21. April 2008 14:02; Akt: 21.04.2008 14:19 Print

Japan und Südkorea wollen belastete Vergangenheit überwinden

Japan und Südkorea wollen ihre Beziehungen vertiefen. Die beiden Staaten wollten sich zwar der Vergangenheit stellen, aber zugleich «der Zukunft zuwenden».

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Das erklärte der südkoreanische Präsident Lee Myng Bak.

Bei einem Treffen mit dem japanischen Ministerpräsident Yasuo Fukuda am Montag in Tokio wurden bilateral sensible Themen - insbesondere die japanische Besetzung Koreas im Zweiten Weltkrieg - ausgeklammert.

Lee und Fukuda vereinbarten eine engere Zusammenarbeit insbesondere in der Nordkorea-Frage, auf wirtschaftlichem Gebiet und beim Klimaschutz. So sollen ab Juni Arbeitsgespräche zur Wiederaufnahme der 2004 zum Stillstand gekommenen Verhandlungen für eine bilaterale Wirtschaftspartnerschaft (EPA) geführt werden.

Schon bei ihrem ersten Treffen zur Amtseinführung Lees im Februar hatten sich beide Politiker auf die Wiederaufnahme der seit 2005 ausgesetzten «Pendel-Diplomatie» geeinigt, die gegenseitige Besuche zwischen dem japanischen Regierungschef und dem südkoreanischen Staatschef vorsieht.

Streit um Schrein-Besuche

Lees Besuch sei ein «sehr guter Start», sagte Fukuda. Die Beziehungen waren durch Besuche des früheren japanischen Ministerpräsidenten Junichiro Koizumi am umstrittenen Yasukuni-Schrein in Tokio für Japans Kriegstote belastet worden. Darin werden auch verurteilte Kriegsverbrecher geehrt.

Das Verhältnis hatte sich dann unter Koizumis Nachfolger Shinzo Abe, der nur ein Jahr im Amt war, wieder verbessert. Fukuda und Lee gingen während ihres 80-minütigen Gesprächs auf sensible Themen wie Yasukuni oder den jahrzehntelangen Streit um eine Inselgruppe nicht ein, wie japanische Medien festhielten.

Zwei Konservative

Auf einer anschliessenden gemeinsamen Medienkonferenz auf die Vergangenheitsfrage angesprochen, sprach sich Lee für zukunftsorientierte Beziehungen aus. Lee und Fukuda gelten beide als moderate konservative Politiker.

Beide verständigten sich ausserdem darauf, den Jugendaustausch zu verstärken. Führende Wirtschaftsvertreter Südkoreas und Japans sprachen sich am Rande ausserdem für eine verstärkte Kooperation bei Handel, Investitionen und Umweltschutz aus.

Verhandlungen über eine wirtschaftliche Partnerschaft (EPA) waren 2004 ausgesetzt worden, nachdem Tokio die Forderung Seouls nach einer weiteren Öffnung des japanischen Agrarmarkts zurückgewiesen hatte. Eine EPA-Vereinbarung geht noch über ein Freihandelsabkommen hinaus.

(sda)