Nahost-Konflikt

22. Juli 2014 12:03; Akt: 22.07.2014 12:16 Print

Israelischer Soldat in Gaza vermisst

Die Zahl der Toten im Gaza-Konflikt steigt auf beiden Seiten. In Ägypten bemühen sich UN, USA und Araber um eine Schlichtung zwischen Israel und der Hamas.

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Israel setzt seine Offensive im Gazastreifen mit unverminderter Härte fort. In der Nacht zum Dienstag bombardierte das Militär fünf Moscheen, ein Fussballstadion und das Haus eines Hamas-Anführers, wie ein Polizist in Gaza mitteilte. Ein Mitarbeiter des israelischen Verteidigungsministeriums bestätigte Berichte, wonach ein Soldat in Gaza vermisst wird. Sollte sich der Mann lebend in den Händen der Hamas befinden, würde dies das Militär vor eine grosse Herausforderung stellen – Israel verfolgt den Grundsatz, keine Soldaten zurückzulassen.

Bei den Kämpfen in Gaza wurden nach israelischen Angaben zwei weitere Soldaten getötet. Damit stieg die Zahl der Opfer auf israelischer Seite auf 27 Soldaten und zwei Zivilisten. Nach palästinensischen Informationen wurden bei den Kämpfen zwischen Militär und Hamas in zwei Wochen mehr als 570 Palästinenser getötet.

Die radikalislamische Hamas teilte mit, sie habe einen israelischen Soldaten gefangen. Der Bericht wurde von israelischer Seite zunächst dementiert, doch aus Kreisen verlautete, ein Soldat würde vermisst. Medien zufolge war er am Wochenende in einem gepanzerten Fahrzeug unterwegs, das angegriffen wurde. Es lagen zunächst keine Angaben vor, ob der Mann tot oder am Leben ist.

Hohe Preise für Gefangene

Israel hat in der Vergangenheit hohe Preise in Kauf genommen, um gefangene Soldaten zu befreien. 2006 verschleppten Extremisten aus dem Gazastreifen den Soldaten Gilad Schalit. Im Gegenzug für ihn liess Israel nach zähen Verhandlungen Jahre später mehr als tausend gefangene Palästinenser frei.

In Kairo berieten US-Aussenminister John Kerry und sein ägyptischer Kollege Sameh Schukri über einen Ausweg aus der Krise. Schukri sagte, er wolle nicht nur einen Waffenstillstand erreichen, sondern auch eine Wiederaufnahme der Friedensgespräche zwischen Palästinensern und Israelis. Eine Initiative Kerrys war im April gescheitert. Kerry sagte, er hoffe, einen Weg zu finden, auch die unterschwelligen Themen des Konflikts anzusprechen.

Israel: «So lange wie nötig» weiterkämpfen

Kerry war am Montag zu den Gesprächen nach Kairo gereist. Dort sprach er mit UN-Generalsekretär Ban Ki Moon. Die Fronten sind verhärtet: Hamas-Führer Ismail Hanijeh signalisierte, dass die radikalislamische Palästinenserorganisation keine bedingungslose Feuerpause akzeptieren würde. Israels Verteidigungsminister Mosche Jaalon sagte wiederum, sein Land werde «so lange wie nötig» weiterkämpfen.

Kerry verkündete, dass die USA humanitäre Hilfsbemühungen im Gazastreifen mit 47 Millionen Dollar (rund 35 Millionen Euro) unterstützen würden. Das Geld sei für Zehntausende Palästinenser bestimmt, die durch die seit zwei Wochen tobenden Kämpfe in die Flucht getrieben worden seien, hiess es aus dem US-Aussenministerium.

(sda)