Gingrich vs Romney

20. Dezember 2011 23:54; Akt: 21.12.2011 10:29 Print

Jetzt wird auf den Mann gespielt

Die Vorwahlen der Republikaner werden ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Der bisherige Favorit Newt Gingrich büsst an Popularität ein und Mitbewerber Mitt Romney lanciert millionenschwere Kampagnen gegen ihn.

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: Der frühere Sprecher des Repräsentantenhauses hat bislang eine Achterbahnfahrt erlebt. Mit dem Sieg bei der Vorwahl in South Carolina war er zuletzt ganz oben. Unklar ist, wie lange dies so bleibt, denn Gingrich schleppt viel Ballast mit sich herum. : Der Ex-Gouverneur von Massachusetts und Multimillionär gilt als mehrheitsfähig. Doch viele Konservative tun sich schwer mit dem Mormonen, sie halten ihn für zu glatt und abgehoben. Nach gutem Start in die Vorwahlen ist er zuletzt in Rücklage geraten. Der 53-jährige Italoamerikaner sass zwölf Jahre für den Bundesstaat Pennsylvania im Senat, ehe er 2006 abgewählt wurde. Er politisiert am rechten Rand der Partei. Lange war er ein krasser Aussenseiter, doch in Iowa gewann er knapp gegen Romney. : Der Texaner hat mit seinen libertären, staatskritischen Ansichten eine grosse Fangemeinde erobert. Diese hat ihm bei den bisherigen Vorwahlen zu teilweise guten Resultaten verworfen. Eine Chance auf die Nomination hat er trotzdem nicht. Der Gouverneur von Texas stieg im August ins Rennen ein und erreichte in den Umfragen sofort Spitzenwerte. Doch nach einigen Patzern stürzte er immer tiefer ab. Nach schwachen Ergebnissen in Iowa und New Hampshire stieg er aus dem Rennen aus. : Er war Gouverneur von Utah, US-Botschafter in China und ist bekennender Mormone, wie Mitt Romney. Huntsman wollte sich als moderate Alternative zu diesem anbieten, doch wirklich durchsetzen konnte er sich nie. Am 16. Januar warf er das Handtuch. Die Kongressabgeordnete aus Minnesota hat fünf eigene und 23 Pflegekinder. Sie ist eine Favoritin der Tea-Party-Bewegung und berüchtigt für ihr loses Mundwerk. Nachdem sie bei der Vorwahl in ihrem Geburtsstaat Iowa nur den letzten Platz belegte, gab sie ihre Bemühungen auf. Der ehemalige Chef einer Pizza-Kette inszeniert sich als Anti-Politiker und kommt damit vor allem bei der Tea-Party-Bewegung an. Vorwürfe wegen sexueller Belästigung und peinliche Patzer haben ihm jedoch geschadet - so sehr, dass er am 3. Dezember 2011 seine Kandidatur vorläufig auf Eis gelegt hat. Mit seiner zupackenden Art hat er sich als Gouverneur von New Jersey schnell Respekt verschafft. Für viele Republikaner ist er ein Hoffnungsträger, doch am 4. Oktober 2011 stellte Christie ein für allemal klar, dass er nicht kandidieren wird. : Die ehemalige Gouverneurin von Alaska erhält viel Aufmerksamkeit, doch ob sie in der Lage wäre, gegen Barack Obama zu gewinnen, haben viele bezweifelt. Am 5. Oktober 2011 hat sie ihren Verzicht auf eine Kandidatur bekanntgegeben. Der Bruder von George W. Bush (l.) hat sich als früherer Gouverneur von Florida Respekt verschafft. Einen weiteren Bush im Weissen Haus will er den Amerikanern aber offensichtlich nicht zumuten. «Ich kandidiere nicht», hielt er in einer Mitteilung fest. Der Kongressabgeordnete von Wisconsin hat den radikalen Budget-Sparplan der Republikaner entworfen. Das macht ihn für viele in der Partei zu einem möglichen Kandidaten, doch Ryan will davon bislang nichts wissen. Der populäre Gouverneur von Indiana und Budgetdirektor in der Regierung von George W. Bush galt als Favorit der Parteiführung. Am 22. Mai 2011 erklärte er jedoch aus Rücksicht auf seine Familie den Verzicht auf eine Kandidatur. : Dem ehemaligen Gouverneur von Arkansas gelang 2008 zum Auftakt der Vorwahlen ein Überraschungssieg. Dieses Mal hat der Baptistenprediger frühzeitig das Handtuch geworfen. : Der Gouverneur von Minnesota hat versucht, sich als solider Konservativer zu profilieren. Allerdings fehlt es ihm an Charisma. Im Juli stieg er als erster Kandidat aus dem Rennen aus. Der New Yorker Immobilienmogul sorgte mit markigen Sprüchen für Furore und erklomm in den Umfragen kurzzeitig den Spitzenplatz. Dann krebste er zurück: Seine vermeintliche Präsidentschaftskandidatur war wohl nur ein Werbegag für seine TV-Show «The Celebrity Apprentice».

Die US-Republikaner tun sich schwer damit, einen valablen Herausforderer für Barack Obama zu finden.

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Zwei Wochen vor den ersten Vorwahlen zur Nominierung des republikanischen Präsidentschaftskandidaten in den USA gerät der bislang aussichtsreichste Bewerber Newt Gingrich zunehmend unter Druck. Anhänger seines Konkurrenten Mitt Romney schalteten in den vergangenen Tagen Anzeigen im Wert von über einer Million Dollar, in denen der ehemalige Präsident des US-Repräsentantenhauses Gingrich als kühler Politprofi dargestellt wird.

In seinen Augen sei dies kontraproduktiv, gab sich Gingrich gegenüber CNN gelassen. Er werde in den nächsten Tagen auch eine neue Werbung schalten - aber keine, die den Gegner fertigmachen soll. «Meine Frau Callista und ich wünschen allen fröhliche Weihnachten», sagte Gingrich. Das negative Gerede des Romney-Lagers passe nicht zum «Geist der Festtage».

«Obama will Gingrich»

Romneys Wahlkampfhelfer beliessen es aber nicht bloss bei Fernsehspots. Sie verteilten in Iowa auch Flyer. Sie zeigen Präsident Barack Obama, der sich über eine Zeitungs-Schlagzeile freut: «Newt wins Iowa». Die Erklärung aus dem Lager Romneys: Obama wisse, dass Gingrich derjenige sei, den er besiegen könne. Deshalb gelte es, diesen Zweikampf zu verhindern und stattdessen Romney für die Republikaner ins Rennen zu schicken.

Mit dem sogenannten Caucus im US-Staat Iowa beginnen am 3. Januar kommenden Jahres die Vorwahlen der Republikaner. Das Ergebnis gilt als richtungsweisend für die folgenden Abstimmungen über den Präsidentschaftskandidaten.

Zusammenrücken in Umfragen

Eine am Montag veröffentlichte Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Gallup sah die Zustimmungswerte für Gingrich unter republikanischen Wählern bei 26 Prozent. Am 8. Dezember hatte er noch bei 37 Prozent gelegen. Romneys Umfragewerte lagen fast unverändert bei 24 Prozent.

Im direkten Vergleich lagen Romney und US-Präsident Barack Obama laut einer früheren Umfrage der Nachrichtenagentur AP und des Meinungsforschungsinstituts GfK gleichauf. Gegen Gingrich führte Obama mit 51 zu 42 Prozent.

Glaube als Faktor

Auch Rick Perry hat noch nicht aufgegeben. Der Gouverneur von Texas möchte ebenfalls Präsident der Vereinigten Staaten werden. Er gilt als Aussenseiter, worauf er am Dienstag auch selber via Twitter anspielte. «Es gab auch viele, die sagten, Tim Tebow werde nie ein guter Quarterback in der NFL. Ich möchte der Tim Tebow der Vorwahlen in Iowa sein.» Der Footballspieler, als Sohn von Missionaren sehr gläubig, spielt bei den Denver Broncos.

Perry gilt ebenso als erzkonservativ. Zudem ist er der Überzeugung, kompetenter zu sein als Romney und Gingrich. In einem neuen Werbespot greift er das Duo frontal an.

Dass Perry den Glauben in die Waagschale wirft, ist sicher kein Zufall. Denn Gingrich kann sich mittlerweile seiner konservativen Basis nicht mehr sicher sein. Wegen seiner zwei Scheidungen rief eine christliche Interessengruppe aus Iowa konservative Wähler auf, Gingrich die Unterstützung zu entziehen.

Gingrich will US-Marshals aufbieten

Nach einer Entscheidung des Obersten Gerichtshofs zur Wahlkampffinanzierung hatte sich die Intensität der politischen Kampagnen in den USA zuletzt deutlich verschärft. Privatpersonen, Verbände und Unternehmen dürfen den Kandidaten nun Spenden in unbegrenzter Höhe zukommen lassen und so deren Wahlkampf unterstützen.

Gingrich hatte das Urteil scharf kritisiert und angekündigt, die beteiligten Richter notfalls zwangsweise von US-Marshals vorführen zu lassen, sollten sie einer Ladung vor den Kongress nicht folgen. Romney sprach sich im Fernsehsender Fox gegen einen solchen Schritt aus. Die Justizvollzugsbehörden gegen Richter einzusetzen sei weder verfassungsgemäss noch praktikabel.

(rme/ap)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sven aus San Diego am 21.12.2011 11:34 Report Diesen Beitrag melden

    Ron Paul momentan am aufsteigen

    Ron Paul liegt in Iowa in den beiden neusten Umfragen auf Platz 1 - knapp vor Romney und 10 Prozente vor Gingrich. Im 2. Vorwahlstaat New Hampshire liegt er hinter Romney und vor Gingrich auf Platz 2. New H. ist Romney-Land und somit kein Wunder, dass Mitt vorne liegt. Gingrich ist zurückgefallen und wird noch mehr fallen, genau so wie Bachmann, Perry und Cain. Ron Paul wird in den Vorwahlen ausgezeichnet abschliessen und sie evtl. sogar gewinnen.

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  • Roger am 21.12.2011 22:11 Report Diesen Beitrag melden

    Keine Ron Paul Erwähnung im Artikel?

    Vermisse die Erwähnung von Ron Paul in dem Artikel. Nicht nur in IOWA sondern auch in vielen anderen Staaten ist Ron Paul immer in den Top 5 Plätzen gewesen. Damit dürfte er über mehr Stimmen verfügen als alle anderen Kandidaten. Die Berichterstattung ist dadurch schon etwas fragwürdig, wenn der aussichtsreichste Kandidat einfach ausgelassen wird. Ron Paul hat sehr gute Chancen der nächste Präsident der USA zu werden.

  • Thomas Ernst am 21.12.2011 10:10 Report Diesen Beitrag melden

    Ron Paul

    Wieder einmal wird Ron Paul, der je nach Umfrage auf Platz 1 oder 2 in Iowa liegt, komplett verschwiegen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Roger am 21.12.2011 22:11 Report Diesen Beitrag melden

    Keine Ron Paul Erwähnung im Artikel?

    Vermisse die Erwähnung von Ron Paul in dem Artikel. Nicht nur in IOWA sondern auch in vielen anderen Staaten ist Ron Paul immer in den Top 5 Plätzen gewesen. Damit dürfte er über mehr Stimmen verfügen als alle anderen Kandidaten. Die Berichterstattung ist dadurch schon etwas fragwürdig, wenn der aussichtsreichste Kandidat einfach ausgelassen wird. Ron Paul hat sehr gute Chancen der nächste Präsident der USA zu werden.

  • Markus am 21.12.2011 12:03 Report Diesen Beitrag melden

    Ron Paul 2012

    Ein toller Kandidat und sehr ernstzunehmen!

  • Sven aus San Diego am 21.12.2011 11:34 Report Diesen Beitrag melden

    Ron Paul momentan am aufsteigen

    Ron Paul liegt in Iowa in den beiden neusten Umfragen auf Platz 1 - knapp vor Romney und 10 Prozente vor Gingrich. Im 2. Vorwahlstaat New Hampshire liegt er hinter Romney und vor Gingrich auf Platz 2. New H. ist Romney-Land und somit kein Wunder, dass Mitt vorne liegt. Gingrich ist zurückgefallen und wird noch mehr fallen, genau so wie Bachmann, Perry und Cain. Ron Paul wird in den Vorwahlen ausgezeichnet abschliessen und sie evtl. sogar gewinnen.

    • Markus am 21.12.2011 12:02 Report Diesen Beitrag melden

      hoffen wirs

      dass er gewinnt. ein kühler kopf, überlegt, sachlich und mit geradezu tollen ansichten für einen republikaner

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  • Thomas Ernst am 21.12.2011 10:10 Report Diesen Beitrag melden

    Ron Paul

    Wieder einmal wird Ron Paul, der je nach Umfrage auf Platz 1 oder 2 in Iowa liegt, komplett verschwiegen.

  • Bruno S. am 21.12.2011 07:52 Report Diesen Beitrag melden

    was ist mit RON PAUL?!

    Ron Paul ereicht sehr hohe Umfragewerte! ER ist auf jedenfall ein ernst zu nehmender Kandidat. 20min ich finde es schade dass ihr ihn ignoriert, genau wie die Amerikanischen Medien. Warum erwähnt ihr nicht dass Ron Paul gegen Krieg ist, gegen die FED, gegen die finanzielle Unterstützung aller Ländern (Israel inbegriffen)

    • Claudio L. am 21.12.2011 12:09 Report Diesen Beitrag melden

      Warum wohl...?

      Weil 20min doch sehr politisch berichtet. Oder warum wird auch mit keinem Wort erwähnt, was sich im nahen Osten auf Blick nach China und Russlang wirklich abspielt?

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