Australien

23. Januar 2009 13:32; Akt: 23.01.2009 13:46 Print

Islam-Kleriker rechtfertigt Vergewaltigung

Ein muslimischer Geistlicher hat in Australien für Empörung gesorgt. In einem Video verteidigte er die Vergewaltigung von Frauen durch ihre Ehemänner. Der Premierminister verlangt eine Entschuldigung.

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Der in Australien geborene Samir Abu Hamza leitet ein islamisches Informationsnetzwerk. Er ist Autodidakt und bei jungen Muslimen in den nördlichen Vororten von Melbourne beliebt, berichtete die BBC mit Berufung auf lokale Medien. Seine bereits 2003 gehaltene Predigt «Die Schlüssel zu einer erfolgreichen Ehe» wurde als Video im Internet veröffentlicht. Darin erklärt Hamza, es sei nicht erlaubt, seine Frau zu schlagen, wohl aber, ihr einen «leichten Klaps» zu verpassen.

Weiter zeigte er sich verwundert über die rechtliche Definition von Vergewaltigung in Australien: «Wenn ein Mann mit seiner Frau schlafen will und sie einfach nicht will und er schliesslich gewaltsam mit ihr schläft, gilt das als Vergewaltigung». Das sei «erstaunlich», denn «Wie kann jemand seine Ehefrau vergewaltigen?» Eine Frau dürfe das Verlangen ihres Mannes nach Sex nicht verweigern, «nicht einmal, wenn sie ihm das Essen zubereitet».

«Kein Platz im modernen Australien»

Die Aussagen von Samir Abu Hamza sorgten in Australien für Empörung. Selbst Premierminister Kevin Rudd schaltete sich ein. Die Bemerkungen des Geistlichen hätten «keinen Platz im modernen Australien», sagte er vor Reportern. «Ich rufe diesen muslimischen Geistlichen auf, sich öffentlich zu entschuldigen und seine Bemerkungen zu widerrufen. Unter keinen Umständen sind sexuelle und andere Formen von Gewalt gegen Frauen in Australien akzeptabel», sagte der Labor-Politiker.

Hamza reagierte bislang nicht auf die Aufforderung. Er sei «abwesend», hiess es. Es ist nicht die erste Kontroverse um muslimische Prediger auf dem fünften Kontinent. Anfang 2007 war ein Video aufgetaucht, in dem der Leiter eines islamischen Jugendzentrums in Sydney Kinder zum Märtyrertum aufgerufen und antisemitische Bemerkungen gemacht hatte. Und 2006 war Scheich Taj Aldin al-Hilali als Grossmufti und damit oberster Kleriker Australiens abgesetzt worden, nachdem er leicht bekleidete Frauen als «unbedecktes Fleisch» bezeichnet hatte.

(pbl)