Verurteilte Mörderin

20. April 2014 05:35; Akt: 20.04.2014 23:08 Print

Iranische Todes-Kandidatin könnte begnadigt werden

Mit einer Ohrfeige hatte die Mutter eines Ermordeten vor einer Woche dem Täter die Hinrichtung im Iran erspart. Nun könnte auch eine junge Iranerin dem Tod entkommen.

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Reyhaneh Dschabbari im Dezember 2008 vor einem Gericht in Teheran. (Bild: AFP)

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Vergangene Woche hat die Mutter eines Opfers einen Todeskandidaten im Iran vor der Vollstreckung bewahrt. Auch Reyhaneh Dschabbari, die wegen der Ermordung eines Mannes zum Tode verurteilt wurde, könnte von dessen Sohn begnadigt werden.

«In ihrem Geständnis hat sie gesagt, dass ein Mann sich in der Wohnung befand in dem Moment, da mein Vater erstochen wurde, doch sie weigert sich, seine Identität zu nennen», sagte Dschlal, der Sohn des Mordopfers Mortesa Abdolali Sarbandi, der Zeitung «Etemad» von Samstag. «Wenn sie die Wahrheit sagt, wird sie begnadigt», sagte Dschalal. Wenn nicht, werde sie hingerichtet.

Gemäss der offiziellen Auslegung der Scharia im Iran kann ein Todeskandidat der Hinrichtung entgehen, wenn ihm die Verwandten seines Opfers vergeben und er ein Blutgeld zahlt, das derzeit bei 1,5 Milliarden Rial (rund 50'000 Franken) liegt.

Ehemaliger Geheimdienstmitarbeiter

Die 26-jährige Reyhaneh Dschabbari wurde wegen des Mordes von Sarbandi, einem Chirurgen und früheren Mitarbeiter des Geheimdienstministeriums, im Juli 2007 verurteilt. Laut dem Sohn tötete Dschabbari seinen Vater vorsätzlich aus ihm unbekannten Gründen.

Der UNO-Sonderberichterstatter für Menschenrechte im Iran, Ahmed Shaheed, rief am Montag den Iran auf, einen neuen Prozess zu organisieren, in dem die Rechte der Angeklagten respektiert und entlastende Elemente berücksichtigt würden.

Shaheed sagte, es gebe «glaubhafte Quellen», wonach Dschabbari, die von Sarbandi als Innenarchitektin engagiert worden war, in seiner Wohnung von ihm sexuell belästigt worden sei, woraufhin sie ihn in Selbstverteidigung erstochen habe.

(sda)