Zwangsarbeit in England

12. September 2011 14:34; Akt: 12.09.2011 15:45 Print

Jahrelang als Sklaven missbraucht

1807 wurde die Sklaverei in Grossbritannien abgeschafft. Wirklich? Die britische Polizei hat in Leighton Buzzard 24 Männer, die unter schlimmsten Bedingungen gehalten wurden, befreit.

Video: News-Bericht über Sklavenbefreiung in Leighton Buzzard vom 11.9.2011 (YouTube)
Zum Thema
Fehler gesehen?

Die britische Polizei hat 24 Männer befreit, die auf einem Wohnwagenstellplatz nördlich von London teilweise jahrelang wie Sklaven gehalten und zur Arbeit gezwungen worden sind. Bei den Befreiten handelte es sich um Obdachlose und Alkoholiker aus England und Osteuropa.

Sie seien von angeblichen Arbeitsvermittlern angeheuert worden, sagte Kriminalkommissar Sean O'Neil dem Rundfunksender BBC. Ihnen sei ein Verdienst von 80 Pfund (112 Franken) am Tag sowie freie Kost und Logis versprochen worden.

Stattdessen seien die Männer nach ihrer Ankunft in dem Wohnwagenlager rasiert, wie Sklaven gehalten und zu unbezahlter Arbeit gezwungen worden. Sie hätten teilweise unter unbeschreiblichen Bedingungen in Pferdeboxen, Hundezwingern und alten Wohnwagen hausen müssen, kein Geld und nur «sehr, sehr kleine Essensrationen» bekommen, sagte o'Neil.

Die Opfer hätten unter «erschreckend schmutzigen und dichtgedrängten Bedingungen» leben müssen und seien bei ihrer Befreiung in schlechtem Gesundheitszustand gewesen, schilderte O'Neil. Einige seien mit Exkrementen bedeckt gewesen und hätten völlig verdreckte Kleidung getragen, «weil das alles war, was man ihnen erlaubt hat».

Mit Schlägen gedroht

Einer der befreiten Männer war den Ermittlungen zufolge 15 Jahre gegen seinen Willen auf dem Stellplatz festgehalten worden. Bei der Razzia in Leighton Buzzard in der Grafschaft Bedfordshire nahmen mehr als 200 Polizisten am Sonntag vier Männer und eine Frau unter dem Verdacht der Sklaverei fest.

Die mutmasslichen Sklavenhalter hätten ihren Opfern damit gedroht, sie zusammenzuschlagen, falls sie versuchten zu fliehen, sagte der Polizist weiter. Mehrere Männer, denen trotzdem die Flucht gelungen sei, hätten schliesslich die Polizei alarmiert.

Die befreiten Männer wurden in eine Klinik gebracht. Sie sollen zunächst ärztlich behandelt, gewaschen und neu eingekleidet werden, bevor sie vernommen werden. Dies könne längere Zeit dauern, weil die Opfer durch ihr teilweise jahrelanges Leben in der Sklaverei völlig den Kontakt zur normalen Welt verloren hätten, sagte O'Neil.


(YouTube)

(sda)