Gazastreifen

14. Juli 2018 20:44; Akt: 15.07.2018 09:12 Print

Hamas bricht selbsterklärte Waffenruhe

Militante Palästinenser haben in der Nacht auf Sonntag Geschosse auf israelisches Gebiet abgefeuert. Israel reagiert mit der schwersten Offensive seit 2014.

Rauchwolke nach einem israelischen Angriff in Gaza-Stadt. (Video: Tamedia/AFP)
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Trotz der nach Angaben der Hamas vereinbarten Feuerpause hat die israelische Luftwaffe erneut Ziele der radikalislamischen Palästinenserorganisation im Gazastreifen bombardiert. Mehrere Einrichtungen der Hamas seien in der Nacht zu Sonntag in Gaza angegriffen worden, teilte die Armee mit.

Zuvor sei der Süden Israels erneut aus dem Gazastreifen beschossen werden, begründete die Armee die Angriffe. Eines der zwei Geschosse habe die israelische Luftabwehr in der Nacht zu Sonntag abgefangen.

Unter den Zielen in Gaza befand sich demnach ein Gebäude, in dem die Nationalbibliothek des Küstenstreifens untergebracht war und das die Hamas zugleich als «Übungszentrum» genutzt habe.

Hunderte Raketen auf Israel abgeschossen

Am Samstagabend hatte sich die Hamas nach eigenen Angaben auf eine von Ägypten vermittelte Feuerpause mit Israel geeinigt. Ein Sprecher der israelischen Armee sagte dazu lediglich, das weitere Vorgehen der Armee hänge von der Lage vor Ort ab.

Zuvor war der Konflikt zwischen Israel und der Hamas nach monatelangen Spannungen eskaliert. Als Reaktion auf Raketen- und Granatenangriffe aus dem Gazastreifen, bei denen drei Israelis verletzt wurden, startete die israelische Armee am Samstag die schwerste Offensive in dem Palästinensergebiet seit dem Gaza-Krieg 2014. Dabei wurden nach palästinensischen Angaben zwei Jugendliche getötet.

Die israelische Armee warf der Hamas und anderen Gruppen vor, etwa hundert Raketen und Mörsergranaten auf Israel abgeschossen zu haben. Ein Teil der Geschosse wurde demnach von der israelischen Luftabwehr abgefangen. Im südisraelischen Sderot in der Nähe des Gazastreifens wurden drei Israelis verletzt, als eine Rakete aus dem Gazastreifen in einem Hausdach einschlug.

Zwei Jugendliche getötet

Das Gesundheitsministerium im Gazastreifen gab an, bei den Luftangriffen vom Samstag seien westlich von Gaza zwei palästinensische Jugendliche im Alter von 15 und 16 Jahren getötet worden. Die israelische Armee erklärte, das Gebäude sei von der Hamas für militärische Zwecke genutzt worden. Im gesamten Gazastreifen wurden nach Angaben des Ministeriums 25 Menschen verletzt.

Israel gab der Hamas die Schuld für die Eskalation und wies auf die monatelangen Proteste und Zusammenstösse an der Grenze zum Gazastreifen hin, welche die Islamisten als Deckmantel für Angriffe nutzen würden. Auf landwirtschaftlichen Betrieben in Israel kam es zuletzt immer wieder zu Feuern durch Ballons und Drachen mit Brandsätzen aus dem Gazastreifen.

Angst vor einem vierten Krieg

Seit Ende März protestieren immer wieder Palästinenser an der Grenze zwischen Israel und dem Gazastreifen, in dem die radikalislamische Hamas herrscht und der von Israel seit Jahren abgeriegelt wird. Dabei wurden mindestens 141 Palästinenser getötet und rund 4000 verletzt. Die Auseinandersetzungen nährten die Angst vor einem vierten Krieg im Gazastreifen seit 2008.

Zuletzt hatte Israel im Sommer 2014 gegen die Hamas im Gazastreifen Krieg geführt. Bei dem 50-tägigen Armeeeinsatz «Protective Edge» («Schutzlinie») waren mehr als 2100 Palästinenser getötet worden, ein Grossteil davon Zivilisten. Auch 74 Israelis starben, die meisten von ihnen waren Soldaten.

(mlr/chk/afp)