Pakistan

02. März 2011 07:56; Akt: 02.03.2011 19:05 Print

Islamisten töten Minderheiten-Minister

Wieder stirbt ein Politiker in Pakistan: Der Minister für religiöse Minderheiten, Shahbaz Bhatti, ist auf dem Weg zur Arbeit erschossen worden.

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Shahbaz Bhatti wurde erschossen. (Bild: Reuters)

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Zwei Monate nach dem Mord an einem Gouverneur ist in Pakistan ein weiterer prominenter Kritiker des Blasphemiegesetzes ermordet worden: Islamisten erschossen am Mittwoch den christlichen Minister für Minderheiten, Shabaz Bhatti, in Islamabad.

Der Sprecher des Shifa-Spitals in der Hauptstadt Islamabad bestätigte den Tod des Ministers. Sein Fahrer sei schwer verwundet worden. Nach Angaben der Polizei wurde Bhatti von mindestens zehn Kugeln getroffen, als er am Morgen sein Haus verliess.

Der Minister hatte sich für Änderungen am umstrittenen Blasphemie-Gesetz seines Landes eingesetzt, das bei Beleidigung des Islams die Todesstrafe vorsieht. Islamisten hatten Bhatti deswegen mit dem Tod bedroht.

Zu der Tat bekannte sich zunächst niemand. Doch zeigten pakistanische Privatsender Flugblätter am Tatort, die den Taliban zugeschrieben wurden. In ihnen wurde davor gewarnt, dass jeder, der den Blasphemiegesetzen kritisch gegenüberstehe, das gleiche Schicksal wie Bhatti ereile.

Bhatti hatte sich unter anderem für die Christin Asia Bibi eingesetzt, die wegen Gotteslästerung von einem Gericht zum Tode verurteilt wurde. Der Fall ist nun vor dem Obersten Gericht in Punjabs Hauptstadt Lahore anhängig.

Wegen Kritik am Blasphemie-Gesetz war zu Jahresbeginn der Gouverneur der ostpakistanischen Provinz Punjab, Salman Taseer, von seinem Leibwächter erschossen worden. Auch er hatte sich für Asia Bibi eingesetzt.

Der Mord an Taseer beunruhigte viele weltlich und liberal Gesinnte in Pakistan, stiess jedoch auch auf Lob in weiten Teilen der Bevölkerung. Beobachter werteten dies als Zeichen für die wachsende Radikalisierung der muslimischen Bevölkerung in Pakistan.

Reformversuche gescheitert

Pakistans Blasphemiegesetz verbietet generell die Beleidigung jeder Religion, wird aber in der Praxis bei angeblicher Herabsetzung des Islam angewandt. Die schwersten Strafen können bei der Schändung des Korans und des Namens des Propheten Mohammed verhängt werden. Islamisten laufen Sturm gegen Änderungen an dem Gesetz.

Die PPP-Abgeordnete Sherry Rehman war Anfang Februar damit gescheitert, Änderungen des Gesetzes ins Parlament einzubringen. Unter dem Druck islamistischer Massenproteste hatte Premierminister Syed Yousuf Raza Gilani angekündigt, Rehman werde ihre Änderungsvorschläge zurückziehen. Auch sie erhielt Todesdrohungen.

Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) nahm «mit Bestürzung» von der Ermordung Bhattis Kenntnis, wie es mitteilte. Die pakistanischen Behörden müssten das Verbrechen aufklären und die Verantwortlichen vor Gericht bringen, forderte das EDA. Der pakistanischen Regierung und den Angehörigen des Opfers drückte es seine Anteilnahme aus.

(sda/ap)