Unruhen

29. Mai 2011 19:18; Akt: 06.06.2011 13:56 Print

Islamisten übernehmen Stadt in Jemen

Nachdem Extremisten eine Stadt im Süden eingenommen haben, wirft die Opposition dem umstrittenen Präsidenten Tatenlosigkeit vor. Abdullah Saleh wolle die Ängste des Westens vor Extremisten schüren.

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Nach Kämpfen mit fliehenden Regierungssoldaten haben Extremisten den Streitkräften zufolge ihre Herrschaft über die südjemenitische Stadt Sindschibar gefestigt. Kritiker des umstrittenen Präsidenten Ali Abdullah Saleh sehen in der Tatenlosigkeit der Regierung den Versuch, die Ängste des Westens vor einer Machtübernahme der Extremisten zu schüren, die Saleh für den Fall seines Abgangs prophezeit hatte. Seit drei Monaten fordern regelmässig tausende Menschen bei Massenkundgebungen Salehs Rücktritt.

Hunderte Extremisten hatten die Hauptstadt der Provinz Abjan am Freitag gestürmt und zahlreiche Banken und Regierungsgebäude besetzt. Ab Samstagabend hätten sie die von ihnen kontrollierten Bereiche ausgeweitet, sagten Sprecher der Streitkräfte. Nachdem der Gouverneur, der Sicherheitschef und der Kommandeur einer dort stationierten Heeresbrigade geflohen seien, hätten die Extremisten sechs Panzer und etliche gepanzerte Fahrzeuge in ihre Gewalt gebracht.

Weitere Einheiten der Streitkräfte lieferten sich ausserhalb der Stadt Gefechte mit den Extremisten. Dabei gerieten nach Angaben von Medizinern sechs Zivilpersonen ins Kreuzfeuer und wurden getötet. Über Tote oder Verwundeten unter den Extremisten oder den Soldaten gab es zunächst keine Angaben.

In Sanaa sagte der Offizier Abdullah Ali Elewa, Sprecher der zur Opposition übergelaufenen Soldaten, Saleh versuche Angst zu verbreiten, dass ohne ihn der Jemen zu einem zweiten Somalia werde. Salehs politische Gegner und ausländische Experten halten solche Befürchtungen jedoch für unbegründet. Elewa rief die Streitkräfte dazu auf, die Extremisten zu bekämpfen.

(ap)