Lampedusa

30. März 2011 18:39; Akt: 30.03.2011 18:40 Print

Italien bringt Flüchtlinge aufs Festland

Für 2000 Immigranten fehlt auf Lampedusa das Essen. Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi hat die Insel besucht und versprochen, die 6000 Flüchtlinge aufs Festland zu bringen.

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Sechs Schiffe sollen die Immigranten von Lampedusa wegbringen. (Bild: Keystone/AP)

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Spätestens bis Samstag sollen alle 6000 Flüchtlinge die winzige süditalienische Insel Lampedusa verlassen haben. Dies versprach der italienische Regierungschef Silvio Berlusconi am Mittwoch den besorgten Bürgern auf der Auffanginsel Lampedusa.

Berlusconi war aus Rom angereist, um sich ein Bild von der dramatischen Lage vor Ort zu machen. Die Zahl der tunesischen Flüchtlinge übersteigt seit Tagen die der Einwohner.

Zu wenig Essen in Lampedusa

Für rund 2000 Immigranten fehlt das Essen; unzählige Menschen müssen die Nächte im Freien verbringen. Nach wochenlangem Notstand sind die Insulaner auf den Barrikaden in Angst vor Gesundheitsgefahren und in Sorge um ihre Haupteinkommensquelle neben der Fischerei, den Tourismus.

«Lampedusa wird wieder zum Paradies werden», erklärte Berlusconi und versprach Steuervergünstigungen und einen «Piano Verde» zur Begrünung des felsigen Eilands. Ausserdem werde er die Insel für den Friedensnobelpreis vorschlagen.

Er habe sich auch selbst schon ein Haus gekauft, erklärte der mediengewandte Premier ganz in der Rolle des Landesvaters. «Das Problem auf der Insel wird am Mittwoch gelöst», hatte Innenminister Roberto Maroni schon am Dienstag angekündigt.

Rückführung der Flüchtlinge

Sechs grosse Schiffe sollten bis Mittwochabend auf Lampedusa eingetroffen sein, um die meisten der 6000 Immigranten von dort aufzunehmen. Die Flüchtlinge werden wahrscheinlich einige Tage auf den Schiffen verbringen, bis die Aufnahmelager auf Sizilien sowie in der Toskana und anderen Regionen bereit sind.

«Die Last des Immigrationsnotstands muss auf alle Regionen verteilt werden», sagte Berlusconi. Über das weitere Vorgehen seiner Regierung soll am Donnerstag das Kabinett in Rom entscheiden.

Berlusconis Regierung verhandelt nach einem Bericht des «Corriere della Sera» zudem mit der neuen tunesischen Führung, um bis zum Wochenende bis zu 1000 Tunesier in die Heimat zurückzubringen. Eines der Schiffe könnte also direkt Kurs auf Tunesien nehmen.

Italien hatte betont, bei den Immigranten aus Tunesien handle es sich nicht um politische Flüchtlinge. Auch die EU-Kommission befürwortet die Rückführung tunesischer Flüchtlinge in ihre Heimat.

EU-Kommissare in Tunesien

«Während die EU den Schutzbedürftigen internationalen Schutz anbietet, müssen wir auch sicherstellen, dass diejenigen, die keinen solchen Schutz benötigen und kein Aufenthaltsrecht in der EU haben, zurückgeführt werden», erklärten die zuständigen EU-Kommissare Cecilia Malmström und Stefan Füle.

EU-Innenkommissarin Malmström und Füle, Kommissar für EU- Nachbarschaftspolitik, halten sich bis Donnerstag in Tunesien auf. Die EU werde dem Land weiter bei der Betreuung der Flüchtlinge aus Libyen helfen, sagte Malmström vor der Abreise.

Tunis sicherte seinerseits bereits zu, an den Küsten die Kontrollen zu verstärken, um den Flüchtlingsstrom nach Europa zu bremsen. Seit dem Sturz des tunesischen Präsidenten Zine Al-Abidine Ben Ali am 14. Januar kamen rund 18'000 Migranten aus Tunesien auf dem rund 20 Quadratmeter grossen Lampedusa an, das etwa 4500 Einwohner zählt.

(sda)