Nahost-Konflikt

11. Juli 2014 05:59; Akt: 11.07.2014 05:59 Print

Israel setzt Luftangriffe auf Gazastreifen fort

Bereits die vierte Nacht in Folge wurden Ziele im Gazastreifen bombardiert, dabei starben mindestens drei Palästinenser. Die USA hoffen noch auf eine Stabilisierung der Lage.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Die israelische Luftwaffe hat die vierte Nacht in Folge Ziele im Gazastreifen bombardiert. Nach Palästinensischen Angaben wurden am Freitagmorgen mindestens drei Palästinenser getötet.

Augenzeugen aus Gaza-Stadt berichteten am frühen Freitagmorgen von 15 israelischen Luftangriffen über Nacht. Bei einem der drei Todesopfer handle es sich um den 33-Jährigen Anas Abu al-Kass, sagte ein Sprecher der Rettungsdienste. Eine Rakete sei in sein Haus in Gaza-Stadt eingeschlagen. Die israelischen Streitkräfte nahmen dazu zunächst keine Stellung.

Seit Beginn der israelischen Offensive «Schutzrand» am Dienstagmorgen wurden nach palästinensischen Angaben mehr als 80 Menschen aus dem Gazastreifen getötet. Trotzdem gelang es Israel nicht, den Beschuss aus dem Küstengebiet zu stoppen.

Alleine am Donnerstag seien mindestens 140 Raketen eingeschlagen und 44 weitere abgefangen worden, hiess es in einer Militärerklärung. Auch Jerusalem wurde am Donnerstag wieder zum Ziel der Raketen militanter Palästinenser. Die israelische Luftwaffe griff nach Armeeangaben seit Dienstag fast 900 Ziele im Gazastreifen an.

Zurück zur Vereinbarung von 2012

US-Präsident Obama warnte in einem Telefonat mit Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu vor einer weiteren Eskalation. Er rief «alle Seiten» dazu auf, «ihr Möglichstes zu tun, um das Leben von Zivilisten zu schützen und die Ruhe wieder herzustellen», wie das Weisse Haus am Donnerstagabend mitteilte.

Obama betonte, dass die USA als Vermittler bereitstünden. Zu den Optionen gehöre auch die Rückkehr zu einer Waffenstillstandsvereinbarung von 2012. Damals hatten Ex-US-Aussenministerin Hillary Clinton und Ägypten zwischen beiden Seiten vermittelt.

Doch derzeit gibt es keine Anzeichen für ein Schweigen der Waffen. «Der Feind (Israel) hat die Angriffe gestartet und muss aufhören, wir verteidigen uns einfach nur», erklärte Ismail Hanija, bis vor kurzem Hamas-Regierungschef im Gazastreifen, am Freitagmorgen.

«Waffenruhe nicht auf der Tagesordnung»

Auch Netanjahu strebt keine Waffenruhe mit der Hamas an. «Derzeit sprechen wir mit niemandem über eine Waffenruhe, das steht nicht auf der Tagesordnung», sagte der Regierungschef nach Informationen der Tageszeitung «Haaretz» vor dem Aussen- und Verteidigungsausschuss des israelischen Parlaments.

Der israelische Verteidigungsminister Mosche Jaalon ist für einen begrenzten Einsatz von Bodentruppen im Gazastreifen. Israel würde sich auf Ziele konzentrieren, die nicht aus der Luft zerstört werden könnten, schrieb in der Nacht zum Freitag die Zeitung «Times of Israel» online. Konkret wurden die Tunnel genannt, die Hamas in der Nähe der israelischen Grenze gegraben hat.

Auf Antrag der UNO-Botschafter der arabischen Länder sowie der Palästinenser beschäftigte sich am Donnerstag der UNO-Sicherheitsrat in einer Dringlichkeitssitzung mit der eskalierenden Gewalt. UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon appellierte an Israelis und Palästinenser, schnellstmöglich eine Waffenruhe zu vereinbaren.

Auch die internationale Gemeinschaft müsse alles in ihrer Macht stehende tun, um zur Entschärfung der Lage im Gazastreifen beizutragen, forderte der UNO-Generalsekretär. Ban sprach von rund 150 zerstörten palästinensischen Wohnhäusern. «Wieder einmal zahlen die Zivilisten den Preis», beklagte er.

(sda)