Trauer um Chiracs Tod

26. September 2019 11:58; Akt: 26.09.2019 14:14 Print

«Ein Teil meines Lebens ist heute verschwunden»

Der frühere französische Präsident Jacques Chirac ist im Alter von 86 Jahren in Paris verstorben. In Frankreich herrscht tiefe Trauer.

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Der frühere französische Präsident Jacques Chirac ist tot. Er starb am Donnerstag im Alter von 86 Jahren, wie sein Schwiegersohn Frédéric Salat-Baroux der Nachrichtenagentur AFP sagte. Chirac sei am Morgen im Kreis seiner Angehörigen gestorben. In der französischen Nationalversammlung, dem Unterhaus des Parlaments, kündigte Präsident Richard Ferrand den Tod Chiracs an. Danach gab es eine Schweigeminute.

Der konservative Politiker litt seit längerer Zeit unter schweren Gedächtnisproblemen und trat kaum noch in der Öffentlichkeit auf. Noch während seiner Amtszeit hatte er 2005 einen Schlaganfall.

Persönlichkeiten aus allen politischen Richtungen trauern um Chirac

«Ein Teil meines Lebens ist heute verschwunden», sagte der frühere französische Präsident Nicolas Sarkozy, als er vom Tod seines Vorgängers erfuhr. Chirac habe «ein Frankreich verkörpert, das seinen universellen Werten und seiner historischen Rolle treu» gewesen sei, fügte Sarkozy hinzu.

Ex-Präsident François Hollande nannte den Verstorbenen «einen Kämpfer» und lobte «seine persönliche Verbindung zu den Franzosen.»

Die Chefin der rechtskonservativen Partei Rassemblement National, Marine Le Pen, erinnerte heute daran, wie Chirac zu seiner Zeit als Präsident im 2003 den Mut hatte, «dem Wahnsinn des Irak-Krieges entgegenzutreten».

Die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo sagte einfach: «Paris trauert». Chirac war von 1977 bis 1995 Bürgermeister von Paris gewesen.

Harter Machtpolitiker

Im Laufe seine langen politischen Karriere war Chirac mehrfach Minister, zweimal Premierminister und zwölf Jahre lang, von 1995 bis 2007, Präsident Frankreichs. Er prägte wie kaum ein anderer Politiker über Jahrzehnte das Bild Frankreichs und war bei seinen Landsleuten wegen seiner Volksnähe populär.

Chirac war für seine Leutseligkeit bekannt, galt zugleich aber als harter Machtpolitiker. International blieb er mit seinem Protest gegen den amerikanischen Irakkrieg in Erinnerung: An der Seite des deutschen Kanzlers Gerhard Schröder stemmte er sich gegen die Angriffspläne von US-Präsident George W. Bush.

Als erster französischer Staatschef erkannte Chirac die Mitschuld seines Landes an der Verfolgung der Juden während der deutschen Besatzungszeit an.

Front-National-Chef Jean-Marie Le Pen bescherte ihm 2002 eine Wiederwahl mit 82 Prozent der Stimmen - weil der Rechtsextreme zum Schock vieler Franzosen in die Stichwahl um das Präsidentenamt einzog, stimmten auch Linke zähneknirschend für Chirac. Zu den Tiefpunkten seiner Karriere gehörte das Nein der Franzosen im Referendum über die geplante EU-Verfassung 2005.

Wegen Veruntreuung verurteilt

Der 1932 in Paris geborene Chirac absolvierte die Elite-Hochschule ENA und kämpfte im Algerien-Krieg. Seine innenpolitische Karriere begann er an der Seite des früheren Staatspräsidenten Georges Pompidou. Später wurde er zweimal Premierminister, zudem lenkte er als Bürgermeister von Paris 18 Jahre lang die Geschicke der Hauptstadt.

Diese Zeit holte ihn nach seinen Jahren im Élyséepalast ein: Als erster französischer Ex-Präsident nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er strafrechtlich verurteilt, zu zwei Jahren Haft auf Bewährung wegen Veruntreuung und Unterschlagung öffentlicher Gelder. Vom Rathaus bezahlte Mitarbeiter hatten in Wahrheit für Chiracs Partei gearbeitet.

(sda)