Bilal Erdogan

03. Dezember 2015 08:13; Akt: 03.12.2015 08:14 Print

Ist Erdogans Sohn der «Ölminister» des IS?

von Martin Suter/Ann Guenter - Präsidentensohn Bilal Erdogan soll vom «Islamischen Staat» gefördertes Öl verschiffen. Eine Vermutung, die wohl über blosse Spekulation hinausgeht.

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Die Türkei schoss Ende November im türkisch-syrischen Grenzgebiet einen russischen Kampfjet ab. Eine Erklärung für diese riskante Aktion lautete, dass der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan mit dem Abschuss syrische Turkmenen habe schützen wollen, die gegen das Assad-Regime kämpfen und deshalb ins Visier der Russen gerieten.

Doch es gibt eine weitere, um einiges brisantere Erklärung – und diese lässt Erdogan alles andere als gut dastehen. Die Kurzfassung: Erdogan könnte den Abschuss befohlen haben, um die Geschäfte seines dritten Sohnes, Bilal Erdogan, zu schützen. Dieser soll mit der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) Ölgeschäfte machen – und jetzt sein Geschäft gefährdet sehen, weil Putins Luftwaffe Konvois von Tanklastwagen zerstört.

IS-Öl, aber auch Weizen und historische Artefakte

Westlichen Nachrichtendiensten nahestehende Quellen gehen seit geraumer Zeit davon aus, dass die Türkei mit dem IS Geschäfte macht. Von «unwiderlegbaren Verbindungen» war im Juli die Rede. Die wegen des Abschusses ihres Jets ohnehin schäumenden russischen Militärs gehen jetzt noch weiter und beschuldigen «Erdogan und seine Familie» solcher Geschäfte mit dem IS.

Bilal Erdogan hatte sich in den USA ausbilden lassen: Er machte an der Harvard-Universität einen Master-Abschluss und war Praktikant bei der Weltbank, bevor er in die Türkei zurückkehrte, um sich eine Flotte von Öltankern zu kaufen.

Bilal Erdogans Transportfirma MBZ Group sei es, sagte unlängst der syrische Informationsminister Omran Ahed Al Zoubi gegenüber russischen Medien, welche mit dem IS um Millionenbeträge im zweistelligen Bereich handle. Somit sei der 1980 geborene Bilal Erdogan nicht nur einer der wichtigsten Abnehmer für das Rohöl, das der IS aus seinen eroberten Quellen exportiert – er kaufe dem IS auch Weizen und historische Artefakte ab.

IS-Öl «kommt im industriellen Massstab in die Türkei»

Es kommt indes auch nicht von ungefähr, dass der syrische Informationsminister sich gegenüber russischen Medien wie dem halbstaatlichen Newsdienst RT äussert: Russland liess in den vergangenen Tagen nichts unversucht, den Machthaber in Ankara anzuschwärzen. Wladimir Putin sagte am Montag in Paris: «Zusätzliche Informationen bestätigen, dass Öl aus Lagerstätten, die vom IS kontrolliert werden, im industriellen Massstab in die Türkei kommt.» Das russische Flugzeug sei zum Absturz gebracht worden, um die «Sicherheit dieser Ölrouten zu gewährleisten».

Die Anschuldigungen, wonach die türkische Präsidentenfamilie mit dem IS zusammenarbeitet, sind nicht neu: Schon im August hatte etwa der Risk-Consultant F. William Engdahl auf der Site New Eastern Outlook behauptet, die Beziehungen zum IS seien ein «Familien-Business» der Erdogans. Laut dem Autor betreibt Sümeyye Erdogan, eine Tochter des Präsidenten, an der syrischen Grenze ein Feldspital. Darin würden verwundete IS-Kämpfer gesund gepflegt, damit sie aufs Schlachtfeld zurückkehren können. Am stärksten verwickelt sei jedoch Sohn Bilal. «Er soll Verträge mit europäischen Firmen unterzeichnet haben, die gestohlenes irakisches Öl in verschiedene asiatische Länder verschiffen», schreibt Engdahl.

Rücktrittsdrohungen Erdogans und Kurden-Öl

Präsident Erdogan weist die Anschuldigungen von sich. «Wir sind nicht so unehrlich, dass wir von Terroristen Öl kaufen würden. Falls bewiesen wird, dass wir das getan haben, werde ich von meinem Amt zurücktreten», sagte der türkische Präsident am Dienstag.

Erdogan kann es sich leisten, sich mit solchen Rücktrittsdrohungen weit aus dem Fenster zu lehnen: Er und Sohnemann Bilal können relativ sicher abstreiten, wissentlich IS-Öl zu kaufen – denn dieses wird immer auch mit dem Öl aus kurdischen Ölfeldern vermischt.

So verschifft der IS gemäss dem Wirtschaftsblog ZeroHedge einen grossen Teil seines Öls über den türkischen Mittelmeerhafen Ceyhan, von dem eine Pipeline nach Kurdistan führt. Die Kurden im Irak benutzten Ceyhan dazu, an der Zentralregierung in Bagdad vorbei zusätzliches Öl zu exportieren.

Vorläufig steht Behauptung gegen Dementi. Die Vorwürfe der Geschäftemacherei zwischen der Familie Erdogan und der Terrormiliz mögen nicht neu sein. Mit dem Abschuss des russischen Kampfbombers TU-24 haben sie jetzt neuen Auftrieb und mit den Beschuldigungen des russischen Militärs einen quasi offiziellen Anstrich erhalten. Ist wirklich etwas dran, dürften früher oder (wohl eher) später handfeste Beweise folgen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Safu am 02.12.2015 17:01 Report Diesen Beitrag melden

    Seid ihr früh...

    sowas ist schon seit Jahren bekannt. Aber niemand berichtet davon. Erst seit dem Jet Abschuss fängt man langsam an zu plaudern. Ich finde das beschämend.

  • spassa am 02.12.2015 16:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Macht

    Wer an die Macht kommt, verkauft irgenwann seine Seele. Einfach traurig was auf dieser Welt geschieht!!!!

  • Tinu am 02.12.2015 16:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nachdenklich stimmen ...

    Dies dürfte einige Politiker Europas nachdenklich stimmen, wenn sich dies bewahrheiten sollte.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • S. Muggler am 02.12.2015 19:46 Report Diesen Beitrag melden

    Sultan Erdogan

    Bleibt zu hoffen dass Sultan Erdogan auch Wort hält und seinen Rücktritt bekannt gibt. Ob sein Sohn darin verwickelt ist oder nicht ist eigentlich egal. Die Oeltrucks des IS fahren doch schon seit Jahren in die Türkei, genauso wie jeden Tag zig dutzende Religiöse , die gerne für ihren gott und gottesstaat sterben wollen, ohne Probleme von der Türkei nach Syrien reisen können.

  • clclcl am 02.12.2015 18:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nichts Neues

    Wundert mich überhaupt nicht

    • forsythie am 02.12.2015 20:10 Report Diesen Beitrag melden

      Bravo Italia

      Italiens Lega Nord Chef sagte heute in den NEWSDIRETTO, wenn die Türkei in die EU aufgenommen wird, geht Italien aus der EU raus. Recht hat er um das zu tun.

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  • Schläfer am 02.12.2015 17:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wie Putin schon sagte...

    Weiss jeder wohin die IS-Öl-Lkw's aus Syrien fahren, nämlich in die Türkei. Und das weiss man nicht erst seit gestern, sondern schon seit Monaten wenn nicht seit Jahren.

    • Sugus-ch am 02.12.2015 20:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Schläfer

      Das meiste ÖL der IS geht an Assad, und der wird von Putin beschützt.

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  • Marco Gallati am 02.12.2015 17:03 Report Diesen Beitrag melden

    Türkei

    Das war schon lange klar. Bedenklich ist, dass die EU mit einem solchen Staat und einem solchen Typen überhaupt Gespräche über eine Mitgliedschaft führt. Und noch bedenklicher ist, dass die Türkei Nato-Mitglied ist und sich auf den Bündnisfall berufen kann, wenn die Russen sich das nicht bieten lassen.

  • mustafa am 02.12.2015 17:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    krass die westlichen medien

    unglaublich was man da alles vorwirft und ohne beweise redet. er hat auch gesagt dass wenn putin dies beweise dass er den rücktritt gibt und gleich gesagt ob das putin auch macht falls es nicht so ist. so viele lügen. kann ja auch nicht etwas in besitz nehmen ohne es auf papier zu haben.