Hinweise auf Mord

30. Oktober 2019 18:50; Akt: 30.10.2019 18:50 Print

Wurde Jeffrey Epstein doch getötet?

Im August wurde der wegen Missbrauchsvorwürfen inhaftierte Multimilliardär tot in seiner Gefängniszelle gefunden. Ein Gerichtsmediziner bestärkt nun Zweifel am Suizid.

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Sarah Ransome erzählte vor einem Gericht in Manhatten von ihrer Gefangenschaft auf Epsteins Privatinsel Little Saint James. Sie hatte nach eigenen Angaben versucht, durch das Gewässer, in dem sich auch Haie befinden, zu entkommen. Weit kam sie aber nicht. Epstein habe auf der ganzen Insel Kameras installiert gehabt. Ein Team sei ausgesandt worden, um die Geflüchtete wieder zurückzubringen. Der US-Milliardär Jeffrey Epstein soll Dutzende Minderjährige sexuell missbraucht und zur Prostitution gezwungen haben. Er sass in New York im Gefängnis. In der Nacht auf Samstag, den 10. August 2019, wurde der Unternehmer tot in seiner Zelle aufgefunden. Nachdem der Justizminister sehr bald von einem Suizid gesprochen hatte, liess ein Autopsiebericht Zweifel an dieser Version aufkommen. Gebrochene Knochen im Halsbereich deuten auch auf die Möglichkeit des Erwürgens hin. Diese Befunde heizten Spekulationen über den Tod Epsteins an. Epstein wolle ihr selbst nach seinem Tod Leid zufügen, sagte Jennifer Araoz (Mitte) vor Gericht. Dass sie dem Sexualverbrecher nicht vor Gericht entgegentreten könne, «zerfrisst meine Seele». (27. August 2019) Bereits zwei Wochen vor seinem Tod wurde Epstein in seiner Gefängniszelle in New York verletzt vorgefunden. Gemäss US-Medien entdeckten Wächter Epstein fast bewusstlos mit Blutergüssen am Nacken. Kurz vor seinem Tod soll er einen ersten Suizidversuch unternommen haben und daraufhin unter «Selbstmordwache» gestellt und in einen anderen Trakt verlegt worden sein. Trotzdem stand Epstein zum Zeitpunkt seines Todes nicht unter besonderer Beobachtung. Dies, weil das Sondersetting kurz zuvor aufgehoben worden war. US-Justizminister William Barr sprach von «schweren Unregelmässigkeiten» in der Haftanstalt. Michelle Licata (rechts) und Courtney Wild sind zwei seiner Opfer. Epstein soll die beiden sexuell missbraucht haben, als sie noch minderjährig waren. Einige der Mädchen sollen bei den Übergriffen erst 14 Jahre alt und «höchst anfällig für Ausbeutung» gewesen sein: Opfer-Anwalt David Boies spricht vor den Medien. Die Übergriffe fanden zwischen 2002 und 2005 in Epsteins Immobilien in New York (im Bild), Palm Beach und an anderen Orten statt. Bei der Durchsuchung eines Tresors in Epsteins Anwesen in Manhattan wurden mehrere Datenträger mit Nacktfotos von augenscheinlich minderjährigen Mädchen beschlagnahmt. Epstein war am 6. Juli 2019 mit seinem Privatjet aus Frankreich kommend nach der Landung in New Jersey festgenommen worden. Es ist nicht das erste Verfahren gegen Epstein. Eine Staatsanwaltschaft in Florida war 2008 einen umstrittenen Deal eingegangen. Epstein bekannte sich schuldig, Klienten mit minderjährigen Prostituierten versorgt zu haben, und sass eine Gefängnisstrafe von 13 Monaten ab. (27. Juli 2006) Im Gegenzug wurde ihm ein Verfahren vor einem Bundesgericht erspart. Mehrere Frauen hatten ihm Missbrauch vorgeworfen. (Archivbild) Epstein zählte früher unter anderem den heutigen US-Präsidenten Donald Trump, Ex-Präsident Bill Clinton und Prinz Andrew zu seinen Freunden. Vor dem Gerichtsgebäude in New York protestierten am 8. Juli 2019 zahlreiche Frauen gegen Jeffrey Epstein.

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Der Tod des Wallstreet-Managers Jeffrey Epstein warf viele Fragen auf. Er soll sich in seiner Zelle erhängt haben. Im Gefängnis sass der Multimilliardär, weil er einen Sexsklavinnenring mit minderjährigen Mädchen betrieben haben soll. Auf einer Insel in der Karibik sollen sich auch mächtige Männer zu Sexpartys getroffen haben.

Doch Epsteins Tod rief kurz nach Bekanntwerden Zweifel auf. So kam die Frage auf, ob es sich wirklich um einen Suizid handelte und weshalb Epstein nicht überwacht worden war. Bereits im Juli soll er versucht haben, sich umzubringen. Der Autopsiebericht bestätigte Berichten zufolge, dass es sich bei Epsteins Tod um Suizid handelte. Ganz überzeugt waren Kritiker jedoch nicht. Ihre Zweifel werden nun bestärkt.

Ungewöhnliche Verletzungen gefunden

Michael Baden ist ehemaliger Gerichtsmediziner von New York City und hat schon an Fällen wie jenen von O. J. Simpson oder John F. Kennedy mitgearbeitet. Er wurde von Epsteins Bruder angeheuert und war bei der Autopsie dabei, wie «Fox & Friends» berichtet. Baden zufolge weisen die gefundenen Male eher auf Mord durch Strangulation hin statt auf Suizid. «Am ersten Tag der Autopsie wurden Hinweise gefunden, die für suizidales Erhängen untypisch sind und eher zu Mord durch Strangulation passen.»

Damit meint er zwei Verletzungen links und rechts des Kehlkopfes sowie eine Verletzung links am Zungenbein, die schon zuvor für Spekulationen gesorgt hatte. «In 50 Jahren habe ich noch nie gesehen, dass so etwas bei einem Fall von suizidalem Erhängen passiert ist», sagt nun auch Baden. Auch Blutungen in Epsteins Augen würden eher für einen Mord sprechen, auch wenn sie bei Suizid nicht ausgeschlossen, dafür aber selten sind.

Wollte jemand Informationen verheimlichen?

Baden glaubt, dass der zuständigen Gerichtsmedizinerin möglicherweise ein Fehler unterlaufen ist. Der Tod Epsteins müsse deshalb genauer untersucht werden.

Die Ermittlungen laufen jedoch noch. Epstein starb durch ein Leintuch, das um seinen Hals gewickelt war. «Wäre er ermordet worden, würden sich auf dem Tuch überall DNA-Spuren des Täters finden lassen», erklärt Baden. Die Testresultate seien noch ausstehend.

Gemäss Baden waren die beiden Gefängniswärter, die Epstein alle 30 Minuten hätten kontrollieren sollen, eingeschlafen. Zudem seien die Überwachungskameras beschädigt gewesen. Sollte es sich um Mord handeln, habe womöglich jemand versucht, zu verhindern, dass Informationen ans Tageslicht kämen. «Epsteins Bruder macht sich Sorgen, dass andere Informanten in Gefahr sein könnten, wenn Epstein tatsächlich ermordet wurde», sagt der Gerichtsmediziner im Interview.

(vro)