Nahost-Konflikt

13. Juli 2014 11:21; Akt: 13.07.2014 17:27 Print

Israel liefert sich Schiesserei mit Hamas

Im Gazastreifen haben sich israelische Kommandotruppen einen Kampf mit der Hamas geliefert. Es war das erste Gefecht dieser Art am Boden seit Beginn der israelischen Offensive.

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Fünf Tage nach Beginn der israelischen Militäroffensive gegen militante Palästinenser hat erstmals eine Kommandoeinheit am Boden eingegriffen. Es handelt sich um den ersten öffentlich bekannten Einsatz am Boden seit Beginn der Offensive am Dienstag.

Unterstützt von Kampfflugzeugen griffen Eliteeinheiten der Marine den Norden des Küstenstreifens an, wie ein Sprecher der Streitkräfte am frühen Sonntagmorgen sagte. Damit sollte der Abschuss von Langstreckenraketen verhindert werden. Vier der Soldaten seien bei einem Schusswechsel mit Hamas-Kämpfern verletzt worden.

163 Menschen tot

Die Hamas konnte nach eigener Darstellung den israelischen Angriff zurückschlagen. Die Soldaten hätten nicht landen können. Die israelische Armee erklärte dagegen, die Einheiten hätten ihren Auftrag erfüllt.

Seit Beginn der massiven israelischen Luftangriffe am 8. Juli stieg die Zahl der Toten im Gazastreifen auf 163. Zudem seien 1085 Menschen seit Beginn der Offensive verletzt worden, teilte der Sprecher der örtlichen Rettungsdienste, Aschraf al-Kidra, über Twitter mit.

Zur Flucht aufgefordert

In Vorbereitung grösserer Angriffe rief Israels Armee am Sonntag die Einwohner des nördlichen Gazastreifens über Flugblätter dazu auf, ihre Wohngebiete bis zum Mittag zu räumen. Die meisten Raketen auf Israel würden aus dieser Gegend um Beit Lahia abgefeuert, erklärte der israelische Militärsprecher Peter Lerner.

Am Morgen gab es wieder Raketenangriffe militanter Palästinenser, unter anderem auf den internationalen Flughafen Ben Gurion bei Tel Aviv. Die Raketenabwehr fing die Geschosse ab, andere landeten auf unbewohntem Gebiet.

Familie des Polizeichefs getötet

Bei einem Luftangriff auf das Haus des Polizeikommandanten von Gaza waren am Samstagabend mindestens 18 Menschen getötet worden. Sie gehörten den Angaben zufolge zur Familie des Polizeichefs Taisir al-Batsch.

Der Kommandant selbst wurde schwer verletzt; zunächst hatte es geheissen, er sei getötet worden. Auch eine benachbarte Moschee wurde bei dem Bombardement getroffen.

Israel hatte die Operation in der Nacht zum Dienstag gestartet, um den ständigen Raketenbeschuss israelischer Ortschaften durch militante Palästinenser zu unterbinden. Seitdem bombardierte die Armee nach eigenen Angaben 1320 Ziele in der Mittelmeer-Enklave, zuletzt allein 200 binnen 24 Stunden.

Gleichzeitig gingen demnach mehr als 800 Raketen der Hamas auf israelischem Gebiet nieder, rund 140 davon seien von der Raketenabwehr in der Luft abgefangen worden, sagte Armeesprecher Lerner.

Angriffswelle der Hamas

Hamas-Kämpfer im Gazastreifen feuerten am Samstagabend erneut mehrere Raketen auf Tel Aviv, Jerusalem und andere Ziele in Israel ab. Dort heulten am Abend und in der Nacht wieder die Sirenen. Viele Menschen eilten in Schutzräume und andere gesicherte Zonen.

Eine Armeesprecherin berichtete, dass die Raketenabwehr drei der Geschosse abgefangen habe. In Tel Aviv waren mehrere Detonationen zu hören - offenbar die Abschussgeräusche des Abwehrsystems «Eisenkuppel».

Die Kassam-Brigade, der militärische Arm der Hamas, hatte die Angriffswelle zuvor über SMS-Botschaften und via Twitter angekündigt. Damit sollte der Tod eines Neffen des führenden Hamas-Politikers Ismail Hanija vergolten werden. Er war am Samstag bei einem israelischen Luftangriff ums Leben gekommen.

Am Samstagabend wurden laut Armee zudem erneut zwei Raketen vom Libanon aus auf Israel abgeschossen. Sie landeten nördlich der Stadt Naharija auf freiem Feld.

(pat/sda)