Vorwahlen in Iowa

02. Februar 2016 15:59; Akt: 03.02.2016 09:18 Print

Ist Trump jetzt weg und was machte Cruz richtig?

von Ann Guenter - Die Marke Trump bröckelt: «The Donald» ist nicht der Beste, Stärkste und Unschlagbarste, sondern Zweiter. Was hat Konkurrent Ted Cruz besser gemacht?

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Auf Platz zwei verwiesen: Donald Trump spricht zu seinen Anhängern in Des Moines, Iowa. (1. Februar 2016) Schlägt Trump: Der erzkonservative Senator Ted Cruz hat die erste Vorwahl der US-Republikaner im Bundesstaat Iowa gewonnen. (1. Februar 2016) Kam nach Auszählung fast aller Bezirke auf rund 28 Prozent der Stimmen: Ted Cruz (l.) mit seiner Frau Heidi nach gewonnener Vorwahl in Des Moines, der Hauptstadt Iowas. (1. Februar 2016) Landet bei den Republikanern auf Platz drei: Marco Rubio. (1. Februar 2016) Bei den Demokraten konnte Hillary Clinton die Vorwahl ganz knapp für sich entscheiden: Clinton jubelt in Des Moines. Jüngere Demokraten unterstützen laut Umfragen eher Bernie Sanders, während ältere Hillary Clinton favorisieren: Clinton und Sanders während einer Fernsehdebatte in Charleston (17. Januar 2016). Clinton und Sanders lieferten sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen, nach Auszählung von 99 Prozent der Stimmen lag Sanders nur 0,4 Prozent hinter Clinton. Das Resultat wurde als Straucheln der bisherigen Favoritin der Demokraten interpretiert: Hillary Clinton mit Gatte und Ex-Präsident Bill Clinton und Tochter Chelsea. Erreichte nur 0,6 Prozent der Stimmen und gibt das Rennen um die Präsidentschaft auf: Der Demokrat Martin O'Malley in Des Moines. Während der Vorwahlen waren auch Trophäenjäger unterwegs: John Hathaway hat auf seinem Hut die Unterschriften aller Präsidentschaftskandidaten gesammelt. Warten auf die Wahlveranstaltung: Annette Satre und ihre Tochter Carie in Nevada. 180'000 Republikaner beteiligten sich an der Vorwahl in Iowa. Freiwillige helfen beim Auszählen der republikanischen Stimmzettel in Carroll. Will trotz seinem zweiten Platz eine Farm in Iowa kaufen: Donald Trump. Nach diesen ersten Vorwahlen steht Trump mit seinem zweiten Platz stark unter Druck. «Sollte er die nächsten Vorwahlen in New Hampshire nicht gewinnen, dann ist er das, was er selbst als Looser bezeichnet und verachtet», so US-Politexperte Josef Braml.

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Eigentlich sollte Donald Trump die Nase vorne haben. So sahen es jedenfalls viele Umfragen voraus. Doch dann fuhr Ted Cruz
den ersten Vorwahlsieg in Iowa ein. Was machte dieser Anti-Establishmentler besser als Trump? Die Antwort ist einfach: Im Gegensatz zu Geschäftsmann Trump weiss Cruz, der einstige Princeton-Debattierclub-Star, Generalstaatsanwalt und Senator, wie der Polithase läuft.

«Im Gegensatz zu Cruz dachte Donald Trump, dass er in Iowa auf den üblichen Wahlkampf verzichten kann», sagt US-Politexperte Josef Braml. «Er hielt es für unnötig, Basiswahlkampf zu machen und Wähler zu mobilisieren. Er dachte, es würde ausreichen, wenn er mit seinem Jet einfliegt, ihn Kindern als Spielplatz anbietet und versichert, ein Siegertyp zu sein. Doch so wurde er in Iowa nur zweiter Sieger – oder zum Loser, um in seiner Sprache zu sprechen.» Nach diesen ersten Vorwahlen steht Trump mit seinem zweiten Platz jetzt stark unter Druck. «Sollte er die nächsten Vorwahlen in einer Woche in New Hampshire wieder nicht gewinnen, dann wäre er wohl aus dem Rennen», so Braml.

Cruz wäre ein Glücksfall für Hillary Clinton

Ted Cruz hingegen war seit langem in ganz Iowa präsent, trat auch mit seinem Vater auf, einem evangelikalen Pastor. Das kommt im religiösen Staat mit seinem grossen Anteil an evangelikalen Christen gut an. «Es ist kein Zufall, dass bereits 2008 mit Mike Huckabee und 2012 mit Rick Santorum christliche Rechte in Iowa gewonnen haben», so Braml. «Beide sind dann aber doch in den Vorwahlen gescheitert – das könnte auch Ted Cruz passieren.»

Gegen Cruz spricht, dass er sehr extrem positioniert, sehr libertär, ja staatsfeindlich ist. «Damit spricht Cruz zwar Tea-Party-Anhänger seiner Partei an, doch das ist nicht der Mainstream der Republikaner», sagt Braml. «Er wäre für die Republikaner in den Hauptwahlen, die eher in der Mitte entschieden werden, eine Bürde.» Anders gesagt: Die in Iowa leicht vor ihrem Konkurrenten Bernie Sanders liegende Hillary Clinton würde sich einen republikanischen Kandidaten wie Cruz nur wünschen.

Am auffälligsten ist der unauffälligste Republikaner

Für USA-Experte Braml waren bei den Iowa-Vorwahlen ohnehin weder Trump noch Cruz am auffälligsten – sondern Marco Rubio. «Rubios Achtungserfolg lässt die Parteistrategen der Republikaner wieder hoffen, dass Cruz und Trump doch noch verhindert werden können. Rubio hat als eher liberal aufgestellter Kandidat in einem sehr konservativen Staat sehr gut abgeschnitten. Das ist bemerkenswert.» Die Gründe dafür sieht Braml ähnlich gelagert wie bei Cruz: harte Basisarbeit, Charisma und Überzeugungskraft, die bei den Leuten ankommt. So könnte Rubio als lachender Dritter hervorgehen, je mehr sich Trump und Cruz in die Haare geraten. Zudem weisen die Resultate aus Iowa bereits darauf hin, dass Rubio in den weniger konservativen Einzelstaaten, etwa in New Hampshire, erst recht zulegen wird.

Doch auch Cruz kann sich noch weiter profilieren, gerade im Mittleren Westen und im Süden, beides Hochburgen der Evangelikalen. «Wir dürfen nicht vergessen, dass der so genannte Bible Belt einst George W. Bush den Weg ins Weisse Haus ebnete. Die Evangelikalen sind hier sehr stark vertreten, und Cruz kann sie mobilisieren», sagt Braml. «Seien Sie also nicht überrascht, wenn am 1. März Cruz am Super Tuesday, bei dem viele konservative Staaten zum Wählen aufgerufen sind, erneut punkten wird.» Eine Garantie, die Vorwahlen oder gar die US-Präsidentschaftswahlen zu gewinnen, wäre das noch längst nicht.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • X. Berdli am 02.02.2016 16:38 Report Diesen Beitrag melden

    Aber sicher Herr "Experte"

    "aus dem Rennen wenn er die zweiten Vorwahlen auch nicht gewinnt" - so ein Käse. Also wenn Cruz nächste Woche auch gewinnt ist die Sache eigentlich schon gelaufen oder was? Was für ein Experte soll das bitte sein? Man beachte: Cruz hat jetzt genau einen Delegierten mehr als Trump - selbst wenn er in einer Woche vier oder fünf Delegierte mehr hat (unwahrscheinlich, da New Hampshire nicht so fundi-christlich ist wie Iowa, und das ist Cruz' Kerntruppe) hat er noch Monate Zeit um aufzuholen - und Geld für Werbung und um seinen Wahlkampf noch zu verbessern hat er ja mehr als genug.

  • Mike am 02.02.2016 17:39 Report Diesen Beitrag melden

    Noch nicht reif genug

    In einer Kultur in der man Konfrontationen aus dem Weg geht und die Sache nicht beim Namen nennen darf ist Trump definitiv der falsche Mann. Er hätte zu vielen ihre Weltanschauung durcheinandergebracht.

  • Doppelbürger am 03.02.2016 17:03 Report Diesen Beitrag melden

    Bernie for President

    Laut einer grossen Wettseite sind die Nominationschancen von Trump nach Iowa von 52% auf 25% gesunken. Zeitgleich katapultierte sich Rubio von 32% auf 54%. Cruz kam von 10% auf 15%. Wenn die Zocker recht behalten - und das tun sie meistens - dan wird Rubio der GOP Kandidat. Und das ist gut so. Auch wenn Trump die Wahl selber nie gewinnen könnte, ist schon allein dass er in die Wahl kommt zu viel des Guten. Das Rennen wird hoffentlich der ehrliche Bernie machen, er hat über 80% der unter 45-jährigen hinter sich und wenn diese wählen gehen, dann schafft er das.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Doppelbürger am 03.02.2016 17:03 Report Diesen Beitrag melden

    Bernie for President

    Laut einer grossen Wettseite sind die Nominationschancen von Trump nach Iowa von 52% auf 25% gesunken. Zeitgleich katapultierte sich Rubio von 32% auf 54%. Cruz kam von 10% auf 15%. Wenn die Zocker recht behalten - und das tun sie meistens - dan wird Rubio der GOP Kandidat. Und das ist gut so. Auch wenn Trump die Wahl selber nie gewinnen könnte, ist schon allein dass er in die Wahl kommt zu viel des Guten. Das Rennen wird hoffentlich der ehrliche Bernie machen, er hat über 80% der unter 45-jährigen hinter sich und wenn diese wählen gehen, dann schafft er das.

  • Mike am 02.02.2016 17:39 Report Diesen Beitrag melden

    Noch nicht reif genug

    In einer Kultur in der man Konfrontationen aus dem Weg geht und die Sache nicht beim Namen nennen darf ist Trump definitiv der falsche Mann. Er hätte zu vielen ihre Weltanschauung durcheinandergebracht.

  • X. Berdli am 02.02.2016 16:38 Report Diesen Beitrag melden

    Aber sicher Herr "Experte"

    "aus dem Rennen wenn er die zweiten Vorwahlen auch nicht gewinnt" - so ein Käse. Also wenn Cruz nächste Woche auch gewinnt ist die Sache eigentlich schon gelaufen oder was? Was für ein Experte soll das bitte sein? Man beachte: Cruz hat jetzt genau einen Delegierten mehr als Trump - selbst wenn er in einer Woche vier oder fünf Delegierte mehr hat (unwahrscheinlich, da New Hampshire nicht so fundi-christlich ist wie Iowa, und das ist Cruz' Kerntruppe) hat er noch Monate Zeit um aufzuholen - und Geld für Werbung und um seinen Wahlkampf noch zu verbessern hat er ja mehr als genug.

  • Tschüss Obama am 02.02.2016 16:18 Report Diesen Beitrag melden

    Trump for President

    Auch Trump kann noch dazulernen und sich steigern. Ich drücke ihm die Daumen.

    • Beat Sutter am 02.02.2016 17:15 Report Diesen Beitrag melden

      Tschüss Obama

      Der US Wahlkampf ist keine Anlehre für angehendePräsidenten. Dies sollte ein Kandidat schon mitbringen, wenn er als wählbar gelten soll. Trump hat nichts zu lernen, denn seine Masche ist das populistische Poltern eines Kandidaten, der sich das rüpelhafte "Starker Mann" Image zugelegt hat. Nun, wo statt kernige Sprüche auch politische Kompetenz gefragt ist, trennt sich die Spreu vom Weizen. Trump ist Geschichte, der spielt jetzt schon keine Rolle mehr. Die Staaten im Bibelgürtel werden Cruz wählen, die Staaten mit hohem Latinoanteil wählen Rubio. Dies sind die 2 republikanischen Kandidaten.

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  • BernieForPresident am 02.02.2016 16:17 Report Diesen Beitrag melden

    Go Bernie

    Hoffentlich gewinnt Bernie Sanders! Die anderen sind quasi unwählbar.

    • David Stoop am 02.02.2016 16:35 Report Diesen Beitrag melden

      Trumpscher Stil

      Demokratie funktioniert nicht so, dass man einfach alle, die nicht die eigene Meinung haben, als unwählbar deklariert. Das ist ganz schlechter (sogar trumpscher) Stil.

    • Samson am 02.02.2016 16:43 Report Diesen Beitrag melden

      dito

      Darum "quasi unwählbar"? Ich bin aber der selben Meinung, Bernie For President!

    • NOBama am 02.02.2016 16:54 Report Diesen Beitrag melden

      @Bernie

      Bernie ist viel zu weit links um gewählt zu werden.

    • Establishment am 02.02.2016 17:17 Report Diesen Beitrag melden

      Böser Bernie

      @nobama Deshalb wählen Sie auch Hillary Establishment Empire Clinton. Die Clintons müssen ein für alle mal aus dem weissen Haus rausgeschmissen werden. Bernie4president

    • Markus R. am 02.02.2016 23:18 Report Diesen Beitrag melden

      Go Bernie

      Bernie ist viel zu links, als er von allen Demokraten gewählt würde. Da hoffe ich eher auf Hillary Clinton, damit sie auf dem Weg von Obama weitergeht.

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