«New York Times» enthüllt

22. Juli 2014 07:31; Akt: 09.09.2014 11:39 Print

Jetzt gibt es eindeutige Beweise für den Abschuss

Mit dem mutmasslichen Abschuss der MH17 in der Ostukraine hat die Stunde der Militäranalysten geschlagen. Diese werteten Fotos von Wrackteilen aus – und kommen zu gleichen Schlüssen.

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Die «New York Times» legte einem Experten des britischen Verteidigungs-Fachverlags «IHS Jane's» zwei Fotos vor, die Reporter der «Times» an der Absturzstelle aufgenommen hatten. Experte Reed Foster erkannte darauf ebenfalls klar Schrapnell-Spuren. Anhand der Fotos sei es zwar unmöglich zu erkennen, was für ein Raketentypus das Flugzeug getroffen habe. Die Schrapnell-Spuren an den Wrackteilen seien indes ein Hinweis darauf, dass das Flugzeug durch eine Rakete mit Überschallgeschwindigkeit zerstört wurde.

Die «New York Times» geht ausführlich auf Fosters Analyse ein: Die Kontur des Aluminiums und die Blasenbildung der Farbe rund um viele Löcher weise darauf hin, dass kleine Schrapnell-Teile das Flugzeug von aussen trafen. Für die Löcher gebe es nur zwei Erklärungen: ein explodierendes Triebwerk oder aber eine explodierende Rakete.

Nach dem Schrotflinten-Prinzip

«Viele der kleineren Löcher schienen durch Projektile mit Hochgeschwindigkeit verursacht worden zu sein.» Dabei sei etwa eine SA-11-Rakete so konstruiert worden, dass sie schnell fliegende Militärflugzeuge in grosser Höhe treffen könne. Der Clou dabei: Statt dass die Rakete das Flugzeug direkt trifft, explodiert der Sprengkörper nahe des Flugzeugs und verursacht eine «Wolke von Schrapnellen». Damit erhöht sich, wie bei einer Schrotflinte, die Trefferquote.

Foster untersuchte auch die Form der Löcher. Demnach haben alle dieselbe Grösse, was ebenfalls für einen Raketenbeschuss und nicht für eine Triebwerksexplosion spreche.

Rakete vorne auf der linke Seite der Maschine explodiert

Auch die Financial Times zog einen Experten heran: Justin Bronk, Analyst beim Royal United Services Institute in London. Er bezieht sich auf das Foto eines Wrackteils, das der «erste harte Beweis» dafür sein soll, dass die Maschine von einer Boden-Luft-Rakete abgeschossen wurde.

Auf dem Bild ist ein Teil des Rumpfs der abgestürzten Boeing 777 zu sehen. In der Mitte ist ein klaffendes Loch erkennbar, umgeben von kleineren Löchern und Brandflecken. «Die Grösse der Schrapnell-Löcher stimmt mit dem überein, was man von einem SA-11-Treffer erwarten könnte. Jedoch ist es schwierig, das Gesamt-Strahlmuster anhand eines so kleinen Rumpf-Fragments zu beurteilen», so Bronk. Das grosse Loch in der Mitte des Bruchteils sei wahrscheinlich von innen nach aussen gedrückt worden, als das Flugzeug in einer Höhe von rund 9000 Metern vergangenen Donnerstagnachmittag getroffen wurde und einen rapiden Druckabfall hatte.

Das Wrackteil auf dem Foto stammt laut Bronk von der Backbordseite des Boeing-777-Cockpits. Der ehemalige Offizier geht deshalb davon aus, dass die Rakete vorne auf der linken Seite des Flugzeugs in der Luft explodierte.

Jetzt sind chemische Tests nötig

Foster und andere britische Militärexperten wie etwa Douglas Barrie vom International Institute for Strategic Studies sind sich nach Analysen der Bilder einig – und geben dabei einem Bewohner aus dem Absturzgebiet recht, der beim Militär gedient hatte und aussagte: Das Schadensbild entspreche jenem eines Angriffs mit einer SA-11 Rakete, abgeschossen von einem Buk-M1-SAM-Geschütz.

Alle Experten sind sich ausserdem einig, dass weitere Untersuchungen notwendig sind. Etwa chemische Tests, mit denen Sprengstoff-Rückstände nachgewiesen könnten.

(gux)