25. April 2005 08:02; Akt: 25.04.2005 08:03 Print

Israels früherer Präsident Weizman gestorben

Er starb am Sonntagabend im Alter von 81 Jahren in seinem Haus in der Küstenstadt Caesarea, wie israelische Medien unter Berufung auf das Präsidentenamt berichteten.

Fehler gesehen?

Weizmans Gesundheitszustand hatte sich in der letzten Zeit stetig verschlechtert. Im Februar war er wegen einer schweren Lungenentzündung hospitalisiert worden.

Weizman war im Juli 2000 drei Jahre vor Ende seiner Amtszeit im Zuge einer Affäre um eine nicht versteuerte Millionenspende zurückgetreten. Damit kam er einem drohenden Amtsenthebungsverfahren zuvor. Seine Nachfolge trat Mosche Katsav an.

Vom «Falken» zur «Taube»

Weizmans Werdegang war wechselfhaft. Er wurde am 15. Juni 1924 als Sohn osteuropäischer Einwanderer in Tel Aviv geboren. Als 18- Jähriger meldete er sich 1942 freiwillig zur britischen Luftwaffe.

Nach dem Krieg studierte Weizman Flugingenieurswesen in England. Als Pilot war er am ersten israelisch-arabischen Krieg in den Jahren 1948/49 beteiligt.

Im Sechstagekrieg 1967 kommandierte Weizman als Oberbefehlshaber der Luftwaffe die Zerstörung der ägyptischen Luftwaffe. Schliesslich stieg er auf bis zum stellvertretenden Generalstabschef.

Weizmans Ruf als «Falke» führte ihn 1977 als Verteidigungsminister ins Kabinett von Ministerpräsident Menachem von der Likud-Partei. In diesem Amt arbeitete er mit am Separatfrieden mit Ägypten.

Später verliess Weizman die Regierung und lief als «Taube» zur Arbeitspartei über. In der neuen Umgebung legte er mehr Wert auf Überzeugungen als auf Kabinettsdisziplin.

Als 1989 herauskam, dass er sich trotz strengen Verbots heimlich in Genf mit einem PLO-Vertreter getroffen hatte, kostete ihn dies seinen Posten als Wissenschaftsminister. Aus Protest gegen die Verschleppung des Friedensprozesses legte er im April 1992 auch sein Abgeordnetenmandat nieder.

Einsatz für Frieden

Auf Vorschlag der Arbeitspartei, die unter Yitzhak Rabin an die Macht zurückkehrte, wurde Weizman ein Jahr später als Nachfolger von Chaim Herzog zum Präsidenten gewählt. Als erster Mann im Staate begnügte er sich aber nicht damit, Reden zu halten.

Gerade mit dem konservativen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu, der den Friedensprozess mit den Palästinensern auf Eis legte, verband ihn zuletzt eine innige Feindschaft. Wegen seines Werbens für einen dauerhaften Frieden im Nahen Osten wurde Weizman in den letzten Jahren sogar zeiweilig als Anwärter auf den Friedensnobelpreis gehandelt.

Seine Beliebheitsgrad in der Bevölkerung änderte sich allerdings, als die Berichte über die Millionenspende bekannt wurden.

(sda)