Einen für tausend

18. Dezember 2011 23:21; Akt: 19.12.2011 00:53 Print

Israel lässt weitere 550 Häftlinge frei

Der Gefangenentausch für den israelischen Soldaten Gilad Schalit ist beendet. Ein palästinensischer Minister äussert allerdings Kritik an der Hamas: Sie hätte zu wenig genau darauf geschaut, wer freigelassen wird.

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Am Nachmittag vom Dienstag, 18. Oktober, kann Noam Schalit seinen Sohn Gilat wieder in die Arme schliessen. Über fünf Jahre war der Soldat von seiner Familie getrennt. Zuvor hatte Schalit den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu begrüsst - standesgemäss mit militärischem Gruss. «Willkommen in Israel, Gilad. Wie gut, dass du zurückgekommen bist», sagte er zu Gilad Schalit. Der Jubel in Israel war grenzenlos. Auch auf palästinensischer Seite war der Jubel über die Freilassung von 477 Palästinensern gross. Die Freigelassenen reisten in Bussen in den Gazastreifen. Kinder schwenkten palästinensische Fahnen im Flüchtlingslager Burj al-Barajneh in Beirut... ... während Israeli am Grenzübergang Kerem Shalom zum Gazastreifen Tauben stiegen liessen. In Mitzpeh Hila, der Heimatstadt Schalits, wurde ebenfalls gefeiert. Jubelnde Freigelassene in einem Bus. Bei einigen Angehörigen der israelischen Luftwaffe flossen die Tränen in Strömen. Andere staunten nur noch. Am Checkpoint Beitunia wehten Flaggen der Hamas. Das erste Mal seit fünf Jahren durfte Gilad Schalit am Mittag des 18. Oktobers mit seinen Eltern telefonieren. Schalit auf dem Weg in die Freiheit. Palästinensische Häftlinge werden bei ihrer Ankunft im Gazastreifen bejubelt. Gilad Schalit im Exklusiv-Interview im ägyptischen Staatsfernsehen, kurz nach seiner Freilassung. Mittlerweile ist der 25-Jährige in Israel eingetroffen. CNN strahlt die ersten Bilder Gilad Schalits in Freiheit aus. Die Aufnahmen stammen vom ägyptischen Staatsfernsehen, wie der israelische Fernsehsender Channel 2 meldet. Der entführte israelische Soldat Gilad Schalit (Archivbild) wurde am 18. Oktober 2011 kurz nach 9 Uhr offiziell freigelassen. Die Familie des Soldaten Gilad Schalit am 18. Oktober beim Verlassen ihres Hauses in Mitzpe Hila: Vater Noam (l.)und Mutter Aviva (r.) zusammen mit ihrem Sohn Yoel und dessen Freundin Hadas. Sie ist unterwegs nach Tel Aviv, wo sie ihren Sohn Gilad treffen werden. Der Vater von Gilad Schalit (mit Sonnenbrille). Ein Transporter mit palästinensischen Gefangenen ist am Morgen des 18. Oktobers in der Nähe des Militärlagers Ofer nahe dem Beituniya-Übergang zum Westjordanland eingetroffen. Journalisten und Kamerateams warten am Übergang Beituniya . Die palästinensischen Häftlinge werden in Kastenwagen in Richtung Grenze gefahren. Dort soll der Gefangenenaustausch gegen den 25-jährigen israelischen Soldaten Gilad Schalit stattfinden, der mit 19 Jahren von der Hamas verschleppt worden war. In einem Konvoi werden palästinensische Gefangene aus dem Gefängnis Keziot in der israelischen Negev-Wüste in Richtung Grenze gefahren. Der Grenzübergang Rafah zwischen dem Gazastreifen und Ägypten am 17. Oktober, dem Tag vor dem Gefangenenaustausch. Palästinensische Hamas-Kämpfer haben sich in der Nacht entlang der Hauptstrasse in Chan Yunis im Gazastreifen postiert. Am Vorabend sind in Gaza-Stadt die letzten Vorkehrungen getroffen worden, um die Freigelassenen mit Pomp zu empfangen. Es wurden eigens Tribünen aufgebaut.

Der israelische Soldat Gilad Schalit konnte Mitte Oktober seinen Vater nach über fünfjähriger Gefangenschaft wieder in die Arme schliessen.

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Jetzt ist der umfassende Austausch von Gefangenen zwischen Israel und den Hamas beendet. Israel hat am Sonntagabend die letzten 550 Häftlinge freigelassen, die es den Palästinensern für die Auslieferung des Soldaten Gilad Schalit versprochen hatte.

Es handelte sich um die zweite Gruppe der insgesamt 1027 Palästinenser, die Israel im Austausch für Schalit freilassen musste. Schalit war vor zwei Monaten nach mehr als fünf Jahren Geiselhaft im Gazastreifen freigekommen.

505 Häftlinge, darunter nach israelischen Angaben vier Frauen, wurden am späten Abend in Bussen über den Beitunia-Übergang in das Westjordanland gebracht, wo sie am Sonntagabend eintrafen. Weitere 41 Gefangene kehrten in den Gazastreifen zurück und zwei weitere nach Jordanien. Zwei weitere Gefangene, davon eine Frau, kamen nach Ost-Jerusalem zurück.

Nach Informationen der israelischen Gefängnisbehörde sind auch 56 Minderjährige im Alter von 14 bis 17 Jahren unter den Freigelassenen. Jugendliche Palästinenser werden mitunter festgenommen, wenn sie etwa an Steinwürfen auf israelische Soldaten beteiligt sind.

Vor allem Fatah-Mitglieder

Bei den meisten handelt es sich um Mitglieder der gemässigteren Fatah-Organisation von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas. In der ersten Phase des grössten Gefangenenaustauschs seit einem Vierteljahrhundert waren vor allem Mitglieder der radikal- islamischen Hamas entlassen worden, von denen viele an tödlichen Selbstmordanschlägen auf Israelis beteiligt waren.

Die Gefangenen, die zum Abschluss des Austauschprogramms am Sonntag frei kamen, haben weniger schwere Straftaten begangen. Das höchste Gericht Israels hatte am Freitag Klagen gegen die Freilassung dieser Gefangenen abgewiesen.

Zusammenstösse am Übergang zum Westjordanland

Am Beitunia-Übergang nahe Ramallah kam es am Sonntag zu Konfrontationen zwischen wartenden Angehörigen der Häftlinge und israelischen Soldaten. Dabei wurden nach Armeeangaben ein Soldat und nach Medienberichten auch mehrere Palästinenser verletzt.

Am Amtssitz von Abbas in Ramallah wurden die Gefangenen am späten Sonntagabend zu Freudenfeiern erwartet. Der palästinensische Häftlingsminister Issa Karaki äusserte sich allerdings enttäuscht. Er sagte, viele der Gefangenen hätten in den kommenden Monaten ohnehin ihre Haftstrafen abgesessen.

Kritik an Hamas vom palästinensischen Häftlingsminister

«Hamas hätte der zweiten Gruppe genau soviel Aufmerksamkeit widmen müssen wie der ersten und es nicht Israel überlassen sollen, über die Freizulassenden zu entscheiden», sagte er.

Am 18. Oktober hatte Israel den Soldaten Schalit in einem ersten Schritt gegen 477 palästinensische Häftlinge ausgetauscht. Bei den Verhandlungen zwischen Israel und der Hamas hatte zunächst Deutschland und dann vor allem Ägypten vermittelt. Insgesamt liess Israel im Austausch für Schalit 1027 palästinensische Gefangene frei.

Nach Angaben der Gefängnisbehörde verbleiben nun noch etwa 4250 «Sicherheitshäftlinge» in israelischen Gefängnissen. Damit werden Palästinenser beschrieben, die im Zusammenhang mit dem Nahostkonflikt festgenommen oder verurteilt wurden.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • A. Guant am 18.12.2011 23:53 Report Diesen Beitrag melden

    Frieden ist Sicherheit

    Die sollen endlich Frieden machen und damit aufhören die paranoiden spielchen zu spielen. Die Welt wird Israel und Palästina dabei unterstützen die längst fälligen UN-Resolutionen umzusetzen, Grenzen von 1967. Es gibt keinen Grund damit zu zögern, wenn der Messias/Joshua bei Krieg kommen würde, dann kommt er bei Frieden erst recht (oder zurück)

Die neusten Leser-Kommentare

  • A. Guant am 18.12.2011 23:53 Report Diesen Beitrag melden

    Frieden ist Sicherheit

    Die sollen endlich Frieden machen und damit aufhören die paranoiden spielchen zu spielen. Die Welt wird Israel und Palästina dabei unterstützen die längst fälligen UN-Resolutionen umzusetzen, Grenzen von 1967. Es gibt keinen Grund damit zu zögern, wenn der Messias/Joshua bei Krieg kommen würde, dann kommt er bei Frieden erst recht (oder zurück)