Indonesien

09. Juli 2014 10:14; Akt: 09.07.2014 15:40 Print

Joko Widodo steht vor dem Wahlsieg

Der Reformer Joko Widodo dürfte der neue Präsident Indonesiens werden. Nach ersten Auswertungen soll er 80 Prozent der Stimmen erhalten haben.

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Ersten Hochrechnungen zufolge liegt Joko Widodo im Rennen um das Präsidentenamt vorn. Sein Rivale, der Exgeneral Prabobo Subianto, hatte vor der Wahl in Umfragen stark aufgeholt.

Bei der Präsidentenwahl in Indonesien liegt der Gouverneur von Jakarta, Joko Widodo, ersten Hochrechnungen zufolge vorn. Nach Auszählung von mehr als 80 Prozent der Stimmen kam Widodo demnach auf rund 52 Prozent. Sein Rivale, der Ex-General Prabowo Subianto, kam auf rund 48 Prozent. Die inoffiziellen Ergebnisse der Abstimmung am Mittwoch gelten als zuverlässig. Sie sind ein guter Indikator für das offizielle Resultat, das voraussichtlich in rund zwei Wochen vorliegen wird.

Harter Kampf

Zum jetzigen Zeitpunkt deuteten die Hochrechnungen darauf hin, dass er und sein Vizepräsidentschaftskandidat Jusuf Kalla die Wahl gewonnen hätten, erklärte Widodo. Der Wahlkampfchef seines Konkurrenten Subianto, Mohammad Mahfud, sagte hingegen, interne Hochrechnungsergebnisse zeigten, dass der Ex-General vorne liege. Er rief seine Anhänger auf, Ruhe zu bewahren, solange die Stimmen noch ausgezählt würden.

Der dritten direkten Präsidentschaftswahl in Indonesien war der polarisierendste Wahlkampf seit dem Übergang des Landes zur Demokratie im Jahr 1998 vorausgegangen. Dem als politisch integer geltenden Reformer Widodo stand der wohlhabende Ex-General Subianto, der Schwiegersohn des früheren Diktators Suharto, gegenüber. Bis vor wenigen Monaten galt der 53 Jahre alte Widodo, der es aus einfachen Verhältnissen zum Gouverneur von Jakarta schaffte, als klarer Favorit im Rennen um die Präsidentschaft. Doch dann hatte der 62-jährige Subianto durch nationalistische Rhetorik und unerwartete Unterstützung der Regierungspartei in Umfragen stark aufgeholt.

Unterschiedliche Kandidaten

Die beiden Kandidaten repräsentieren nicht nur verschiedene politische Richtungen, sondern pflegen auch einen völlig unterschiedlichen Stil. Widodo, besser bekannt unter seinem Spitznamen Jokowi, gilt als Mann der gemässigten Töne, der auch immer wieder zu spontanen Besuchen in den Elendsvierteln Jakartas auftaucht. Im Lager der Reformer wird der frühere Möbelhersteller auch deshalb als Hoffnungsträger gesehen, weil er der erste Kandidat bei einer Direktwahl ist, der keine Verbindungen zur Politik der Suharto-Ära hat.

Subianto ist bekannt für donnernde Wahlkampfreden und ein Faible für teure Autos. Er geniesst die Unterstützung der meisten islamistischen Hardliner. Auch die Demokratische Partei des scheidenden Amtsinhabers Susilo Bambang Yudhoyono stellte sich vor zwei Wochen hinter den Ex-General, dem Menschenrechtsverletzungen während der Herrschaft Suhartos bis 1998 vorgeworfen werden. Ausländische Investoren fürchten, dass das Land mit ihm zum Protektionismus und einer autoritäreren Staatsführung zurückkehren könnte.

Indonesien ist mit seinen 240 Millionen Einwohnern das bevölkerungsreichste muslimische Land der Welt. Der Staat hat mit Korruption und Armut zu kämpfen.

(sda)