02. März 2005 15:28; Akt: 02.03.2005 15:44 Print

Israels Armee als der grosse Umweltsünder

Die von israelischen Soldaten verursachte Umweltverschmutzung gehört zu den drastischsten der westlichen Welt, wie die Streitkräfte jetzt selbst zugeben. Eine Armee-Wochenzeitung veröffentlichte einen Bericht über den bislang weitgehend unbekannten Umweltskandal.

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An einem israelischen Strand werden Bomben und Granaten angespült, Trinkwasser des Sees Genezareth wird durch Dieseltreibstoff verseucht, und vor Militärstützpunkten türmen sich Müllberge.

Illustriert wird der Bericht in der Armee-Zeiutng von einem Foto, das einen riesigen Müllhaufen vor dem Zaun eines militärischen Stützpunkts zeigt - der in einem Naturschutzgebiet liegt. Dies zählt aber noch zu den harmloseren Szenarien. Viel schwerer wiegt etwa die Wasserverseuchung: Die Armee ist der Haupt-Verschmutzer des Sees Genezareth, der wichtigsten Trinkwasserquelle des Landes. «Alter Treibstoff und altes Öl landen in Flussbetten, versickern im Wasser und tauchen in Brunnen und dem See selbst wieder auf», sagte Pinhas Green, Verwaltungschef des Reservoirs, dem Magazin. Ein Liter Diesel könne eine Million Liter Grundwasser verseuchen.

Unhaltbare Zustände herrschen dem Bericht zufolge auch an den Tankstellen der Streitkräfte. Viele der Stationen sind auch nach Jahren noch nicht mit der notwendigen Technik ausgerüstet, um ein Versickern ausgelaufener Schadstoffe in den Boden zu verhindern. Dazu zählt unter anderem der grosse Luftwaffenstützpunkt Hazor im Norden Israels, von dem bereits seit 1983 entsprechende Störfälle gemeldet werden. «Bamahane» sprach von «einem der schwersten Fälle von Verschmutzung, die jemals in der westlichen Welt bekannt wurden».

Selbst Routine-Manöver mit Panzern können der Umwelt langfristige Schäden zufügen. Die Schwerfahrzeuge hinterlassen tiefe Spuren im Boden, die sich oft Jahrzehnte lang halten und in dieser Zeit die natürlichen Wasserläufe beeinflussen, wie das Armee-Magazin berichtete.

Müllberge vor Armee-Stützpunkten

Für die militärischen Müllhalden auf dem Meeresgrund, von denen aus immer wieder Sprengstoff an den Strand gespült werden, fühlt sich indes niemand zuständig. Das Verteidigungsministerium wies jede Verantwortung dafür zurück, arbeitet jedoch nach eigenen Angaben gemeinsam mit dem Umweltressort an einer Lösung.

Daneben beklagte «Bamahane» auch konventionellere Umweltprobleme. So türmen sich vor den Zäunen vieler Armeestützpunkte die Schutthalden. Dazu gehört etwa das Quartier der 401. Division in einem Naturschutzgebiet in der Wüste Judäa nahe des Toten Meers, wo sich in einem trockenen Flussbett der Müll häuft. «Ich habe dort schon alles Mögliche gefunden: Handgranaten, Munition für Maschinengewehre, Panzergranaten, Sprengstoff - alles auf dem Müllhaufen», sagte der Umweltbeauftragte der Streitkräfte, Eli Drori, dem Blatt.

Bei den meisten Soldaten setze aber inzwischen ein Umweltbewusstsein ein, hiess es in «Bamahane». Noch vor wenigen Jahren hätten Umweltschützer als Feindbild gegolten, mittlerweile gebe es in vielen Einheiten Umweltbeauftragte. Jüngere Messungen hätten bereits eine Verbesserung der Belastung ergeben. Bis alle Schäden der Vergangenheit beseitigt seien, werde es aber noch einige Zeit dauern.

(ap)