im Hinblick auf den Abzug der letzten verbleibenden Besatzungstruppen schickt sich die Regierung in Bagdad an, die Sicherung ihres Luftraums – und damit einen zentralen Aspekt nationaler Souveränität – wieder selbst in die Hand zu nehmen.

Lieber ein starker oder schwacher Irak?

Offenbar hatte die irakische Führung zu Beginn des Jahres Pläne für den Kauf von 18 F-16-Jets auf Eis gelegt, als die Volksaufstände in der Region ihre ganze Aufmerksamkeit absorbierten. Inzwischen wird wieder verhandelt, neuerdings sogar über doppelt so viele Flieger. Das «Wall Street Journal» spekuliert, dass die hohen Erölpreise und somit höhere Staatseinnahmen den finanziellen Spielraum der Regierung Nuri al Maliki vergrössert haben. Die Kosten für 36 F-16-Jets plus Flugabwehrsysteme bewegen sich im zweistelligen Milliardenbereich. Stellvertretend für die immer noch schwächelnde US-Wirtschaft dürfen sich Lockheed Martin und andere Rüstungsbetriebe freuen.

Die politische Dimension eines solchen Waffendeals ist freilich eine ganz andere. Ein ehemals verfeindetes Land mit modernstem Kriegsgerät auszurüsten, ist nicht unmittelbar nachvollziehbar, zumal die Sicherheitslage im Irak trotz Fortschritten immer noch zu wünschen übrig lässt. Washington muss verschiedene Risiken gegeneinander abwägen: Ein schwacher Irak, das irgendwann dem Erzfeind Iran in die Hände fallen könnte. Oder ein starker Irak, das seine Stärke irgendwann wieder gegen US-Interessen einsetzen würde – vielleicht sogar im Schulterschluss mit Iran. Offenbar schätzt man letzteres Risiko als kleiner ein.

Im Iran ging das Experiment schief

Die Geschichte hält allerdings eine andere Lektion bereit. 1978 lieferten die USA 79 hochmoderne F-14-Kampfjets an den Iran. Das Schah-Regime galt als verlässlicher Verbündeter in der Region. Tatsächlich war seine Luftwaffe die einzige ausser der U.S. Navy, die über diesen Kampfjet verfügte. Doch noch im selben Jahr veränderten sich die Vorzeichen um 180 Grad, als die iranische Revolution ausbrach. Plötzlich befand sich hochmodernes Kriegsgerät in den Händen Ajatollah Chomeinis, eines erklärten Feindes der USA. Weiteres Unheil konnte hingegen abgewendet werden: 150 F-16-Kampfjets, die der Schah 1976 bestellt und bereits bezahlt hatte, wurden nicht ausgeliefert. Sie landeten stattdessen bei der israelischen Luftwaffe.

Allerdings zeigte das Beispiel der iranischen Luftwaffe auch, wie relativ und vergänglich die Macht ist, die von ausländischem Kriegsgerät ausgeht. Ersatzteile bekam der Iran nach der Revolution keine mehr geliefert, was die Durchschlagskraft seiner F-14 im Krieg gegen den Irak bedeutend schmälerte.

(kri)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • derElch am 20.07.2011 08:59 Report Diesen Beitrag melden

    Das ist der Grund für Krieg

    Da sieht man wieder mal dass der Krieg nur aus Wirtschaftlichen Interessen geführt hatte. Irak hatte vorher nur russische Flugzeuge. Und jetzt sollen plötzlich Amerikanische gekauft werden. Sowas hat nichts mehr mit Krieg gegen den Terror zutun! Alles von der USA nur vorgegaukelt. Vom 9-11 bis zum Tod Bin Ladens, alles durchgeplant. Dieser Kauf resp. Verkauf ist nur ein weiteres Indiz dazu.

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  • Michael Kohlhaas am 20.07.2011 09:53 Report Diesen Beitrag melden

    Entwicklungshilfe

    Anstatt die UNSERE Entwicklungshilfe in sinnvolle Projekte zu stecken, macht sich die amerikanische Rüstungsindustrie die Taschen voll ...Vielen Dank, lieber Bundesrat, wofür zahle ich eigentlich Steuern?

  • Reto Balmer am 20.07.2011 13:00 Report Diesen Beitrag melden

    Altes Spiel

    Symptomatisches Bild, dass sich immer und immer wieder wiederholt: - USA stattet einen Staat mit hochmodernem Kriegsmaterial aus - Derjenige Staat wird Jahre darauf politisch instabil - Ein Machhaber masakriert mit dem Kriegsgerät die Bevölkerung - USA fängt Krieg mit dem Staat an - USA besiegt den Staat und entwaffnet ihn - USA stattet den Staat erneut mit Kriegsgerät aus... - ... ... Es geht um Geld, und nur um das.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Reto Balmer am 20.07.2011 13:00 Report Diesen Beitrag melden

    Altes Spiel

    Symptomatisches Bild, dass sich immer und immer wieder wiederholt: - USA stattet einen Staat mit hochmodernem Kriegsmaterial aus - Derjenige Staat wird Jahre darauf politisch instabil - Ein Machhaber masakriert mit dem Kriegsgerät die Bevölkerung - USA fängt Krieg mit dem Staat an - USA besiegt den Staat und entwaffnet ihn - USA stattet den Staat erneut mit Kriegsgerät aus... - ... ... Es geht um Geld, und nur um das.

  • Jürg Messer am 20.07.2011 12:44 Report Diesen Beitrag melden

    Irakische SU-24 fliegen im Iran

    Es ist so nicht richtig zu sagen, dass die gesamte Irakische Luftstreitmacht von den USA zerstört oder im Nachhinein verschrottet wurde. So flohen der grösste Teil der Irakischen SU-24 Kampfbomber-Piloten mit ihren Maschinen in den Iran. Dort wurden die Maschinen beschlagnahmt und in die Iranische Luftwaffe eingegliedert

  • Carlos am 20.07.2011 11:27 Report Diesen Beitrag melden

    Der amerikanische Traum ..

    Dieser Zeitungsartikel sollte heissen: Wir besetzen ein Land mit reichlich Erdöl und gleichzeitig wird auch noch unsere eigene Rüstungsindustrie gefördert mit neuen Aufträgen....

  • Gerneral Moral am 20.07.2011 11:08 Report Diesen Beitrag melden

    USA lebt von Blut vergiessen

    Wer von den USA bedroht wird, muss handeln !!! USA soll endlich ihre eigenen Dinge ins Lot bringen und andere mit amerikanischen Kriegsversuchen in Ruhe lassen.

    • Kriegsbeute am 20.07.2011 14:40 Report Diesen Beitrag melden

      Und wir tun es auch

      Ja, so zu tun als ob das nur auf die USA zutrift hilft sicher das eigene Gewissen zu beruhigen. Dennoch bin ich dagegen dass dabei verdrängt wird das etliche Schweizer Firmen ebenfalls an solchen Machenschaften verdienen. Imperialismus ist eine Globale erscheinung und alle westlichen Länder Profitieren davon. Daher sollten wir Schweizer zuerst dafür sorgen dass wir die Sache nichtmehr fördern, danach belibt genug Zeit um auf andere zu zeigen.

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  • Bruno Hochuli am 20.07.2011 10:01 Report Diesen Beitrag melden

    Das war schon immer so

    Krieg scheint der Menschheit mehr Gewinn zu bringen als Frieden. Die Doppelzüngigkeit der Politiker scheint Grenzenlos zu sein.