Rekrutierung

16. Juli 2014 20:23; Akt: 16.07.2014 20:23 Print

Isis wirbt mit Kanadier um westliche Kämpfer

Erstmals wirbt die Terrorgruppe Isis mit einem englischsprachigen Video um Kämpfer aus dem Westen. Dazu nutzt sie Aufnahmen eines in Syrien getöteten Kanadiers.

(Quelle: Youtube/New York Times)

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Die Nachricht ist simpel: «Komm und kämpfe!» So wirbt der junge Kanadier André Poulin in einem Video um westliche Kämpfer für den Dschihad in Syrien. Hinter ihm weht die Flagge der Terrorgruppe Isis, die sich selber nur noch IS nennt. Er trägt Camouflage. Und sagt: «Jeder hat seine Rolle hier. Wenn du nicht kämpfen kannst, kannst du Geld geben. Wenn du das nicht kannst, kannst du mit Technologie helfen. Du kannst auch herkommen, um Häuser und Strassen wieder aufzubauen.» Er fügt hinzu: «Es wird hier sehr gut auf dich und deine Familie aufgepasst.»

Mittlerweile soll der kanadische Dschihadist in Syrien getötet worden sein. Das Video sei vom Al-Hayat Media Center hochgeladen worden, einem Zentrum, das die Isis für ihre Kommunikation nutzt, so die «New York Times».

Ein normaler Teenager

Es ist das erste Isis-Video in englischer Sprache und richtet sich somit direkt an potentielle Kämpfer in westlichen Ländern. Poulin erzählt, er sei auch nur ein normaler Teenager gewesen, der gefischt und Hockey geschaut habe. Er habe einen Job als Strassenputzer gehabt und umgerechnet rund 2000 Franken im Monat verdient. «Mein Leben war gut. Ich hatte immer eine Familie und Freunde, die mich unterstützten».

Und doch brach Poulin in den Kampf nach Syrien auf. Warum? Sein Leben in Kanada sei religiös nicht erfüllend gewesen. «Es ist nicht so, dass ich sozial ausgestossen war, oder Anarchist, oder jemand, der die Welt zerstören und alle töten wollte», sagt Poulin.

Anarchist, Kommunist, Islamist

Die Behörden liefern eine andere Geschichte. Laut einem kanadischen Staatsanwalt soll Poulin in seinen frühen 20ern im Internet gelernt haben, Bomben zu bauen, und sich überlegt haben, Anarchist oder Kommunist zu werden. Dann konvertierte er 2008 zum Islam, zog bei einem muslimischen Pärchen ein, fing eine Affäre mit der Frau an und bedrohte den Mann, weil dieser seiner Meinung nach nicht religiös genug war. Poulin wanderte in Kanada für zwei Wochen ins Gefängnis.

Das Rekrutierungsvideo mit dem Titel «Die wenigen Auserkorenen aus verschiedenen Ländern» endet mit dem angeblichen Tod Poulins, der in Syrien nur als Abu Muslim bekannt war. Man sieht Poulin, wie er über ein umkämpftes Feld läuft. Explosionen lassen die Erde erzittern und Poulin verschwindet in den Rauchwolken. Im Video heisst es: «Mr. Poulin starb im Feld in Syrien». Zum Zeitpunkt seines Todes soll er Mitte 20 gewesen sein.

Westliche Kämpfer werden online rekrutiert

Die Propagandastelle der Isis gilt als eine der cleversten und aggressivsten in der islamistischen Welt, sagen Experten, die das publizierte Material der Dschihadisten verfolgen.

«Als die Isis sich in Syrien ausbreitete, mussten sie mit vielen anderen Dschihadisten-Gruppen konkurrieren. Darum haben sie ihre Medienproduktionen auf das höchste Niveau aller dschihadistischen Vereinigungen gebracht», sagt Laith Alkouri, Senior Analyst bei Flashpoint Global Partners, einer New Yorker Firma für Sicherheitsberatung.

Gerade in Europa, Kanada und den USA ist bekannt, dass viele Ausländer durch Nachrichten im Internet inspiriert wurden, nach Syrien zu reisen und dort zu kämpfen.

(cfr)